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KTM 1090 Adventure: Einstieg auf hohem Niveau

Autor / Redakteur: Ulf Böhringer/SP-X / Elena Koch

Die 1090 Adventure ist KTMs preiswertestes Modell der neu strukturierten Travel-Baureihe. An ihr zeigt sich, wie sehr das Bessere ein Feind des Guten ist.

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Das Leistungsplus im oberen Drehzahldrittel ist markant, gefühlt ist die Neue in eine höhere Kategorie aufgestiegen.
Das Leistungsplus im oberen Drehzahldrittel ist markant, gefühlt ist die Neue in eine höhere Kategorie aufgestiegen.
(Bild: KTM)

1050 Adventure hieß zwei Jahre lang das KTM-Einstiegsmodell in die Reiseenduro-Baureihe der Österreicher. 95 PS, knapp 230 Kilogramm Gewicht und ein Preis von 12.695 Euro im Verein mit einer teils unangemessen dürftigen Verarbeitung sorgten nicht gerade für überschäumende Nachfrage, vor allem, weil die weitaus leistungsstärkere und besser verarbeitete 1190er preislich zu dicht dran lag. KTM hat zu Beginn der Saison 2017 reagiert: Die neue 1090 Adventure leistet nunmehr 125 PS, ist aber nicht schwerer und trotz deutlich besserer Verarbeitung nur 200 Euro teurer geworden. Zudem beträgt der Preisabstand zur neuen 1290 SuperAdventure S nunmehr satte 3.600 Euro.

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Harmonischer, emotional packender Motorradmotor

Motorisch ist die mit gleichem Hubraum von 1.050 cm³ antretende 1090er gegenüber ihrer Vorgängerin ein klarer Fortschritt: Das Leistungsplus im oberen Drehzahldrittel ist markant, gefühlt ist die Neue in eine höhere Kategorie aufgestiegen, obwohl das faktisch nicht so ist und man einer im direkten Vergleich gefahrenen 1050er wohl kaum davonfahren wird. Der V2 zeigt eine gute Laufkultur, nimmt fein Gas an und ist deshalb von verbindlichem, angenehmem Wesen. Ein harmonischer, aber jetzt auch emotional packender Motorradmotor. Dank des breit nutzbaren Drehzahlbandes sind die 125 PS auch mit Blick auf die Konkurrenz absolut ausreichend. Keinerlei Kritik ist auch an Kupplung, Getriebe und Übersetzung möglich, alles funktioniert vorzüglich. Einer Erwähnung wert sind die gut funktionierende Traktionskontrolle wie auch die ebenso hilfreiche Antihopping-Eigenschaft der Kupplung. Der Treibstoffverbrauch ist mit um die 6 Liter/100 Kilometer angemessen, die Reichweiter liegt bei gut 300 Kilometern.

Auch ohne großartige Einstellmöglichkeiten an Gabel und Federbein liefert die 1090 Adventure ein hohes Maß an Fahrvergnügen. Die USD-Gabel mag sehr engagierten Fahrern vielleicht ein wenig zu lasch vorkommen, doch angesichts der Anforderungen an ein Einstiegsmodell halten wir das Gebotene für angemessen. Dank der Beschränkung auf moderate Reifenbreiten biete die KTM eine feine Agilität in Kurven, gleichzeitig bleibt sie stabil auf Kurs. Die neuen Metzeler-Reifen vom Typ Tourance Next harmonieren vorzüglich mit dem Fahrwerk. Für schärfere Offroad-Einlagen taugen sie nicht, aber dafür hat KTM ohnehin das Schwestermodell 1090 Adventure R im Programm (stärkere Gabel, größeres Vorderrad, mehr Federweg und Bodenfreiheit, Speichenräder etc.), das für die Montage grobstolliger Pneus prädestiniert ist.

Bordcomputer nicht auf dem neusten Stand

Ebenfalls gut gelungen ist die Ergonomie. Sitz, Lenker und Fußrasten bilden ein sehr gut passendes Dreieck, auch die fünffach einstellbaren Lenker-Hebeleien gefallen. Für die vorhandenen Verstellmöglichkeiten an Lenker und Fußrasten gibt’s ein Zusatzlob. Ein wenig getrübt wird das Wohlbefinden des Fahrers vom Windschild; es ist zwar in der Höhe verstellbar, neigt aber in allen Positionen zum Hervorrufen von Turbulenzen am Fahrerhelm. Ein ärgerliches Kapitel an der 1090er stellt die Bedienung des Bordcomputers dar. Das Menü ist verschachtelt, die Anzeigen sind viel zu textlastig. Wer in Fahrt Einstellungen ändern will, kommt zwangsläufig aus dem Fahrrhythmus. Dieses Detail offenbart, dass die 1090 Adventure noch nicht in der Jetzt-Zeit angekommen ist, denn die neuen 1290er Modelle beherrschen diese Disziplin in beispielgebender Weise.

Es geht aber auch teurer

Wer möchte, kann den Kaufpreis für eine 1090 Adventure von 12.895 Euro ohne Probleme um 50 Prozent steigern. Die edel gefertigten KTM-PowerParts aus CNC-gefrästem Alu sind darin noch gar nicht einmal enthalten. Wer solchermaßen opulent ordern würde, beginge aus unserer Sicht allerdings einen Fehler, denn der Charme der 1090 Adventure liegt in ihrer leichten Fahrbarkeit und ihrer einfachen Zugänglichkeit zu einem gerade noch vermittelbaren Preis.

Anzumerken ist noch eine Besonderheit dieses Modells: Es wird auf Wunsch auch mit dem bisherigen 95-PS-Motor geliefert. Der kann und darf nämlich auf 48 PS gedrosselt werden, womit die kleinste Adventure auch von Inhabern der A2-Lizenz gefahren werden darf. Entdrosseln ist selbstverständlich machbar, aber das „Aufblasen“ auf die 125 PS der Normalversion ist nicht möglich.

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