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Matthias Kroner: Der Stratege in der Bekleidungsbranche

| Autor / Redakteur: Lea Reuter / Dipl. sc. Pol. Univ. Stephan Maderner

Ein Mann, zwei Stationen: Matthias Kroner war über 20 Jahre bei C&A beschäftigt. Dann folgte der Wechsel innerhalb der Bekleidungsbranche: mittlerweile ist er fast genauso lange für die Motorradbekleidungsmarke Rukka als Country Manager tätig.

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Matthias Kroner von Rukka Germany.
Matthias Kroner von Rukka Germany.
(Bild: Rukka)

Ein Mann, zwei Stationen: Matthias Kroner war über 20 Jahren bei C&A beschäftigt. Dann folgte der Wechsel innerhalb der Bekleidungsbranche: mittlerweile ist er fast genauso lange für die Motorradbekleidungsmarke Rukka als Country Manager tätig.

Der moderne Kurzhaarschnitt sitzt perfekt, als Matthias Kroner der Zoom-Konferenz beitritt. Die graumelierten Haare oben länger, an den Seiten kurz. Der gepflegte Bart passt in das für einen 61-jährigen nahezu faltenfreie Gesicht. Hinter dem Mann im grünen Pullover ist sein Büro zu erkennen. Der Kalender an der Wand zeigt das aktuelle Datum und die Akten in der Briefablage sind ordentlich sortiert.

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Nach dem Abitur verließ der damals 21-Jährige Kroner seine Heimatstadt Hamburg, um eine sechsjährige Ausbildung bei C&A zu beginnen. Während dieser Zeit arbeitete er an sechs verschiedenen Standorten. Er lernte viele Bereiche kennen: darunter die Distribution, Präsentation und Vermarktung der Waren bis hin zur Funktion des stellvertretenden Geschäftsführers. „Man hat in jedem Jahr mehr Verantwortung bekommen. Ich war damals noch sehr jung, aber mir hat das geschmeckt. Ich musste Abteilungen leiten, da hätte ich der Sohn von dem ein oder anderen Verkäufer sein können.“, schmunzelt er.

Wenn Kroner spricht, ist er lebhaft auf dem roten Chefsessel. Seine Ausdrucksweise ist klar und deutlich. Die Sätze sind strukturiert, beinahe zurechtgelegt. Kein Stocken der Stimme. Kein Hamburger Dialekt. Seine braunen Augen huschen von links nach rechts.

Nach der Ausbildung war Kroner bei C&A in München als Einkäufer für junge Mode tätig. Ein Jahr später wurde er Mitglied der Geschäftsleitung München und hatte Verantwortung für die Herrenabteilung von acht Häusern. „Die Arbeit war dadurch geprägt, dass immer mehr Sonderaufgaben dazukamen. Man wurde auf Belastbarkeit getestet.“ So wurde er Sprecher der Gruppe München für Werbefragen. Teamführer im Absatzmanagement und Marketing.

In vielen Sätzen schwingt ein „wir“ mit. Gemeint ist seine Frau, die er 1985 in München heiratete. Während seiner Zeit bei C&A war sie zuhause und kümmerte sich um die beiden Kinder. Fragt man Kroner nach Stärken, so gibt er sich selbst als strategisch denkend und diplomatisch agierend wieder. Schwächen? „Eventuell zu selbstsicher und wenig selbstkritisch.“ Jeder Schritt im Lebenslauf wirkt durchdacht.

Kroner erreichte die höchste Stufe seiner C&A-Karriere in Brüssel: Leiter des Einkaufs für Herrenoberbekleidung in Europa. „Die Firma hat sich zu diesem Zeitpunkt stark verändert. Ich habe keine Möglichkeit mehr gesehen, Dinge zu bewegen. Was ich immer gerne wollte. Für mich war es wichtig, dass es meine Entscheidung war, C&A zu verlassen.“ Dabei zeigt er mit der Hand auf sein Herz, man sieht zwei Ringe und eine silberne Uhr. Zu diesem Zeitpunkt stand der nächste Schritt bereits fest: die Übernahme der Rukka-Geschäfte seines Vaters.

Kroners Vater arbeitete seit den 70er Jahren für die Firma Rukka in Deutschland, damals für Regen- und Wassersportbekleidung. Es folgte Motorradbekleidung. Eineinhalb Jahre vor seinem Ausstieg, fragte er seinen Sohn, ob er seine Position übernehmen wolle. Nach einem kurzen Blick in die Zahlen und der Bestätigung von Rukka, dass sie Matthias Kroner als Nachfolger wollten, kündigte er bei C&A. 2001 begann er als Angestellter seines Vaters. „Ich wollte das Werk von meinem Vater fortsetzen, aber mit meinen eigenen Stiefeln, mit meinen eigenen Spuren“, reflektiert Kroner. Er kündigte seinem Vater an, dass sich vieles verändern würde. 2002 machte er sich selbständig als Country Manager für Rukka Deutschland und Österreich. Fortan war er selbst verantwortlich für seinen Erfolg: „Ich bin mein eigener Herr.“

Die neue Arbeit führte auch privat zu Umstellungen. Die Familie zog von Brüssel nach Hamburg und Kroners Frau ist seither seine Mitarbeiterin. „Als wir uns entschieden hatten C&A zu verlassen, war klar, dass meine Frau bei mir in der Firma mitarbeiten müsste. Sie wurde ins kalte Wasser geworfen und hat sich sehr schnell freigeschwommen“, strahlt er. Er klingt stolz.

Mit Konzept ging Kroner an seine neue Aufgabe: mithilfe von Marktanalysen wurden Strategien für Rukka entwickelt. Er baute Verbindung zu Hotels auf, um dort Motorradbekleidung auszustellen. Er führte Leihbekleidung ein. Er kooperierte mit diversen Firmen und entwickelte gemeinsame Marketingstrategien.

Sein persönliches Highlight in der Motorradbranche war die erste Teilnahme an der Freundschaftsfahrt der Sportgemeinschaft des Deutschen Bundestages. Mittlerweile unbenannt zu „Bundesbiker Motorsportgruppe des Bundes“. Kroner und seine Frau nehmen regelmäßig daran teil. Auch hier nutzt er die Chance, neue Kontakte zu knüpfen, um sein Business voranzubringen. „Dort repräsentieren meine Frau und ich Rukka und informieren die interessierten Mitfahrer über die Funktion und Vorzüge von Rukka.“ Wenn Kroner über die Bekleidung spricht, dann durchdacht. Er drückt sich gekonnt aus.

Auch die »bike und business“-Motorradtouren nutzt Kroner, um sein Netzwerk zu erweitern und neue Händlerkontakte zu generieren. „Meine Frau und ich fahren gerne auf dieser Tour mit, weil wir dadurch Rukka Bekleidung potenziellen Neukunden näherbringen können und die Reisen stets hervorragend organisiert werden“. Die Liebe zum Motorradfahren hat er in jungen Jahren entdeckt und an Frau und Kinder weitergeben.

Nebenbei ist Kroner seit 2011 für den Vertrieb der Motorradbekleidungsmarke Sinisalo zuständig. In seinem Arbeitsalltag nimmt Sinisalo 10 Prozent ein, Rukka den Rest. „Ich hatte schon immer einen klaren Plan, wie ich Sachen angehe. Das war schon bei C&A so, das war nie anders. Das ist es was mir Spaß macht: immer eine gewisse Strategie verfolgen.“ Kroners Frau fügt hinzu: „Er ist total souverän und hat vor allem Spaß und Freude bei der Arbeit. Er steht voll hinter dem Produkt und kann dadurch – und mit seinen Strategien – Rukka helfen, sich sehr gut weiter zu entwickeln.“

Ob ein erneuter Wechsel in der Bekleidungsbranche geplant ist? „Der Nächste ist in die dritte Lebensphase.“ Bis Matthias Kroner in den Ruhestand geht, kann noch dauern. Aber eine passende Strategie liegt sicherlich schon bereit.

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