Lust und Last der Messen

Anmerkungen zu aktuellen Branchenthemen

| Autor: Stephan Maderner

Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin.
Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin. (Foto: Ducati/Collage: Elisabeth Haselmann)

Aus dem Tagebuch des »bike und business«-Chefredakteurs (Kalenderwoche 9/2016/I). Ein aktuelles Stimmungsbarometer aus Handel und Industrie rund um Motorrad, Roller und Quad/ATV – ein Radar, das Branchentrends von morgen auf dem Schirm hat

Würzburg, den 1. März 2016 – Letzte Episode in der Analyse des Wörtchens „Chance“, über das wir an dieser Stelle so trefflich philosophierten. Zuletzt schilderte uns der Händler Matthias Schlich seine Sicht der Dinge. Seine Kritik am Initiator der Diskussion, das sei doch alles Wortklauberei, rief denselben wiederum auf den Plan: „Eine kurze Gegenfrage an Matthias Schlich: Was würde er mit einer Bewerbung machen, deren Anschreiben mit dem Satz ,Hiermit gebe ich Ihnen die Chance, von meiner Arbeitskraft zu profitieren', beginnt? Sollte die Antwort löschen/aussortieren/wegwerfen lauten, würde ich über das Wortklaubereien-Statement nochmal nachdenken.“ O-Ton-Ende, der Vorhang fällt und keine Fragen offen.

Kommen wir nochmal zur Relevanz von Motorradmessen für Händler. Jüngst stellte ich die Frage: „Händler auf Frühjahrsmessen: Kundenfang oder Kostenfalle?“, dokumentiert in meiner Pacebook-Kolumne (siehe hier). Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Sie bezogen sich auf den Auftritt eines Bekleidungshändlers auf einer Motorradmesse (Name des Händlers und des Messestandortes d. Red. bekannt): „Es stimmt völlig, was dein anonymer Kontakt geschrieben hat. Wir machen hier immer einen Riesen-Umsatz, aber unser Engagement ist immens. So groß, dass wir es künftig nicht mehr machen werden. Wir können und wollen nicht mehr. Ich rechne dir mal was vor: Umsatz 80.000 Euro (drei Messetage, sehr positiv kalkuliert), Wareneinsatz 50.000 Euro (durch die Rabattschlacht, höherer Wareneinsatz). Bleibt ein Rest von 30.000 Euro. Davon entfallen auf den Messestand 6.500 Euro (für 150 Quadratmeter), auf Sonstiges 1.500 Euro (Essen/Getränke/Hotel/Lkw/Diesel), auf den Lohn 2.400 Euro (sechs Leute à 100 Euro am Tag à vier Tage). Bleiben als Rest: 19.600 Euro/netto. Weiterhin kalkuliere ich folgenden Verlust: 2.600 Euro (Einbußen im Ladengeschäft wie blockierte Ware, geschlossen o.ä. sowie gestohlene oder beschädigte/defekte Ware). Bleiben unter dem Strich 17.000 Euro übrig. Dagegen stehen: Vorbereitung ca. vier Werktage und Nacharbeit auch ca. vier Werkstage, Personalwechsel, in der Messezeit kein Umsatz online bzw. im Ladengeschäft. Ware ist nach der Messe meist ,belastet', d.h. muss überarbeitet werden und ist oft defekt. Sowie: Jede Menge STRESS (geschäftlich wie privat).

„Da verzichte ich lieber auf's Geld“

Unter diesen Umständen kann ich auf das Geld verzichten!!! Dafür habe ich wieder ein Leben und gute Ware und muss nicht für die Messe meine gute Ware zu Schleuderpreisen verkaufen. Auf dem Messestand stehen IMMER mehr Leute mit dem Smartphone, die nach dem besten Preis googeln! Und auf der Messe hat ein Filialist 20 Prozent Nachlass geboten, auf alles!

Bei diesen aufgezählten Unkosten kann ich im Laden locker mithalten, ohne auf die Messe zu gehen. Auf der Messe tausche ich lediglich Geld um. Das Problem ist einfach, dass genug (Bekleidungs-)Händler ohne die Messen gar nicht leben würden. Das sind in meinen Augen keine Kaufleute! Die gehören eigentlich weg von der Branche, zumal sie auch online meist Ärger machen.

Furchtbar, diese Geiz-ist-geil-Mentalität!

Hinzu kommt die Geiz-ist-geil-Mentalität der Kunden auf den Messen. Ein paar beste Sprüche gefällig? So verriet mir ein Kunde, nachdem er einen alten Marken-Rennstiefel von Suomy von 269,95 auf 169,95 gedrückt hat: „Ich wollte nur mal sehen was da geht“ - und das Ganze mit süffisant-lächelnder Miene. Ein anderer sagte mir nach einer zeitintensiven Lederkombi-Anpassung unverblümt ins Gesicht: „Jetzt weiß ja, worauf ich achten muss….vielen Dank“. So weit also unser entnervter Bekleidungshändler, der keinen Bock mehr auf Frühjahrsmessen hat.

Was meinen Sie?

Was meinen Sie? Können Sie von ähnlichen Erlebnissen berichten? Oder sind das Einzelfälle? Gerne diskutieren wir an dieser Stelle weiter. Am kommenden Wochenende läuft die Motorräder Dortmund. Wieder mit vielen Händlern und Ausstellern, die sich Impulse für ihr Geschäft erhoffen. Doch erfüllen sich die Träume auch? Wir diskutieren weiter - wenn Sie mögen.

Händler-Award: Jetzt bewerben!

Noch 34 Tage bis zum Einsendeschluss des Awards „Motorradhändler des Jahres“ 2016. Nutzen auch Sie noch die relativ ruhige Vorsaisonzeit und bewerben Sie sich; geht auch per Online-Qualifier und unserem Quick-Check. Nicht vergessen: Am Ende füllen Sie bitte auch noch den Kasten mit den Kontaktdaten aus. Es kommt tatsächlich immer wieder vor, dass Kandidaten, die am Check mitgemacht haben, es versäumen, uns zu sagen, wer sie sind. Das ist doch echt blöd! Gerne können Sie auch gleich die Bewerbungsmappe anfordern, dann kennen wir Ihren Namen von Anfang an. Infos dazu gibt es auch auf der frisch upgedateten Homepage.

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