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Martin Berning: Der Herr der Zahlen

| Autor / Redakteur: Miriam Schönwerth / Dipl. sc. Pol. Univ. Stephan Maderner

Als Senior Consultant bei der BBE Automotive ist Martin Berning in ganz Deutschland und Österreich unterwegs, um Motorradhändler bei betriebswirtschaftlichen Themen zu unterstützen. Seine Leidenschaft: Aus den Zahlen wichtige Erkenntnisse ableiten, um die Händler weiterzubringen.

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Martin Berning, Senior Consultant BBE Automotive.
Martin Berning, Senior Consultant BBE Automotive.
(Bild: Martin Berning)

„Das mit der Begeisterung für die Zahlen, das habe ich anfangs ehrlich gesagt auch nicht so erwartet.“ So erzählt Martin Berning von dem Thema, das der Dreh- und Angelpunkt seines Berufs zu sein scheint. Als betriebswirtschaftlicher Berater bilden Analysen und Auswertungen verschiedener Kennzahlen die Basis seiner Arbeit. „Aber dann habe ich gemerkt, man hat ja einen Wert, den man da herausbekommt. Zahlen sind durchaus mit Leben gefüllt.“ Die Erkenntnisse, die er daraus gewinnt, nutzt er, um Betriebsvergleiche aufzustellen und Handlungsvorschläge zu entwickeln.

Doch so trocken, wie es auf den ersten Blick scheint, ist es nicht. Es ist nicht das reine Rechnen, das den 54-Jährigen antreibt. „Ich glaube nicht, dass man Unternehmensberater sein kann ohne Helfersyndrom.“ Wenn das stimmt, ist er ein großer Unternehmensberater. Er beschreibt Fälle von drohender Insolvenz eines Händlers, in denen er noch nachts an einer Lösung arbeitet, redet von Hilfe zur Selbsthilfe. „Hinter den Zahlen stecken Schicksale“, davon ist er fest überzeugt. Die Zahlen sind sein Ansatzpunkt, denn anhand derer erkennt er, wo sich Verbesserungspotenzial verbirgt.

„Als Berater ist er sehr ruhig und kompetent. Martin Berning hat immer ohne Zeitverzögerung die passende Antwort parat,“ so Stephan Maderner, Chefredakteur der bike und business. Wie seine Art, so passt auch Bernings Äußeres zum Bild eines typischen Unternehmensberaters: karges Haar, wacher Blick, zwar im Hemd, aber nicht zu förmlich, nicht ganz zugeknöpft. Er gestikuliert wenig, wirkt eher ruhig und besonnen. Er lacht, erzählt Anekdoten – und verliert dabei nie den Kern seiner Arbeit aus den Augen: an welchen Stellen muss er ansetzen, wo kann er Verbesserung bewirken.

Nach seinem Studium der Betriebswirtschaftslehre in Köln stieg Berning, der gebürtig aus Dinslaken stammt und nun in Oberhausen lebt, 1992 bei der BBE Automotive ein. Er absolvierte ein „Training on the Job“ und übernahm nach einigen Jahren das Segment Motorrad. Dort kennt er sich aus, weiß über Branchengeschehen und allgemeine Trends Bescheid wie kaum ein anderer. Dass sich viele Erkenntnisse aus dem Bereich Automobil auch auf die Motorradbranche übertragen lassen, helfe viel für das größere Verständnis. „Viele Trends kommen mit einer gewissen Verzögerung im Motorradhandel an, und da wir als BBE auch den Autohandel betreuen, wissen wir, was da passiert.“

Mit den Zahlen kennt er sich zweifellos aus. Egal von welchen Herausforderungen er spricht, mit denen seine Kunden zu kämpfen haben, er hat sofort ein Rechenbeispiel parat – Umsatzanteile, Stundensätze oder Zeitverlust rechnet er im Kopf nach. Beiläufig, ohne zu zögern. Prozentangaben sind ständig präsent, sogar Personen gibt er ganz rational als Zahl an, bezeichnet sich selbst als 0,1-Stelle in Betrieben, die keinen eigenen Controller haben.

Er ist sich seines breiten Fachwissens durchaus bewusst, kritisiert unsaubere Arbeit beim Umgang mit den Zahlen der Betriebe. Weiß genau, an welchen Stellen es den Händlern fehlt. Und das scheinen einige zu sein. „Martin Berning hat einen festen Part bei den Treffen des Bike und Business Benchmark Clubs. Wenn er da seine Vorträge hält, kann man eine Stecknadel fallen hören“, sagt Maderner. Dass er als Berater klare Ansagen macht, traut man ihm durchaus zu. Trotzdem gibt er zu: „Viele Motorradbetriebe, die jetzt noch dabei sind, vor denen kann man nur den Hut ziehen, vor deren betriebswirtschaftlicher Leistung ohne betriebswirtschaftliche Ausbildung.“

Die klischeemäßige Erwartungshaltung gegenüber einem Berater, der für reihenweise Entlassungen sorgt, stimmt nicht mit Bernings Berufssicht überein. Er sorge eher für Einstellungen. Denn: Leute werden in der Motorradbranche dringend gebraucht. Wie um das Gegenteil zu beweisen, erzählt er von einem der Ausnahmefälle, bei dem er einmal in seinen 28 Jahren Berufserfahrung für eine Entlassung gesorgt hat. Die betroffene Person habe eine bessere Stelle gefunden und sei ihm heute noch dankbar.

Sein Beruf ist aber nicht sein einziger Lebensinhalt. Der Unternehmensberater jongliert nicht nur mit Zahlen – sondern auch mit Bällen. Und zwar im wörtlichen Sinn. Als zertifizierter Jongliertrainer bringt er anderen das Jonglieren bei, seiner eigenen Aussage nach bereits über 1.000 Personen. Selbst zum Jonglieren gekommen ist der ehemalige langjährige Handballspieler nach einer Verletzung, woraufhin er sich nach Alternativen umschaute. Das Jonglieren hat ihn begeistert – und auch als Auflockerung in seinen Beratungsseminaren kommt es gut an: „Man macht schnelle Fortschritte, das macht den meisten Spaß.“

Seine sportlichen Aktivitäten nennt er scherzhaft die drei „Jo“s. Neben dem Jonglieren geht der dreifache Familienvater Joggen und betreibt Yoga. Und dann wäre da noch das Motorradfahren – zu dem Berning eher selten kommt. Das sagt er auch ganz offen. Als Außendienstler so viel unterwegs zu sein, das müsse man mögen. Ab und zu Urlaub mit der Frau und den Kindern steht dann auch noch auf dem Programm. Da kommt das Motorradfahren schon mal zu kurz – zum Leidwesen von Stephan Maderner: „Martin Berning kennt sich in seinem Bereich top aus – wenn er noch ein bisschen öfter Motorrad fahren würde, käme er noch authentischer rüber.“

Denn, wie Maderner findet, „leitet er aus den Zahlen immer die richtigen Maßnahmen ab. Er hat gute Kontakte zu den Händlern und ist sehr erfahren.“ Die Zahlen sind sein ständiger Begleiter im Beruf, der konstante Hinweis auf Verbesserungspotenzial. Gerade darin sieht er auch seine eigene Legitimation: Seine Beratung sowie die Veränderungen, die er in einem Betrieb anstößt, sollen sich anschließend auch wieder für den Händler rechnen. Da ist er ganz in seinem Element.

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