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Mehrwertsteuersenkung: Tipps für Händlers Strategie

Die wichtigsten Ergebnisse und Ratschläge aus den beiden Webinaren von BBE Automotive und »bike und business« vom 5. und 8. Juni zum Thema Mehrwertsteuersenkung und die Folgen für Motorradhändler.

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Problemlöser für die Motorradbranche: Martin Berning von der BBE Automotive.
Problemlöser für die Motorradbranche: Martin Berning von der BBE Automotive.
(Bild: J. Untch/»bike und business«)

Am 3. Juni wurde verkündet, dass die Bundesregierung die Mehrwertsteuer befristet vom 1.7. bis 31.12.2020 von 19 auf 16 Prozent senken wird, um die Konjunktur anzukurbeln. Noch ist das nicht durch Bundestag und Bundesrat gegangen, aber es sind sich in großer Mehrheit alle einig.

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Nur wird das zum Nebeneffekt haben, dass viele informierte Kunden Fahrzeugkäufe in den Juli verschieben wollen und der Juni-Umsatz und -Ertrag leidet, wenn man nicht reagiert.

Von einigen Händlern hörten wir, dass man dann eben die Rechnung später schreibt (leider streng verboten), von anderen: „Dann verdiene ich ja drei Prozent mehr!“ (leider falsch).

Es steht nun tatsächlich zu befürchten, dass

• kein informierter privater Bürger mehr vor dem 1.7. ein Neumotorrad/Quad/E-Bike abnehmen wird.

• viele Kunden, die bei Händlern ein Fahrzeug in den letzten Tagen oder ohne Rat zu dem Thema in den nächsten Tagen verkauft bekamen, werden wieder auf der Matte stehen mit der Bitte, die Rechnung zu stornieren und neu zu schreiben (was meist an der Zulassung scheitert).

Es gilt also jetzt, die Kunden

• zu informieren,

• über einen Run ab dem 1.7. zu philosophieren,

• Verträge ohne viel Nachlass aufgrund der zu erwartenden Nachfrage jetzt zu schreiben und

• Auslieferungstermine für die erste Juli-Woche zu machen,

• die Liquidität für die nächsten vier Wochen neu zu planen

und möglichst schnell neue Preislisten vom Hersteller zu bekommen, die nicht in der Presse dazu führen, dass man als Corona-Profiteur dasteht.

In den beiden Webinaren, die von Martin Berning von der BBE Automotive und »bike und business« am 5. und 8. Juni durchgeführt wurden, wurden den teilnehmenden gut 70 Händlern in Kalkulationsbeispiel zum besten gegeben, das wir hier in Stichpunkten noch einmal aufzeigen wollen.

In den beiden Webinaren, die von Martin Berning von der BBE Automotive und »bike und business« am 5. und 8. Juni durchgeführt wurden, wurden den teilnehmenden gut 70 Händlern ein Kalkulationsbeispiel zum besten gegeben, das wir hier in Stichpunkten noch einmal aufzeigen wollen.

Die Forderung des Kunden im Juni wird oft sein: 3 Prozent Nachlass! Es gibt zwar Hersteller, die beteiligen sich daran, damit die Fahrzeuge im Juni noch verkauft werden. Aber: so mancher gibt zu viel Nachlass.

Der tatsächliche Vorteil für den Kunden ab 1.7. ist nicht 3 Prozent, sondern 2,52 Prozent! Der geforderte Nachlass wird vom Bruttopreis gefordert. Die Mehrwertsteuer wird aber auf den Nettopreis aufgeschlagen. Die Politik redet über 3 Prozentpunkte weniger Mehrwertsteuer, nicht über 3 Prozent geringere Preise.

Wenn wir im Motorradhandel nach Unternehmerlohn 2 Prozent Gewinn vom Umsatz als Rendite im Durchschnitt übrig halten wollen, müssen wir bei einem halben Prozent Unterschied schon bedenken, dass wir über ein viertel des Gewinns reden. Umso mehr, wenn man 3 Prozent Nachlass zuviel gibt!

Bei den Gebrauchtfahrzeugen greift die Differenzbesteuerung. Hier ist die durch die Mehrwertsteueranpassung veränderte Rechnung relativ unproblematisch:

Zu versteuernde Differenz § 25 a UStG, bei z.B. 1.000 Euro zu versteuernder Differenz bleiben bislang 840,34 Euro Nettoertrag und USt. (19 Prozent) 159,66 Euro.

Bei der Neuregelung bleiben von den 1.000 Euro zu versteuernder Differenz 862,07 Euro und USt. (16 Prozent) 137,93 Euro. Der Unterschied beträgt 21,73 Euro. Diese werden dem Kunden aber auf der Rechnung nicht ausgewiesen, damit er die Differenz zwischen VK und EK nicht erkennt.

Während des Webinars beteiligten sich die Teilnehmer an einer aktuellen Umfrage zum Thema: 69 Prozent der Händler bejahten die Frage, ob schon Kunden auf der Matte standen, wegen der Mehrwertsteuersenkung mit dem Kauf ihres neuen Motorrads bis Juli warten zu wollen. „Wie wurde dabei gehandelt?“lautete die zweite Frage. 8 Prozent gaben zusätzlichen Nachlass, damit er jetzt kauft, in 77 Prozent der Fälle entschied sich der Kunde zu warten und nur 15 Prozent ließen sich überzeugen, bereits jetzt zu kaufen. Dieser Wert muss deutlich ansteigen, sonst könnte sich der Monat Juni zu einem verlorenen Monat entwickeln. Mit den richtigen und überzeugenden Argumenten versorgt sollte der Kunde ein Einsehen haben und seinem Drang nach der Anschaffung seines Traummotorrads sofort Folge leisten.

Wer das Kalkulationsbeispiel aus dem Webinar haben möchte, kann uns eine Mail in die Redaktion schicken. Wir senden es ihm anschließend zu.

(ID:46640157)