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Lohnt es sich für Vertragshändler überhaupt noch, neue Bikes zu verkaufen?

Bekanntlich stehen die Renditen im Neufahrzeugverkauf von Motorrädern nicht erst seit gestern unter Druck. Ein freier Betrieb macht eine interessante Rechnung auf – doch lesen Sie selbst.

(Bild: ©evan_ers/Fotolia.com [M] – Haselmann)

Regelmäßig erreichen die »bike und business«-Redaktion Leserbriefe, in denen unglaublich viel Zündstoff steckt. So landete auch an diesem Mittwoch eine brisante E-Mail in unserem Postfach, deren Inhalt Widerspruch in den Reihen der Motorrad-Vertragshändler auslösen sollte, ja muss. Der Verfasser – der Inhaber einer freien Werkstatt – möchte anonym bleiben (Name der Redaktion bekannt). Wir hoffen auf einen argumentativen Austausch der jeweiligen Standpunkte. Schreiben Sie uns Ihre Meinung. Worum geht's?

„Bei euch wird ja immer wieder über den schweren Stand der Motorradhändler geschrieben, geschimpft und diskutiert. Ich habe hier gerade einen schönen Fall, der die Frage Warum sollte man denn noch neue Motorräder als Vertrags- oder Freier Händler verkaufen? neu beflügelt.

Worum geht's? Ich habe gerade eben an einen Kunden eine nigelnagelneue Suzuki Bandit 1250 SA Baujahr 2016 verkauft. Verkaufspreis inkl. Steuern und Überführung: 8.500 Euro. Wenn ich als freier Händler nun meinen Aufwand rechne, kommen folgende Zahlen raus. Vertragshändler müssen zwar die Fahrzeuge nicht abholen, müssen diese aber aus einem Blechgestell umständlich ausbauen und zusammensetzen und das Blech und die Kartonage auf eigene Kosten entsorgen:

1. Fahrzeugbeschaffung inkl. Abholung beim Vertragshändler ( je nach Entfernung ) bei mir ca. 2,5 Stunden;

2. Zusammenbau und Abnahmeinspektion ca. 1 Stunde;

3. Kundenverkaufs- und Beratungsgespräche, 1 Stunde ist da rasch verplant;

4. Vorfinanzierung;

5. Auslieferung und Einweisungsgespräch: 30 Minuten bis 1 Stunde.

Bei einem Bruttostundensatz von ca. 80 Euro und einem Einkaufspreis des Fahrzeuges von 8.100 Euro bleibt nach Adam Riese nix mehr übrig!

Verdienst vor Steuern gleich null zuzüglich der Arbeit mit dem Finanzamt, Bürotätigkeit und so weiter und so fort. Das Ergebnis: Umsatz von 8.500 Euro gemacht, ohne Gewinn und viel investierter Arbeit! Mein Bekannter, von dem ich diese Bandit bekommen habe, hätte diese sogar um 8.250 Euro verscherbelt, nur damit er nicht auch noch Zinsen bezahlen muss!

Das Gegenbeispiel

Nun mache ich das Gegenbeispiel auf. Ich bekam kürzlich eine Suzuki GSF 1200 S Baujahr 2005, aus der Schweiz angeliefert. Vergaser und „Krümmertung“ 670 Euro, Vergaserteilesatz aus Mikuni-Teilen, enthalten ca. 3 Stunden Arbeit, großer Kundendienst inkl. Ventileinstellung und allen nötigen Suzuki-Originalteilen mit Brems- und Kupplungsflüssigkeitswechsel ca. 600 Euro, ca. 3,5h Arbeitszeit enthalten. Hinzu kommen Telegabelinstandsetzung inkl. Reinigung mit Öl und Seriensimmeringen ca. 200 Euro, ca. 1,5 Stunden plus diverse Kleinteile wie Dichtungen und Reparaturteile an den Vergasern. Umsatz: 1.450 Euro in ca. 8 Stunden Arbeit.Da braucht man glaube ich nicht mehr viel zu sagen!

Die Neufahrzeugrabatte sind für die Katz', die Importeure wollen nur noch verkaufen und für so einen Nuller müssen die Händler dann auch noch tolle Verkaufsräume und Zertifizierungen vorweisen! Ganz ehrlich – für den Fall, dass ich einmal unverhofft zu viel Geld komme: Auf keinen, ABER auf gar keinen Fall, würde ich auch nur einen Cent in den Neubau einer Vertragsshowbude investieren, schneller kann man sein Geld nicht verbrennen.“

Anmerkung der Redaktion: Wir freuen uns wie immer auf einen regen Gedankenaustausch. Uns geht es nicht darum, Hersteller/Importeure gleich welcher Couleur und Marke oder den Vertragshandel allgemein zu diskreditieren, sondern auf mögliche Probleme und Missstände hinzuweisen. Am Ende gilt es, im konstruktiven Dialog Lösungswege aufzuzeigen und so zu einer objektiven Darstellung der Branchenwirklichkeit zu ckommen. Nicht schwarz, nicht weiß, sondern bunt!

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