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Költgen: Mobilmachung für Handicap-Biker

| Autor / Redakteur: Frank R. Weihs / Martina Eicher

Motorradfahrer, die verunglückt sind oder mit einem Handicap leben, müssen nicht auf ihr dynamisches Hobby verzichten. Denn es gibt auf Umbau spezialisierte Unternehmen, die Biker’s Handicap mit maßgeschneiderter Technik kompensieren, zum Beispiel Költgen in Krefeld.

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Volles Haus – Vorderansicht der Költgen GmbH.
Volles Haus – Vorderansicht der Költgen GmbH.
(Bild: Frank R. Weihs)

Die Idee, mal was über Handicap-Biker zu bringen, kam von »bike und business«-Leser Elmar Meder aus dem nordhessischen Bad Sooden-Allendorf. Dessen Brief an die Redaktion begann so: „Ich bin 58 Jahre jung, 1,85 m groß, zu 100 Prozent schwerbehindert und seit einem nicht selbst verschuldetem Motorradunfall im Jahr 1980 links am Oberschenkel amputiert. Dieser Einschnitt in meinem Leben war anfangs nicht leicht zu überwinden, aber dennoch hat mich die Faszination des Gasdrehgriffsyndroms bei schönem Wetter bis heute nicht losgelassen. Selbst das Hobby der Jagd und die professionellen Ausbildung von Jagdhunden als auch das Tanzen konnten meine Leidenschaft fürs Zweirad nicht unterbinden. Im vergangenem Jahr erzielte ich als erster Oberschenkelamputierter in einem Discofox-Tanzturnier unter ,Zweibeinern‘ in den Kategorien Hobby-, Sport- und Turnierklasse den Platz 5 in der Turnierklasse.“ Elmar Meder war bereits in „Brisant“, „Bilderbogen“ und im „Ländermagazin“ im Fernsehen zu sehen.

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Wer beim Schreiben solch ein Selbstbewusstsein an den Tag legt, ist zu Höherem berufen. Seit ein paar Jahren ist Meder nach eigenen Angaben professioneller Demopatient im Hause Otto Bock, einem weltweiten Hersteller von Prothesen, und trägt eine computergesteuerte Prothese der Marke Genium. In diesem Bereich unterstützt er Techniker aus der ganzen Welt bei der Fertigung des Schaftes bis hin zum Aufbau der Prothese und deren Einstellungen und der Analysierung des Gangbildes.

Gegen Ende des vergangenen Jahres kam ihm die Idee, das Tabuthema Schwerstbehinderung in unserer Gesellschaft öffentlichkeitswirksam anzugehen. Er will einen speziellen „Krüppelchen-Club“ gründen. „Mit dem Namen sprechen wir gleich und ohne Umschweife dieses Klientel direkt an und jeder weiß, was gemeint ist, ohne sich angegriffen zu fühlen“, sagt Meder. Der Club soll Motorradfahrern Tipps für den Wiedereinstieg geben, für die Erlangung der Fahrerlaubnis, passend umgebaute Motorräder und wo es Zubehör und die entsprechende Schutzkleidung gibt.

Dann wollen wir damit doch mal anfangen und porträtieren an dieser Stelle ein Unternehmen, das sich auf Umbauten für Handicap-Biker spezialisiert hat und Kunden aus ganz Europa mit seinen Servcies begeistert: die Költgen GmbH in Krefeld.

Anlaufstelle für Handicap-Biker aus ganz Europa

Peter K. aus Celle lädt mit seinem Kumpel Walter eine noch ziemlich frische, giftgrüne Kawasaki ZX-10R aus dem Transporter und übergibt sie Willis Költgens Team. Peter verlor bei einem Unfall sein linkes Bein und findet nun, mithilfe der Költgen GmbH, wieder zurück ins aktive Biker-Leben. Sechs kurz abgestufte Gänge müssen zügig geschaltet und der Seitenständer per Knopfdruck aus- und wieder eingeklappt werden. Ein kleiner Schritt für die Techniker, aber ein großer Sprung für Peter.

Grete rollt mit einem breiten Grinsen zur Tür herein – sie weiß, was auf sie zukommt: Probesitzen auf ihrer neuen BMW R Nine T, ein FBS-Motorrad (Feedless-Biking-System). Was das im Detail heißt, erklärt Willi im Interview (ab S. 60). Sie kam extra mit dem Flieger aus Norwegen, um die letzten Anpassungen durchführen zu lassen, damit sie mit dem Bike eine dynamische Einheit bildet und alles passt – Griffweite und Position der Bedienelemente für die Hände und die Ablagen für die Füße.

Nachdem die Kunden ausgiebig beraten wurden und alle Details des Umbaus besprochen sind, wird der Auftrag unterschrieben. Für die kommenden zwei Wochen bleibt dem Wiederaufsteiger nur die Vorfreude auf die zurück gewonnene, bereifte Freiheit.

Die Költgen GmbH ist die führende Firma für solche Umbauten in Deutschland und in dieser Art einzigartig. Költgen sucht weitere Kooperationspartner zum Aufbau eines Netzwerks, um mit in der Praxis demonstrierter Aufklärungsarbeit und Show-Events den betroffenen Kunden am jeweiligen Standort des Motorradhändlers den Weg aus der „Radlosigkeit“ zu ebnen.

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