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King of cool und die Petrolheads

Aus dem Tagebuch des »bike und business«-Chefredakteurs (KW 29/2018/I), Folge 613: Das schöne an den Sommermonaten ist, dass ich dann in der Regel im Sattel eines Motorrades auf Geschäftsreise gehen darf. In den Augen des Durchschnittsbikers mutet es da schon fast wie Luxus an, wenn..

Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin.
Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin.
(Bild: Vogel Communications Group)

...ich dabei auch noch fast fabrikneue Modelle benutzen darf. Gerne hole ich die heißen Öfen dann persönlich direkt beim Hersteller oder Importeur ab. So wie jüngst geschehen in Friedrichsdorf bei Frankfurt, Max-Planck-Straße 26, Kawasaki Motors Europe N.V. Niederlassung Deutschland.

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Als ich klingelnd an der Pforte beim Telefonroboter um Einlass gewähre, macht mir – plötzlich und unerwartet – kein Geringerer als Jürgen Höpker-Seibert, der Niederlassungsleiter persönlich, die Türe auf. Bingo! Herzliches Hallo und Latte Macchiato gefällig aus dem brandneu angeschafften italienischen Kaffeeautomaten? Schon sind wir mitten drin im informativen Hintergrundgespräch über die aktuelle Branchenlage im Allgemeinen und die Lage im Kawasaki-Händlernetz im Besonderen. Im Großen und Ganzen äußerte sich der deutsche Kawa-Chef nicht nur sehr zufrieden mit der ersten Hälfte der Motorradsaison 2018 sondern sogar ein wenig euphorisch. Bei den Motorrädern über 125 Kubik Hubraum verteidigt Kawasaki den zweiten Platz in Sachen Marktanteil hinter BMW – und liegt damit vor seinen japanischen Rivalen Honda. Yamaha und Suzuki. Modelle wie die Kawasaki Z 900 fanden bisher reißend Absatz. Gute Nachricht für Fans des Kult-Retro-Bikes in der Version RS: Ab August soll laut Pressesprecherin Christian Urban wieder ein Schwung neuer Maschinen aus Japan eintreffen. Voller Vorfreude ist das deutsche Kawasaki-Team über die bevorstehende Markteinführung der 125er-Einstiegs-Kawasaki. Endlich mal eine Alternative für die Nachwuchsbiker, die sonst immer fast nur zur KTM Duke 125, MT 125 von Yamaha oder Honda CB 125 griffen!

Mit dieser frohen Botschaft im Rucksack nehme ich während des Abschlussplausches mit Marcus Hillenbrand von der Kawasaki- Händlernetzentwicklung vom Werkstattmeister der Grünen den Schlüssel der Testmaschine entgegen. Da steht sie, ein Traum auf zwei Rädern, die Kawasaki Z 900 RS, Version Performance, in Candytone Braun/Candytone Orange. Was für ein Farbmix! Und True Spirit aus den Seventies, gemacht für den Nerd oder Hipster der Neuzeit (also mich), der auf authentische Modern-Classic-Motorräder abfährt.

Als King of Cool entschwebe ich den Kawasaki-Headquarters in Friedrichsdorf auf Wolke sieben und ich schieße mit der Bike-Ikone voller Tatendrang in meiner Zeitreise als Taunusgipfelstürmer hoch auf den Feldberg. Kaum habe ich dort das Hammer Bike mit den Z1-Genen auf den Seitenständer gestellt, eilen auch schon die ersten Schaulustigen – allesamt fachkundig – herbei, und verstricken mich sofort in ein Gespräch über diese neualte Maschine. Ein Phänomen, das mich fortan in den folgenden 14 Tagen meiner Testfahrt auf Schritt und Tritt begleitet. Ich liebe Mopeds, die polarisieren und zum inspirierenden Benzintalk unter Petrolheads einladen!

Doch die Z 900 RS sieht nicht nur unverschämt gut aus, sie lässt sich auch unheimlich gut fahren. Der Vierzylinder des 948-cm³-Motors reißt mit 111 Pferdestärken an der Kette und wartet mit 99 Newtonmeter Drehmoment auf. Seidig klettert das Bike dank des perfekten Motormappings die Drehzahlleiter hinauf bis in fünfstellige Regionen. Klasse Sitzpostion und insgesamt gut abgestimmt. Toll die Rundinstrumente, die gut ablesbar sind und durch ein mittig gesetztes Digitaldisplay ergänzt werden. Moderne Technik gepaart mit gekonntem Retrolook. Liebevolle Details gibt es zuhauf zu entdecken, von den verwendeten Schriften bis hin zu LEDs in Glühbirnen-Form und in Speichen-Optik gefräste Räder. Das Motorrad schafft den Spagat zwischen liebevoller Erinnerung an die Historie und seinen Ambitionen in puncto Modernität.

Das Fahrwerk ist werksseitig ziemlich straff eingestellt und quittiert dem Fahrer jede Bodenwelle und jeden einzelnen Gullideckel. Macht aber nichts: Hart, aber herzlich heißt die Rückmeldung von der Fahrbahndecke! Die Top-Bremsen packen erfreulich hart zu, sind aber dennoch bestens dosierbar. Die Sechs-Gang-Kupplung erweist sich als erfreulich leichtgängig. Die zweistufige Traktionskontrolle, die sich abschalten lässt, sorgt dafür, dass das Hinterrad glitschige Fahrbahnverhältnisse meistert.

Fazit: Mit dem Herzen ist der Fahrer in der gloriosen Vergangenheit unterwegs (bei älteren Zeitgenossen ist es die Z1, Jahrgang 1972, bei etwas jüngeren Semestern eher die Zephyr, Anfang der 90er), im Kopf wendet er sich der Zukunft zu. Ich habe meine Zeit mit der Kawa sehr genossen und bin in das außergewöhnliches Bike mit Charakter verschossen. Es ist jeden einzelnen der rund 12.000 Euro aufgerufenen Euros wert. Jetzt wird's Zeit, den Sparstrumpf zu befüllen.

Bei welchem Motorrad geraten Sie gegenwärtig so ins Schwärmen, dass Sie Ihr Konto plündern würden? Schicken Sie mir den Namen Ihres derzeitigen Lieblingswunschbikes und erläutern Sie mir in wenigen Sätzen, warum Sie Bock darauf hätten, es sich zuzulegen.

(ID:45392236)

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