Meilenstein auf dem Weg zum Sozialismus?

Anmerkungen zu aktuellen Branchenthemen

| Autor: Stephan Maderner

Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin.
Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin. (Bild: Vogel Communications Group)

Aus dem Tagebuch des »bike und business«-Chefredakteurs (KW 10/II), Folge 671: Der Speedlog vom 26. Februar zum Thema „Heißes Eisen Mindestlohn für Azubis“ löste in der Branche...

...wieder Mal ein sehr lebhaftes Echo aus. Im Folgenden möchte ich die interessantesten Denkanstöße aus den zahlreichen Kommentare im Netz veröffentlichen. Lesen Sie sich die kontroversen Reaktionen mal in Ruhe durch und schildern mir dann Ihre Meinung.

Heißes Eisen Mindestlohn für Azubis

Heißes Eisen Mindestlohn für Azubis

26.02.19 - Aus dem Tagebuch des »bike und business«-Chefredakteurs (KW 9/I), Folge 668: Nach der Einführung des gesetzlichen Mindestlohns im Jahr 2015 diskutiert die Politik nun den nächsten Schritt, der die unternehmerische Freiheit von Arbeitgebern einmal mehr beeinträchtigen würde: die Einführung einer Mindestausbildungsvergütung. Davor warnt.... lesen

Andreas: „Tja, in Zeiten des Fachkräftemangels, speziell im Handwerk, ist es sicherlich eine gute Idee, zur Motivation zukünftiger Azubis über eine Nichtanhebung der Ausbildungsvergütung nachzudenken. Und welcher Azubi, mal ehrlich, erbringt denn keine Leistung? Und sei es nur die Werkstatt fegen und aufräumen...“

Mindestlohn für Azubis – darf das sein?

Mindestlohn für Azubis – darf das sein?

19.02.19 - Nach der Einführung des gesetzlichen Mindestlohns im Jahr 2015 diskutiert die Politik den nächsten Schritt, der die unternehmerische Freiheit von Arbeitgebern einmal mehr beeinträchtigen würde: die Einführung einer Mindestausbildungsvergütung. Davor warnt jetzt der Bundesinnungsverband Zweirad-Handwerk (BIV). lesen

Dazu hat Jens V. eine komplett konträre Meinung verfasst: „Leistung erbringen? Fachkräftemangel?! Warte mal ab – daraus werden die wenigsten Fachkräfte. Nur weil man die Kfz-Lehre bestanden hat, bedeutet das noch lange nicht, dass man zu gebrauchen ist. Wer mindere Arbeiten ausführt, da sein Ausbildungsstand dies gar nicht hergibt, hat keinen Anspruch auf das Gehalt eines Gesellen. Eine Ausbildungsvergütung ist kein Lohn, kein Verdienst. Wenn man für etwas entlohnt wird, für das man keine passende Leistung erbracht hat, ist dies zwar schön, aber für einen Wirtschaftsbetrieb nicht lohnenswert.“

Martin entgegnet: „Die ganze Argumentationskette ist mal wieder ein schauerlich-schönes Beispiel interessengeleiteter Propaganda - was nicht weiter überraschen kann, denn dazu sind ständische Interessenvertretungen ja da. Löhne/Gehälter sind für Arbeitgeber per se „problematisch“; ebenso wie Steuern, Gewerbemieten oder Kapitalkosten. Diese allzu oft vergessene tiefe Wahrheit muss von Zeit zu Zeit in der öffentlichen Wahrnehmung verankert werden, um dem Kampf gegen steigende Kosten ein ordentliches Fundament zugrunde zu legen.

Einen ganz üblen Nachgeschmack hinterlässt es aber, wenn dies auf den Schultern und zulasten der Allerschwächsten in der Kette geschieht: den Auszubildenden. Und, lieber BIV, willst Du tatsächlich die grandios gescheiterte und von der Realität in allen, wirklich allen Facetten widerlegte Mindestlohndebatte nun erneut führen? Und damit der Gegenwind nicht so stark ist, diesmal mit einem Gegner, der praktisch keine Lobby hat? Es gibt subtilere Wege, die Zukunft der eigenen Branche zu torpedieren...“

Für den Kommentator namens „Bastelfred“ ist der Mindestlohn für Azubis nichts anderes als „ein unverzichtbarer Meilenstein auf dem Weg zum Sozialismus“.

Oliver L. muss sich angesichts der Schärfe der Diskussion einschalten. Er schreibt: „Hallo zusammen, da muss ich mich doch zu äußern. Zu meiner Person: Ich führe als Zweiradmechaniker-Meister für und in Baden-Württemberg die ,Überbetriebliche Ausbildung' im Fahrradbereich durch.

An einem Ende habe ich Betriebe, die überhaupt keine Ausbildungsvergütung zahlen. Denn laut Sozialgesetzbuch dient die Ausbildungsvergütung dazu, die Kosten, die durch die Ausbildung entstehen, zu decken. Als da wären: Verpflegung während des Arbeitstages, Arbeitskleidung, Literatur, Fahrt zur Arbeitsstätte, Fahrt zur Berufsschule, Aufenthalt Schulzeit. Sie dient also nicht zum Bestreiten der Kosten für den restlichen Alltag.

Am anderen Ende habe ich Betriebe, die aufgrund des Drucks der Industrie (bessere Löhne und Arbeitszeiten) jetzt schon mehr bezahlen, als die Zweirad-Innung empfiehlt. In Baden-Württemberg gibt es die Landesfachklasse in Breisach. Dort müssen die Azubi wohnen, also auf dem eh' schon angespannten Mietmarkt vor Ort oder in Betriebsnähe, wo es nicht viel besser aussieht. Denn das stelle ich hier immer wieder fest: viele stammen aus alleinerziehenden Verhältnissen, haben noch kleinere Geschwister oder wohnen bereits in WGs oder in eigenen Wohnungen. In Freiburg gehen die Mieten gerade durch die Decke, ich habe Angebote von 20 Euro pro Quadratmeter kalt gesehen; und das selbst für kleinste Wohnungen! Also wer gute Azubis möchte, muss leider das Umfeld sehen, die Mieten und die Konkurrenz im Bewerbermarkt um Azubis.“

Andreas T. schreibt: „Die Empfehlung für Baden-Württemberg sieht für das erste Lehrjahr 600, das zweite 675, das dritte 750 und das vierte Lehrjahr 825 Euro vor. Ausbildung kostet Geld und Geduld, ist aber notwendig. Die Frage, die sich mir stellt, ist ob nicht der Aufbau der Ausbildung mal überholt werden könnte und ob sich nicht die Industrie, das Land, der Bund, die Hersteller etc. mehr an der Ausbildung (Kosten/ Inhalte etc.) beteiligen könnten. Was dem Niveau und der Wertschätzung unserer Ausbildung sicherlich nur gut tun würde. Wir haben ein guten Job und der sollte sich auch lohnen. Denn wer wenig in die Zukunft investiert, bekommt meistens auch wenig heraus!“

In die selbe Kerbe haut der Kommentator BikeExpert: „So wie es jetzt ist, soll die Ausbildungsvergütung bleiben. Sie fällt in den Hoheitsbereich der Gewerkschaften und der Handwerkskammern. Sollte die Vergütung mit dem Mindestlohn verknüpft werden, wird weniger ausgebildet. Jetzt können viele Kleinbetriebe die Ausbildung nur schwer finanzieren. Somit steigt der Fachkräftemangel weiter an. In vielen europäischen Ländern gibt es keine Ausbildungsvergütung. Die Ausbildung ist wie Schule oder Studium. Macht bitte nicht unsere Wirtschaft mit diesem Vorschlag kaputt!“

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04.03.19 - In der Printausgabe der »bike und business« wurden sie mit vierseitigen Unternehmensporträts gewürdigt: die Top Ten-Motoradhändler des Jahres. Doch wie heißt es so schön: Nach dem Award ist vor dem Award. Die neue dreifstufige Bewerbungsrunde ist eingeläutet. lesen

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