KTM 1290 Super Duke R: Herzoglich Angasen

Mächtiger Motor und extravagantes Design in der Naked Bike-Klasse

| Autor / Redakteur: Thilo Kozik/SP-X / Elena Koch

Am Ende der Zielgeraden des Losail Circuit von Doha lassen fast 250 km/h den Helm die Nase plattdrücken und die Nackenmuskeln schmerzen.
Am Ende der Zielgeraden des Losail Circuit von Doha lassen fast 250 km/h den Helm die Nase plattdrücken und die Nackenmuskeln schmerzen. (Bild: Sebas Romero, Marco Campelli)

KTM stellt mit der 1290 Super Duke R nicht nur das potenteste, sondern auch polarisierendste Naked Bike vor – 177 PS und das eigenwillige Kiska-Design sind in aller Munde.

KTM legt bei den sportlich orientierten Naked Bikes nach und stellt mit der 16.395 Euro teuren 1290 Super Duke R das neue Oberhaupt seiner straßensportlichen Duke-Familie vor. Dabei sorgen nicht nur die technischen Daten für Aufmerksamkeit, vielmehr liefert wieder einmal das extravagante Design der KTM jede Menge Gesprächsstoff. Der Super-Herzog kommt noch drahtiger, noch extremer, noch kantiger daher, woran der unverhüllte Heckrohrrahmen maßgeblich beteiligt ist. Doch vor allem die neue Maske mit dem mittig geteilten LED-Scheinwerfer erhitzt die Gemüter – entweder man mag die insektenartige Leuchteneinheit mit LED-Tagfahrlicht oder man lehnt sie rundweg ab.

Doch dieses Element ist wie der Rest des Motorrades nicht umsonst genau so gestaltet: Der für die LEDs benötigte Leichtmetall-Kühlkörper teilt das gesamte Bauteil vertikal, dient den Leuchten als Träger und integriert die gesamte Steuerelektronik. Der durchsichtige Kunststoff erlaubt tiefe Einblicke durch die Baugruppe hindurch. Mit der verschärften Front und der angriffslustigen Haltung haben die Designer ihren Auftrag erfüllt: Hier sieht jeder sogleich, dass die 2017er-Super Duke R ein neues Modell ist.

Motor mächtig aufgepeppt

Denn die Österreicher haben neben der Optik auch den mächtigen Vau-Zwo-Motor aufgepeppt: Titan-Einlassventile, eine höhere Verdichtung, kürzere Einlasskanäle und Auspuffklappen lassen den flüssigkeitsgekühlten Vierventiler auf 177 PS und 141 Newtonmeter Drehmoment erstarken, was ihn zum Herrscher der Naked Bike-Klasse macht. Der startet dank des neuen KTM Race on-Transpondersystems schlüssellos auf Tastendruck und röchelt angriffslustig heiser aus dem voluminösen Schalldämpfer.

Einmal losgelassen, begeistert die Duke mit einem extrem breiten nutzbaren Drehzahlband und beeindruckendem Schub aus dem Keller. Ab 2.500 U/min werkeln gewaltige Kräfte, aber insbesondere der Druck in der Mitte macht diesen Vau-Zwo unwiderstehlich, ohne dass ihm die Drehfreude in oberen Regionen abgeht. Fast noch mehr als die schiere Kraft imponieren die weiche Gasannahme und punktgenaue Dosierung, die das dralle Drehmoment maximal verwertbar machen – bei gleichzeitig um ca. 10 Prozent reduzierten CO²-Emissionen.

Eine ausgeklügelte Elektronik stellt drei Fahrmodi bereit, die dem 75-Grad-Vau unterschiedliche Charaktere bescheren: „Street“ und „Sport“ mit maximaler Leistung und entsprechendem Leistungseinsatz sowie „Rain“ mit maximal 100 PS und sanftem Ansprechen, was den Kraftprotz spürbar zähmt. Damit verknüpft lässt die nun schräglagenabhängige Traktionskontrolle MTC unterschiedlich viel Antriebsschlupf zu und verfügt über eine Anti-Wheelie-Funktion, das neue Kurven-ABS bietet eine Supermoto-Einstellung mit deaktivierter Hinterrad-Regelung und Komplettabschaltung.

Feinschliff für die Rennstrecke

Noch mehr Feinschliff für den Rennstreckeneinsatz erlaubt das neue optionale „Track Pack“ für 340,46 Euro, das im zusätzlichen Fahrmodus „Track“ eine Launch-Control für optimales Starten, eine neunfach justierbare Schlupfanpassung der Traktionskontrolle sowie ein wählbares Ansprechverhalten des Motors bietet. Dazu kann die Anti-Wheelie-Funktion deaktiviert werden. Für schnelle Rundenzeiten unabdingbar ist zudem der Quickshifter+ (390 Euro), mit dem der Fahrer ohne Kupplungsbetätigung rauf- und runterschalten kann. Dieser ist aber auch im „Performance Pack“ integriert, das zusätzlich eine Motorschleppmoment-Regelung (MSR) sowie das KTM MY RIDE-System für kabellose Smartphone-Integration umfasst – Kostenpunkt 535 Euro.

Den Stier bei den Hörnern packen

Mehr Sportsgeist verströmen auch die straffere Abstimmung der WP-Federelemente und die modifizierte Ergonomie: Der flachere und breitere Lenker sorgt für mehr Druck auf dem Vorderrad. Diese „Stier bei den Hörnern“-Haltung vermittelt auf Anhieb viel Kontrolle, die schmale Sitzbank bietet einen guten Knieschluss und dem unteren Rücken Halt – der beim brachialen Beschleunigen auch benötigt wird. Genauso wie der Lenkungsdämpfer, der die stets gen Himmel strebende Front sanft beruhigt.

Aufrecht und leicht vorgebeugt dirigiert der KTM-Pilot seine Super Duke R mit sicherer Handlichkeit spielerisch durch Wechselkurven. Akkurat sticht sie in alle möglichen Radien und erlaubt auch Korrekturen in tiefer Schräglage, beim Herausbeschleunigen aus den Ecken zeigen sich die neuen Metzeler Sportec M7 RR dem gewaltigen Drehmoment weitgehend gewachsen. Im umgekehrten Falle überzeugt das Schräglagen-ABS mit hoher Effizienz und Bremsstabilität beim Ankern.

Trotz der innigen Integration bleibt der Arbeitsplatz auch auf Dauer bequem. Fürs Hanging-off auf der Rennstrecke ist die breite Lenkstange indes nicht gerade ideal, und großartigen Windschutz darf man nicht erwarten – am Ende der Zielgeraden des Losail Circuit von Doha lassen fast 250 km/h den Helm die Nase plattdrücken und die Nackenmuskeln schmerzen. Aus der Fahrerperspektive fallen das gut ablesbare farbige TFT-Display auf, auch eine Reifendruckkontrolle und selbsttätige Blinkerrückstellung sind serienmäßig an Bord.

Ungeachtet dieser alltagsorientierten Features bleibt sich KTM treu und serviert mit der neuen Super Duke R eine atemberaubende wie beherrschbare Fahrdynamik und ein Modell, das sich und seinen Fahrer in den Mittelpunkt stellt. Wer’s mag, wird die verlangten 16.395 Euro gern zahlen.

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