Kymco: Peoplemover auf zwei Rädern

Wie fährt sich der New People S 125i?

| Autor / Redakteur: Ulf Böhringer/SP-X / Florian Fraunholz

Der Kymco New People S 125i kostet 3.100 Euro.
Der Kymco New People S 125i kostet 3.100 Euro. (Bild: fbn/SP-X)

Kymco hat die nächste Generation seines Großrad-Rollers auf die Straße gebracht – mit stark verbesserter Ausstattung, aber auch kleinen Nachteilen.

Als Peoplemover werden gemeinhin vollautomatische Verkehrsmittel zum Personentransport über kürzere Strecken bezeichnet. Von der Fähigkeit, sich vollautomatisch fortzubewegen, ist der Kymco New People S 125i zwar meilenweit entfernt, aber unstrittig ist, dass er erstens Leute bewegt und dies zweitens ohne Schaltgetriebe, nämlich mittels einer Variomatik bewerkstelligt. Der New People S, als Nachfolger des People One 125, wurde technisch und optisch erheblich weiterentwickelt.

Gleich geblieben am New People S ist gegenüber dem Vorgängermodell die Konzeption: Es handelt sich um einen sogenannten Großradroller mit 16 Zoll-Vorder- und 14 Zoll-Hinterrad. Auch der ebene Durchstieg, die bequeme Sitzposition, die gute Rücksicht sowie das für die Stauraum-Erweiterung hochwillkommene Serien-Topcase finden sich am Neumodell wieder. Von all diesem wird der People-Kenner angetan sein – und zudem hocherfreut zur Kenntnis nehmen, dass für den höheren Preis des New People S 125i auch deutlich mehr geboten wird: Ein ordentlich arbeitendes ABS als Blockierschutz beider Räder, LED-Beleuchtung rundum, eine Tankuhr – und ein serienmäßiges, sehr groß ausfallendes Windschild. Es deckt Oberkörper und den behelmten Fahrerkopf zur Gänze ab und schützt daher gut vor Nässe. Freilich ist es gewöhnungsbedürftig, stets durch eine Scheibe zu schauen, die sich dicht vor der Nase befindet. Bleiben Regentropfen darauf oder haften Insektenreste, kann dies als störend empfunden werden. Sehr nützlich ist darüber hinaus der aus transparentem Plastik gefertigten Windschutz für die Hände.

Gelungen ist das Stauraumkonzept des Youngsters: Unterm Sitz findet sich neben einem großen, problemlos einen Integralhelm fassenden Abteil noch ein zweites Fach für Kleinzeug; dessen Abtrennung kann leicht entnommen werden. Zusammen mit dem Topcase steht reichlich Stauraum zur Verfügung, sodass man keine Einbußen im Vergleich zu konventionellen (Kleinrad-)Rollern mit größeren Untersitz-Stauräumen hinnehmen muss.

Zwar ist der neue, nach Euro 4 gesäuberte Einzylindermotor mit 8,3 kW/11,3 PS im Vergleich zum ausgemusterten Triebwerk geringfügig kräftiger geworden, doch führt das nicht zu einer höheren Endgeschwindigkeit; dies wird durch den hohen Luftwiderstand verhindert – hier fordert die große Windschutzscheibe ihren Tribut. Bei 90 km/h ist laut Typprüfung Schluss, auf dem Tacho registrierten wir in der Ebene 100 km/h, bergab bis zu 114 km/h – dann zeigt der schmale Balkendrehzahlmesser im gut ablesbaren Digitalcockpit stramme 9.500 Touren an. Seine Nennleistung gibt der Motor bei tausend Umdrehungen weniger ab. Der Einzylinder geht schön ans Gas, zieht klassengemäß durch und inszeniert sich dank sehr geringer Vibrationen als geschmeidiger Antrieb.

Das Fahrverhalten des New People S 125i überzeugt: Sowohl Gabel wie Federbeine sprechen ausreichend sensibel an und absorbieren auch mittelgrobe Straßenunebenheiten; harte Fugen bekommt der Fahrer aber zu spüren. Die relativ großen Räder verhindern, dass der Kymco auf allerengstem Raum wie von alleine herumturnt, doch sorgen sie – wie gewünscht – für sehr gute Fahrstabilität, egal ob auf gerader oder kurviger Strecke. Die chinesischen Kenda-Reifen verhielten sich ebenso neutral wie das ABS: Vorne sind hohe Kräfte am Handhebel nötig, um das Rad stark zu verzögern und in den Regelbereich zu bringen.

Angesichts der 130 Kilogramm Leergewicht (inklusive Topcase und Windschild) kann man auch der neuen People-Generation kein Übergewicht vorwerfen, zumal die Ausstattung beispielsweise durch das Zweikanal-ABS verbessert worden ist. Dennoch ist der Norm-Benzinverbrauch mit 3,0 Litern pro 100 Kilometer nicht der geringste in dieser Klasse; auch in diesem Punkt dürfte sich der großzügige Windschutz negativ auswirken. Wir verbrauchten – bei hohem Überlandanteil mit viel Vollgas – durchschnittlich 3,3 Liter, was angesichts des 6,2 Liter-Tanks alle 170 Kilometer einen Tankstopp nötig machte. Das Nachtanken fällt leicht, denn die Tankklappe links unten am Beinschild springt als Folge eines Zündschlüssel-Drehs nach rechts von alleine auf – sehr komfortabel! Wie überhaupt das Zündschloss hochfunktional ist, wie man es von Kymco seit längerem kennt.

3.100 Euro beträgt der Listenpreis für den Kymco New People S 125i; angesichts seiner sehr vollständigen Ausstattung sollte dieser Preis unterstützend wirken, dass auch die neue People-Generation viele Leute bewegt, wie das für einen echten Peoplemover ja unabdingbar ist.

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