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Martin Trost: „In erster Linie bin ich Mensch“

| Autor / Redakteur: Svenja Kordmann / Dipl. sc. Pol. Univ. Stephan Maderner

Martin Trost ist Manager und Bereichsleiter der Business Unit Moto bei der Hermann Hartje KG KG in Hoya. Er erzählt, wie er dahin gekommen ist, was er auf seinem Weg gelernt hat und warum Spaß an der Arbeit dabei am Wichtigsten ist.

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Martin Trost, Bereichsleiter Mot bei Hartje.
Martin Trost, Bereichsleiter Mot bei Hartje.
(Bild: Hartje)

Weite, grüne Felder und Wiesen, die Weser schlängelt sich durch die Landschaft, ein weißer Gebäudekomplex mit dem Logo: Hermann Hartje KG. Martin Trost kommt früh morgens in sein Büro. Er stellt seine Sachen ab und fährt seinen Rechner hoch. Er kocht sich einen Kaffee und startet dann seinen morgendlichen Rundgang: Geht durch das Lager des Motorrad-Bereichs und begrüßt jeden Mitarbeiter und jede Mitarbeiterin.

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Das ist sein morgendliches Ritual. Die industriegrauen Regale des Großhändlers Hartje gehen bis zur Decke und sind gefüllt mit Ersatzteilen, Gepäck, Werkzeugen, Helmen, Reifen und Ölen des Großhändlers. Die Mitarbeitenden tragen schwarze Polohemden mit roten Nähten. Auf dem Rücken prangt das Firmenlogo. Trost geht durch die Büros von Einkauf, Vertrieb und Marketing. Er hört sich an, was alle zu sagen haben und löst gemeinsam mit ihnen Herausforderungen, die der Alltag so mit sich bringt. Er geht zu all seinen Kolleginnen und Kollegen, 27 an der Zahl, davon acht im Außendienst. Wenn möglich, macht er diesen Rundgang mehrmals am Tag und wünscht freitags allen ein schönes Wochenende. Vergisst er das, kommt schon mal ein freundlicher Anruf, der ihn daran erinnert. „Meine Bürotür ist immer offen“, sagt Trost mit tiefer Stimme und lächelt. Seine rechteckige Brille verdeckt teilweise die Lachfalten, die sich über die Jahre gebildet haben.

Schaut man aus den Fenstern der Büros sieht man Natur pur. Eine flache Landschaft, die für den Norden Deutschlands so typisch ist. Der Firmensitz des Vollsortimenters Hartje liegt im Ort Hoya, das liegt zwischen Bremen und Hannover. 2020 feiert das inhabergeführte Traditionsunternehmen in dritter Generation 125 Jahre Jubiläum. Martin Trost ist seit mittlerweile 6 Jahren Manager und Bereichsleiter für den Motorradbereich. Laut Trost ist Hartje ein Haus rund um die Bewegung und um Zweiräder. Durch den Eintritt von Dirk Zwick als Geschäftsführer erhält nun auch die Digitalisierung vermehrt Einzug in das Unternehmen. Etwa 90 Prozent des Geschäftsfeldes drehen sich um Fahrräder. Dem 1973 geborenem Manager gefällt an Hartje besonders das Gemeinschaftsgefühl: „Hier gibt es keine Ellenbogenmentalität – es ist ein Miteinander!“, so Trost. Sie entscheiden als Team in welche Richtung es geht. Er als Führungsperson habe die Aufgabe, die passenden Werkzeuge zur Verfügung zu stellen.

Aufgewachsen ist er zusammen mit seinen Eltern und seiner Schwester auf Sylt. Dort folgte nach der Schule auch die Ausbildung zum Kfz-Mechaniker. Durch einen glücklichen Zufall landete er nach Abschluss der Hochschulreife dann für ein duales Studium beim Großhandels-Unternehmen Matthies in Hamburg. Nach erfolgreichem Abschluss zum Wirtschaftsingenieur wurde Martin Trost bereits nach eineinhalb Jahren zum Chef der Motorradabteilung. Nach 16 Jahren bei Matthies folgte dann die Selbstständigkeit, als Informationsbroker und Berater mit matroHH und mia24. „Es fällt einem nichts in den Schoß, man muss für alles arbeiten und es wird einem nichts geschenkt.“, sagt der heutige Angestellte über seine Zeit der Selbstständigkeit. Durch den Perspektivwechsel konnte sich Trost weiterentwickeln und neue Sichtweisen kennenlernen.

Hartje wurde im Laufe der Zeit zu einem seiner größten Kunden. So balancierte er für zwei Jahre zwischen Selbständigkeit und Angestelltenverhältnis. Nach einer schwerwiegenden Operation entschied er sich dann aber, seine Prioritäten zu verschieben und die Familie an erste Stelle zu setzen. Die Selbstständigkeit musste er deshalb aufgeben. Die Fähigkeit über den Tellerrand hinauszuschauen und bereichs- und marktübergreifend den Überblick zu behalten, sieht er als eine seiner größten Stärken. Auch Stephan Maderner, Chefredakteur der »bike und business«, beschreibt den 1,97 Meter großen Mann folgendermaßen: „Martin Trost ist ein Leuchtturm und das nicht nur wegen seiner Größe. Er ist ein Teamplayer durch und durch und geht mit gutem Beispiel voran.“

Das selbsternannte Alphatier sieht seine Dominanz sowohl als Schwäche, als auch als Stärke an und sagt über sich selbst: „Wenn ich von etwas überzeugt bin oder an etwas glaube, ist es sehr schwer mich davon abzubringen.“ Ihm geht es allerdings auch darum, Menschen auf Augenhöhe zu begegnen. Er vergibt keine pauschalen Ratschläge zur Berufswahl. Seiner Meinung nach ist es am wichtigsten, Spaß dabei zu haben. Wenn die Motivation von innen komme, stimme auch die Einstellung. Der Erfolg eines Unternehmens sei immer von den Menschen abhängig. Auf sein Mot-Team, wie er es nennt, ist er definitiv stolz und möchte nicht tauschen. Auch in der Umstellungszeit während der Corona-Pandemie war er sehr dankbar über die Zusammenarbeit. „Gerade den Kolleginnen und Kollegen aus dem Hartje-Lager, auch von den Leiharbeitsfirmen, gilt mein größter Respekt und Dank für die Arbeit unter erschwerten Bedingungen.“

Trost nimmt einen Schluck Kaffee aus seiner Tasse und schaut von seinem Home-Office nach draußen in den Garten. Das Fenster ist ein Stück weit geöffnet. Hinter ihm ist die Dachschräge gelb gestrichen. Ein grauer Sakko, zurückgegelte Haare, schwarz umrahmte Brille. Er neigt seinen Kopf leicht zur Seite. Ehemann, Familienvater, Besitzer einer olivgrünen Bundeswehr-KTM, Manager, Bereichsleiter, eine Zeitlang Selbstständiger und Hobbygärtner. Er hält einen Moment inne. „In erster Linie bin ich Mensch!“, sagt Trost und lächelt.

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