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Kawasaki ZX-10R

| Autor / Redakteur: sp-x/Ulf Böhringer / Jacqueline Neumann

Obwohl sich die neue Kawasaki ZX-10R vom Vorgängermodell äußerlich kaum unterscheidet ist technisch fast alles neu. Das macht die Maschine vor allem eins: leichter fahrbar.

Obwohl sich die neue Kawasaki ZX-10R vom Vorgängermodell äußerlich kaum unterscheidet ist technisch fast alles neu. Das macht die Maschine vor allem eins: leichter fahrbar.
Obwohl sich die neue Kawasaki ZX-10R vom Vorgängermodell äußerlich kaum unterscheidet ist technisch fast alles neu. Das macht die Maschine vor allem eins: leichter fahrbar.
(Foto: Kawasaki)

Seit im letzten Herbst Yamaha seine neue R1 präsentiert hat, sind es schon vier Superbikes, die im Rennsport wie auch auf dem Markt eine Rolle spielen: Neben der Yamaha sind das BMW mit seiner leicht fahrbaren S 1000R, Ducati mit seiner unvergleichlich schicken Panikale 1200 und Kawasaki mit seiner ZX-10R. Letztere hat in den letzten drei Jahren zweimal den Titel in der Superbike-Weltmeisterschaft gewonnen, 2013 mit Tom Sykes als Fahrer, in dieser Saison mit Johnny Rea. Am Markt spielt die Kawa aber nur eine untergeordnete Rolle. Das soll 2016 anders werden. Gerade hat der japanische Hersteller das neue Modell präsentiert, das dem bisherigen zwar optisch sehr ähnlich ist, doch technisch stark verändert wurde. Ziel: eine verbesserte, nämlich leichtere Fahrbarkeit.

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Überraschend an der neuen ZX-10R ist zunächst, dass die Leistungsdaten kaum verändert erscheinen; die Spitzenleistung des 998 Kubikzentimeter großen Vierzylinder-Reihenmotors beträgt weiterhin 147 kW/200 PS, das maximale Drehmoment liegt mit knapp 114 Nm bei 11.500 U/min geringfügig höher. Doch verlaufen die Leistungskurven des neuen Motors anders als bisher: Insbesondere im unteren bis mittleren Drehzahlbereich sind sie fülliger. Und das ist der Bereich, auf den es auf der Rennstrecke wie auch auf der Straße besonders ankommt. „Je schneller sich ein Bike auf der Rennstrecke bewegen lässt, desto einfacher fährt es sich auch auf der Straßen“, glaubt Projektleiter Yoshimoto Matsuda. Über die auch vom in Barcelona stationierten Werksteam geforderte leichtere Fahrbarkeit will Kawasaki also den Markterfolg forcieren. Dass dieser Weg Erfolge verspricht, hat BMW eindrucksvoll vorgemacht.

Dazu blieb trotz äußerlich nahezu gleicher Hülle technisch gesehen fast nichts so, wie es beim Vorgängermodell war. So weist die Kurbelwelle ein um 20 Prozent geringeres Trägheitsmoment auf, was den Motor schneller hochdrehen lässt. Leichtere Kolben, vergrößerte Auslassventile, neue Nackenprofile, ein anders bearbeiteter Verbrennungsraum, eine größere Airbox, neue Übersetzungsverhältnisse - die Liste der technischen Veränderungen alleine beim Motor ist lang. Dazu kommen jetzt elektronische Drosselklappen zu einer besonders präzisen Kontrolle der Ansaugluftmenge und eine Abgasanlage aus Titan. Als 2016er Modell erfüllt der neue Motor die Vorschriften der strengeren Euro 4-Abgas- und Geräuschnormen.

Doch auch am Fahrwerk wurde vieles verändert: So orientiert sich der Lenkkopf um 7,5 Millimeter näher zum Fahrer, was zusammen mit der verlängerten Schwinge mehr Gewicht für die Front und damit eine höhere Stabilität am Kurveneingang bringen soll. Erstmals in einem Serienfahrzeug kommt die zusammen mit Showa in der Superbike-WM entwickelte Balance Free Front Fork zum Einsatz; durch sie soll das Ansprechverhalten der Dämpfung deutlich verbessert sein. Auch hinten kommt ein neuer Stoßdämpfer zum Einsatz, der leichter und kompakter als das bisher verwendete Modell ist. Er soll zu mehr Traktion beitragen. Zu den zahlreichen Novitäten am Fahrwerk gehört auch die neue Bremsanlage, jetzt vom italienischen Edelhersteller Brembo. Die M50 Monoblock-Bremssättel sind das Top-Produkt der Italiener, zudem kommen nunmehr auf 33 Zentimeter Durchmesser vergrößerte Bremsscheiben zum Einsatz.

Deutlich zugelegt hat die neue ZX-10R aber auch bei der Elektronik. So wird jetzt eine von Bosch stammende sogenannte Inertiale Messeinheit (IMU) verwendet, die in sechs Freiheitsgraden arbeitet und damit die Voraussetzungen für zahlreiche elektronische Systeme schafft. Die weiterentwickelte Traktionskontrolle hält beispielsweise nunmehr fünf Betriebsarten bereit. Auch einen Quickshifter - allerdings nur zum Hinaufschalten - gibt es, dazu drei Fahrprogramme mit hundert, achtzig oder sechzig Prozent der Motor-Maximalleistung. Zu den Elektronik-Features der ZX-10R zählt auch der von Öhlins speziell entwickelte elektronische Lenkungsdämpfer zur Stabilisierung der Gabel bei hoher Beanspruchung.

Die minutiöse Überarbeitung der ZX-10R verdeutlicht, dass Kawasaki sich auf seinen Rennsport-Lorbeeren der vergangenen vier Jahre nicht ausruhen will. Zugleich könnte die verbesserte Fahrbarkeit tatsächlich einen breiteren Interessentenkreis ansprechen.

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