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Kein Zurücklehnen in der Bike-Lounge

| Autor / Redakteur: Jan Rosenow / Martina Eicher

Unternehmensportrait: Die Bike Lounge Schwerin belegt den 3. Platz beim „Motorradhändler des Jahres 2012“.

„Ich hab das geilste Team der Welt“ meint Guido Möller (rechts).
„Ich hab das geilste Team der Welt“ meint Guido Möller (rechts).
(Foto: Jan Rosenow )

Motorradhändler Guido Möller aus Schwerin hat in seiner Unternehmerlaufbahn schon einige Fabrikate vertreten. Mittlerweile hat er einen Stand erreicht, auf dem er sich die Marken aussuchen kann und nur noch die ins Programm nimmt, die rentabel sind. Sein Erfolg an einem Standort wie Schwerin macht ihn selbst für Premiummarken wie BMW zu einem Partner, an dem fast kein Weg vorbeiführt.

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Händler freut sich auf Kawasaki

An Yamaha hingegen hält er vor allem wegen des ATV- und Quad-Geschäfts sowie der 125er fest. Insgesamt aber ist der Yamaha-Verkauf 2012 um 50 Prozent zurückgegangen. Mehr Chancen sieht er da bei seiner neuen Marke Kawasaki. „Kawa ist viel geiler: tolle Produkte, tolle Stimmung unter den Händlern“, freut er sich. Auch hat er sich von Piaggio getrennt, stattdessen den neuen Dreiradroller von Quadro aufgenommen und sein Engagement für Kymco verstärkt. Am Mehrmarkenhandel führt für Guido Möller jedenfalls kein Weg vorbei: „Man muss eine möglichst breite Modellpalette anbieten können.“ Doch die größte Herausforderung für den dynamischen Unternehmer war zweifellos die Integration von BMW im Jahr 2011. Um die Marke angemessen präsentieren zu können, hat er danach ein leerstehendes Autohaus umgebaut, das am 12. Januar 2013 als neuer Standort eröffnet wurde. Die Aufteilung auf zwei Betriebsteile sieht der Unternehmer nicht als Problem an, da die allermeisten BMW-Interessenten sich ohnehin kein Motorrad einer anderen Marke anschauen würden. Außerdem läuft der BMW-Vertrieb auch heute schon komplett eigenständig und wird über ein eigenes Dealer-Management-System abgewickelt. Bei der Vermarktung kooperiert Möller mit dem lokalen BMW-Autohaus, stellt Neufahrzeuge dort aus und vermietet Motorräder als Werkstattersatzfahrzeuge für Autohauskunden. Die anderen Fabrikate, also Yamaha, Kawasaki, Can-Am, Kymco, Quadro und TGB, bleiben in der geräumigen Halle, die den Betrieb seit 2003 beherbergt. Der Bau bietet genügend Platz, um für alle ein markengerechtes Umfeld und gleichzeitig ansprechende Kundenwartezonen zu schaffen. Das neue Gebäude, ein ehemaliges Fiat-/Lancia-Autohaus, wäre allerdings auch groß genug, alle Marken zu beherbergen, falls der Eigentümer des jetzigen Domizils die Halle verkaufen wollte und der Betrieb ausziehen müsste.

Diese Gefahr schwebt schon seit Langem über der Bike Lounge. „Mit dem neuen Gebäude sehen jetzt auch die Mitarbeiter, dass das Unternehmen eine Zukunft hat“, sagt Guido Möller. Derzeit beschäftigt sein Betrieb immerhin zwölf Leute. Jede Woche kommen zwei oder drei Initiativbewerbungen ins Haus. Oft werden gute Leute aber gleich nach der Ausbildung abgeworben. Der Chef bezieht seine Mitarbeiter aktiv in die Unternehmensführung ein und zeigt ihnen einmal im Monat alle Zahlen. Guido Möller ist sich sicher: „Ich habe das geilste Team, das es gibt.“ Dazu tragen auch die regelmäßigen Schulungen bei und die durchgehende Beschäftigung während der Wintersaison.

Beim Kundenkontakt setzt Möller stark auf das Telefon und nimmt gezielt Frauen für den Telefondienst, weil sie schnell eine positive Grundstimmung erzeugen. Und das Telefon wird bei der Kundenbetreuung immer wichtiger, denn der Unternehmer denkt in größeren Dimensionen, als sie ihm sein Marktgebiet rund um Schwerin bietet. „Wir liefern Motorräder in ganz Deutschland aus und auch ins Ausland. Dabei kümmern wir uns um die gesamte Logistik.“ Trotzdem vernachlässigt er nicht den lokalen Markt und wirbt etwa per Radio für die Wintereinlagerung. Sehr bekannt ist mittlerweile der Slogan „Ein Möller, ein Wort“. „Die Kunden müssen wissen: Möller ist gleich Motorrad.“ Um seinen Namen überregional bekannter zu machen, geht das hauseigene Schweriner Racing-Team MV im Jahr 2013 bei den 1.000 Kilometern von Hockenheim an den Start. Außerdem kümmert sich eine eigene Kraft um das Thema Internet, also die Webseite des Betriebs, Ebay, Facebook usw. „Internet ist die Priorität Nummer eins.“ In einem rückläufigen Markt hat Guido Möller seine Verkaufszahlen sowohl für Neu- und Gebrauchtmaschinen als auch für die Werkstattdurchgänge signifikant steigern können. Die Finanzierungsquote beträgt 85 Prozent, weil die Verkäufer angehalten sind, Finanzierungen anzubieten. Mit einer genauen Kennzahlenanalyse sorgt er dafür, dass das Wachstum auch profitabel ist. Warenbestand, Umsatz, Kundeninteresse und Kosten werden permanent analysiert, um die Umsatzrentabilität zu verbessern. Dabei arbeitet er eng mit seinem Steuerbüro zusammen. Ziel ist es, die Eigenkapitalquote in den nächsten drei Jahren mindestens zu verdoppeln.

Eigener Mann für die Fahrzeugabnahme

Sehr viel Aufmerksamkeit widmet er der Servicequalität. Ein Mitarbeiter kümmert sich ausschließlich um die Abnahme der Fahrzeuge nach der Reparatur. Direktannahme ist selbstverständlich. Die Rechnung bekommt der Kunde in einer selbst gestalteten Mappe, in der auch ein Bild des jeweiligen Monteurs zu sehen ist. „Damit packe ich die Werkstattmitarbeiter beim Gewissen.“ Bei Fehlern kann sich niemand herausreden. Zur Sicherheit führt er zwei Mal im Jahr mit der Dekra einen Werkstatttest durch, den er selbst bezahlt. Tuning und Umbauten von Motorrädern und Quads gehören selbstverständlich zum Angebot. Ähnlich wie bei den Fahrzeugen bietet Guido Möller auch im Bekleidungsgeschäft ein konkurrenzlos breites Programm an. In der 100.000-Einwohner-Stadt Schwerin gibt es zudem keine Polo- oder HG-Filiale, weswegen er hier gute Umsatzchancen sieht. Nach dem Umzug der BMW-Welt in das neue Gebäude gestaltet er den frei werdenden Teil seines Betriebs zum Held Biker Shop und wird damit zum Komplettanbieter in Sachen Bekleidung. Mit seinen beiden Söhnen Theo und Til hat der 38-Jährige sogar schon in Sachen Unternehmensnachfolge vorgesorgt. Okay, die beiden sind erst fünf und eineinhalb Jahre alt, aber „es wäre für mich das Größte auf der Welt, wenn einer von beiden mein Geschäft übernehmen würde.“ Mit dem neuen Namen für die BMW-Filiale, Möller & Söhne, hat er diesbezüglich schon vorgesorgt. Und mit dem im Eigentum befindlichen neuen Betriebsgebäude steht die Bike Lounge Schwerin auch diesbezüglich auf sicherem Grund. Guido Möller hat sich seit seiner letzten Bewerbung im Jahr 2006, als er einen Top-Ten-Platz erreichte, stetig nach vorn entwickelt und ist mit seiner Markenvielfalt und seiner Professionalität nun die absolute Nummer eins in seiner Region. Die Jury gratuliert herzlich zum dritten Platz beim „Motorradhändler des Jahres“.

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