Kymco: Generation Like

Der Kymco Like II 125i

| Autor / Redakteur: Ulf Böhringer/SP-X / Viktoria Hahn

Die Premiumausstattung umfasst neben vollwertigem ABS und sehr praktischem Topcase auch das hauseigene Connectivity-System Noodoe.
Die Premiumausstattung umfasst neben vollwertigem ABS und sehr praktischem Topcase auch das hauseigene Connectivity-System Noodoe. (Bild: SP-X/fbn)

Der taiwanesische Hersteller Kymco bringt den ersten 125er-Roller der online gehen kann auf den Markt. Zumindest in der „Exclusive“-Version.

Das System der „Likes“ wurde von Facebook gerade eingeführt, als der taiwanesische Rollerhersteller Kymco im Jahr 2009 seinen Retro-Einfachroller Like 125 vorstellte. Das Thema Connectivity – gemeint ist die Online-Vernetzung – schimmerte seinerzeit weit, weit entfernt am Horizont. Neun Jahre später schicken die Koreaner die zweite Generation des Like auf die Straßen.

Mit Noodoe unterwegs Likes sammeln

Wer sich zum Kauf der „Exclusive“-Version entschließt (3.299 Euro statt 2.799 Euro für die Basisversion), kann tatsächlich unterwegs Likes einsammeln. Denn die Premium-Ausstattung umfasst neben vollwertigem ABS und einem sehr praktischem Topcase auch das hauseigene Connectivity-System Noodoe.

Das System hat im vergangenen Jahr in Kymcos Super-Scooter AK 550 Premiere gefeiert. Mit der Möglichkeit einer Vernetzung zwischen Smartphone und Roller-Cockpit ist der Like II 125i „Exclusive“ der erste Leichtkraftroller auf dem Markt, der auf Wunsch unterwegs online gehen kann und dabei Informationen im Roller-Display sichtbar macht.

Taiwanesisches Vespa Double

Schaut man den Like II von schräg vorn an, lässt sich der Gedanke an die Urmutter aller Stadtroller nicht verdrängen: Die Ähnlichkeiten mit der legendären Vespa sind von Kymco selbstverständlich gewollt. Das Beinschild – hier freilich aus Kunststoff –, die Proportionen und auch die Raddurchmesser entsprechen näherungsweise den Bauteilen der italienischen Primadonna. Natürlich rangiert diese im Image-Ranking unerreichbar an der Spitze, doch Kymcos Like II will mit hochwertigerer Technik und um fast 1.500 Euro günstigerem Preis punkten.

Technische Fakten

Der Einzylindermotor gehört zur gebläsegekühlten Spezies; Leistungsausbeute (rund 8,5 kW/11,5 PS sowie 10 Nm) wie Laufkultur fallen klassengemäß aus. Dank fein arbeitender Fliehkraftkupplung und Variomatik ist das Fahren kinderleicht: Gasgeben genügt für stets sanft verlaufende Beschleunigungsvorgänge. Bis etwa 60 km/h geht das zügig genug, um bei Ampelstarts aus der ersten Reihe die Pole-Position im Stadtverkehr auch verteidigen zu können. Danach lässt der Vorwärtsdrang erwartungsgemäß nach, und jenseits der 80 km/h wird’s zäh. Mit 95 km/h Höchstgeschwindigkeit homologiert, zeigt der Tacho in der Ebene maximal 103 km/h an; er geht offenbar ein gutes Stück vor. Bergab kann man bis zu 115 km/h ablesen. Quetscht man den Like II konsequent aus, laufen etwa drei Liter Sprit durch die Einspritzanlage; verläuft die Fahrt ruhiger, genügen auch 2,5 Liter für 100 Kilometer. Weil der Tank mit 6,5 Litern Fassungsvermögen eher knapp bemessen ist, ruft der Like II ungefähr alle 200 Kilometer zum Tankstopp. Der ist einfach: Der absperrbare Einfüllstutzen liegt gut zugänglich unterhalb des Frontschildes im Beinraum.

Auf Landstraßen ist der Like II ein sympathischer Begleiter: Das Fahrwerk federt und dämpft ungefähr so, wie das von einem Vespa-Wettbewerber erwartet wird, die Bremse überzeugt in ihrer Klasse. Während sich die Basisversion des Like II mit einem Kombibremssystem begnügen muss, weist die „Exclusive“-Ausgabe ein vollwertiges ABS auf; es macht seine Sache gut. Kurvenfahren geht leicht von der Hand, auch bei sehr zügig durchfahrenen Biegungen mit Tempi jenseits der 80 km/h kommt kein Unwohlsein auf.

Die Staumöglichkeiten des Like II gefallen rundum: Das Staufach unterm Sitz, wie üblich vom Zündschloss aus zu öffnen, schluckt einen Integralhelm, das Topcase ebenfalls. Es weist ein praktisches Einschlüsselsystem auf, doch am Testfahrzeugs zeigt sich das Schloss sehr schwergängig. Der spitz zulaufende Schlüsselbart löchert gerne Hosentaschen. Keineswegs selbstverständlich ist die LED-Beleuchtung rundum, hier setzt Kymco ein Zeichen.

High-Tech Cockpit

Das tut der Hersteller auch im Cockpit, denn mit Noodoe können sich technikaffine Fahrer leicht verbinden: Auf diese Weise lassen sich Navigations-Hinweise, Wetter-App oder sonstige Informationen ins Cockpit holen. Textnachrichten sind während der Fahrt aus Sicherheitsgründen nicht zugänglich. Wer will, kann sich in dem runden Display stattdessen wahlweise Tachometer, sekundengenaue Zeituhr oder Tageskilometerzähler samt Fahrzeit anzeigen lassen. Damit das Smartphone niemals leer wird, gibt es eine USB-Buchse im Handschuhfach, das sich auf der Innenseite des Beinschilds findet. Zu haben ist die „Exclusive“-Version des Like II 125i nur in einer Farbe, in Blaumetallic. Auch das Topcase ist entsprechend lackiert – ein insgesamt recht schick wirkender Farbton, freilich alles andere als jugendlich-frech. Gegen 500 Euro Zuzahlung liefert der deutsche Kymco-Importeur MSA die „Exclusive“-Version (ABS, Topcase, Sonderlack, Noodoe), ein adäquat erscheinender Mehrpreis.

Fazit

Damit präsentiert sich die zweite Like-Generation als attraktives, zugleich nützliches Kurzstreckenvehikel. Das Temperament reicht aus, die Sicherheitsattribute überzeugen genauso wie die Ausstattung als Ganzes. Verwunderlich wäre es deshalb nicht, wenn Kymcos Like II 125i im Lauf der nächsten Jahre wieder viele „Likes“ sammeln würde.

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