Hein Gericke Europe: Gläubigerversammlung segnet Insolvenzplan ab

Heftige Bereinigung des Filialnetzes

| Autor: Stephan Maderner

Zwischenziel von Rutian „Paul“ Liao erreicht: Gläubiger segnen Sanierungsplan für Hein Gericke Europe ab.
Zwischenziel von Rutian „Paul“ Liao erreicht: Gläubiger segnen Sanierungsplan für Hein Gericke Europe ab. (Foto: Hein Gericke)

Rutian „Paul“ Liaos Plan ging auf. Die Gläubigerversammlung stimmte dem Insolvenzplan der Hein Gericke Europe GmbH mit großer Mehrheit zu. Aber das Filialnetz wird deutlich kleiner.

Unabhängig des Streits vor dem Landgericht Hamburg zwischen der Hein Gericke Europe GmbH (Düsseldorf) mit der Hein Gericke Group (Hamburg) über Markenrechtsverletzungen gibt es jetzt neue Infos über Deutschlands drittgrößtem Filialisten. Die wichtigsten Weichenstellungen aus Sicht des Inhabers Rutian Paul Liao von der Gläubigerversammlung über die Zukunft der Hein Gericke Europe GmbH, die am 2. Februar vor dem Landgericht Düsseldorf stattfand – gleich vorweg in der Zusammenfassung – sind:

  • Wichtiger Meilenstein genommen: 98 Prozent der Gläubiger stimmten dem Insolvenzplan der Hein Gericke Europe GmbH zu.
  • Fortbestand der Gesellschaft ist damit gesichert.
  • Kernpunkte der Sanierung waren die Straffung des Filialnetzes und eine damit einhergehende Anpassung der Personalstruktur.
  • Eigenmarken sollen Wertschöpfung des Unternehmens mit Beginn der Saison 2016 erhöhen.

Die Hein Gericke Europe GmbH gab heute bekannt, dass der Sanierungskurs des Unternehmens breite Zustimmung finde: Die Gläubigerversammlung – unter anderem bestehend aus Mitarbeitern, Lieferanten und Vermietern des Unternehmens – stimmte am 2. Februar 2016 dem vom Unternehmen in Eigenverantwortung erarbeiteten Insolvenzplan mit großer Mehrheit von 98 Prozent zu. Der Fortbestand der Gesellschaft sei damit gesichert. Kernpunkte der Sanierung sind nach Unternehmensangaben die Straffung des Filialnetzes und eine damit einhergehende Anpassung der Personalstruktur.

„Ich bin sehr erleichtert über die eindeutige Zustimmung unserer Gläubiger zur erfolgreichen eigenverantwortlichen Sanierung von Hein Gericke“, sagt Rutian „Paul“ Liao, Eigentümer der Hein Gericke Europe GmbH. „Ich möchte mich vor allem bei unseren Mitarbeitern und Lieferanten bedanken, die uns auch in dieser nicht einfachen Phase die Treue gehalten haben. Jetzt können wir dieses herausfordernde Kapitel erfolgreich abschließen und uns mit ganzer Kraft der bevorstehenden Saison 2016 widmen, deren Vorbereitung wir bereits im vergangenen Jahr abgeschlossen haben.“

Auch zukünftig könne das Unternehmen auf das uneingeschränkte Engagement Liaos vertrauen, der weiterhin inhaltlich und finanziell voll hinter dem Unternehmen stehe. Langfristig wolle der Eigentümer verstärkt auf Eigenmarken setzen und deren Anteil am Gesamtsortiment schrittweise weiter ausbauen, um die Wertschöpfung zu verbessern und perspektivisch auch Potenziale im internationalen Business-to-Business-Geschäft zu erschließen. Das soll nicht zuletzt die Saison-Abhängigkeit des Geschäfts reduzieren. Diese Veränderungen sind bereits im neuen Hein Gericke-Katalog sichtbar, der seit Ende Januar in den Filialen erhältlich ist: Erstmals seit zehn Jahren wird Hein Gericke völlig neu entwickelte Kollektionen sämtlicher Eigenmarken wie Hein Gericke, Tuareg, Speedware und Bullson in den Markt bringen.

Das sagt ein Insider

Wie aus gut informierten Unternehmenskreisen verlautet, sind die Hein-Gericke-Filialen in Magdeburg, Kiel, Osnabrück, Bocholt, Frankfurt, Kehl, Mannheim, Rosenheim, Schwäbisch Hall, Trier, Weil am Rhein, Amsterdam, Mersch bereits geschlossen worden. Bis zum 31. März 2016 sollen noch beide Stores in München, Bremen, Würzburg, Nürnberg und der Racingstore in Berlin dicht gemacht werden. Zugemacht hat ebenfalls der Lagerverkauf in Düsseldorf. Gegenüber »bike und business« gibt ein Insider (Name der Redaktion bekannt) folgende Einschätzung ab: „Nun ja, die chinesische Bank war der größte Gläubiger, wenn der zustimmt ist das Ding eh gelaufen! Die Zukunft wird fatal, vor einer Woche kam eine Mail aus der Zentrale mit der Parole ,Durchhalten, es geht wieder bergauf, wenn wir uns alle anstrengen'. Das Problem ist nur, die meisten wissen noch nicht, dass Ende nächsten Jahres oder ein Jahr später weitere 15 bis 20 Läden geschlossen werden sollen. Hein Gericke wird am Ende vielleicht nur noch rund 15 Vorzeigeläden haben – und dann soll es auch HG-Produkte bei Polo geben, also nur noch eine Art Großhandel mit den Marken.“ Soweit die persönliche Einschätzung unseres Informanten, der dem Unternehmen Hein Gericke Europe angehört.

Das sagt Hein Gericke Europe

Wir haben Hein Gericke Europe um eine Stellungnahme zu diesen Vorwürfen gebeten. Hier die Antwort, übermittelt durch den Vertreter der eingeschalteten Presseagentur: „Eine chinesische Bank als Gläubiger gibt es nicht. Bestrebungen, in diesem Jahr weitere Filialen zu schließen, sind nicht vorgesehen. Die Kündigungen für die Storeschließungen fanden Ende Dezember 2015 statt. Die Rückgabe erfolgte unter enger Absprache mit den Vermietern zu unterschiedlichen Zeitpunkten bis einschließlich Ende März 2016.“

Über Hein Gericke Europe GmbH

Die Hein Gericke Europe GmbH mit Hauptsitz in Düsseldorf ist Eigentümer der Traditionsmarke „Hein Gericke” und drittgrößter Filialist für Motorradzubehör und -bekleidung in Deutschland. Der Umsatz im Jahr 2015 belief sich auf rund 30 Millionen Euro.

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