Meine Tage ohne Donner

Zero Emission, maximaler Fahrspaß

| Autor: Stephan Maderner

Take the long way home: Vier Wochen herumstromern mit einer Zero DSR Black Forest verändert den Blickwinkel des traditionellen Bikers.
Take the long way home: Vier Wochen herumstromern mit einer Zero DSR Black Forest verändert den Blickwinkel des traditionellen Bikers. (Bild: Stephan Maderner)

Vier Wochen unterwegs mit der Zero DSR Black Forest – Reportage über die elektrisierende Art des Motorradfahrens.

Die Sonne steht schon tief am Horizont, Vögel zwitschern, Weizenfelder wogen sanft im Wind. Im Grenzland zwischen der nordwürttembergischen Main-Tauber-Region und dem Landkreis Würzburg scheint die Zeit still zu stehen: Malerische Dörfer, Kurven ohne Ende, kaum Verkehr, viele Fluss- und Bachtäler, ein ständiges Auf und Ab, Waldabschnitte wechseln mit endloser Felderflur, fränkische Bauernhofromantik. Die L 2801 zwischen Oesfeld, Bowiesen und Vilchband, wo unser Aufmacherbild für diese Geschichte entstand, mäandert durch diese zur abendlichen Prime Time fast menschenleeren Landschaft. Ein Traumrevier zum Motorradfahren!

Mit einem leisen Klack fährt der Seitenständer aus, mit einem noch unmerklicheren Klick wird die Zündung unterbrochen, aber was heißt hier Zündung? Die Stromzufuhr wird gekappt! Der Fahrer steigt vom Bike, zückt sein Smartphone – und schießt ein Bild für die Ewigkeit. Die Momentaufnahme zeigt nichts geringeres als den perfekten Einklang von Mensch, Natur und Technik.

Die Schwarzwald-Zero

Möglich macht diesen Schnappschuss an diesem hochsommerlichen Tag Ende Mai der Ausflug mit einer Zero DSR Black Forest. Eine vierwöchige Alltagstest-Leihgabe von Zero Motorcycles, dem Hersteller von Elektromotorrädern aus Kalifornien. Vom niederländischen Noord-Scharwoude aus steuert der Elektroriese sein Europageschäft. Erstmals präsentiert die Truppe um Managing Director Umberto Uccelli ein neues Modell exklusiv für den europäischen Markt: die Zero DSR Black Forest. Sie soll vor allem tourenbegeisterte Fahrer mit Reichweite-Argumenten versorgen. Bei dieser Klientel hebt oder senkt sich der Daumen – je nachdem, wie weit sie kommen, bevor der nächste Tankstopp ihren Reisefluss stört.

„Verbrauch“ auf 100 Kilometer: 7,64 kWh

Das Modell punktet mit der größten Reichweite elektrischer Dual-Sport- Motorräder, verspricht die Werbung. Unter Dual Sport versteht der US-Amerikaner eine Mischung aus Straßen- und Geländemotorrad. Wenn man so will, eine strombetriebene GS crafted in California. Die Zero in der Schwarzwald-Ausführung nutzt eine Batterietechnik mit bisher unerreichter Leistung und Energiedichte. Sagt der Hersteller. Was sagen die Tester? In der Stadt schafften wir mit dem Lithium-Ionen Akku mit 14,4 kWh (sprich Kilowattstunden*) Kapazität locker 240 Kilometer. Hing natürlich immer von unserer Fahrweise und den Modi-Einstellungen ab, die wir wählten: Eco, Custom oder Sport.

In der City und auf kurvigen Landpartien hilft die Rekuperation, die Motorbremse lässt zuverlässig Strom hinzugewinnen. Relativ dynamische Feierabendrunden (mit 30 Prozent Anstromern – das hier passende Wort für Angasen – im Custom-Modus) und Überlandfahrten bis 180 Kilometer waren ebenfalls locker drin. Auf der eingangs beschriebenen Fotosafari-Tour verbrauchten wir 13 kWh auf 170 Kilometer. Es blieb ein Rest von 10 Prozent Akku = 1,4 kWh = 22,4 Kilometer. Errechneter Verbrauch: 7,64 kWh auf 100 Kilometer. Multipliziert mit einem durchschnittlichen kWh-Preis von derzeit im Schnitt 28 Cent aus der Privatgaragensteckdose kostete der Spaß somit 2,13 Euro. Bei einer stupiden Autobahnfahrt sank die Reichweite allerdings schnell auf unter 120 Kilometer; gut, dass das Ladesäulennetz an unseren Highway-Raststätten schon ganz ordentlich ausgebaut ist.

Die Sache mit dem Strom zapfen

Das Sondermodell bietet vor allem zwei Neuerungen, die für Tourenfahrer wichtig sind: ein neues, leistungsfähiges Schnelllade-Gerät und ein Premium-Set für das Tourengepäck. Mit dem neuen Schnelllade-System können Tourenfahrer ihre Zero-Batterie an jeder Typ 2-Ladesäule aufladen. 6 kW pro Stunde saugt das Bike mit diesem Spezialstecker aus dem Netz. Ansonsten ist das Bike an der herkömmlichen Haushaltssteckdose über Nacht nach rund neun Stunden zu 100 Prozent geladen. Der Saft fließt bei einer Spannung von 220 Volt und einer Stromstärke von 10 Ampère mit einer Ladeleistung von etwa 2,2 kW pro Stunde.

Beim Schnelltanken machten wir die Probe auf's Exempel. Viele (offenkundige) Stromtankstellen gibt es in Würzburg (noch) nicht: Ikea, Fraunhofer-Institut und IHK haben den Typ 2-Stecker, wie die Vorabsuche auf Google ergab.

Der Ladeversuch Nummer eins fand beim schwedischen Möbelriesen statt. Der Weg zur Stromzapfstelle auf dem riesigen Parkplatz ist gut ausgeschildert. Na also, Rettung in Sicht. „Denkste, funzt erstmal nicht“ poste ich enttäuscht auf meinem Facebok-Account. Zunächst einmal blockieren schon zwei Renault Zoe die Ladebucht. Sofort komme ich mit einem Teslafahrer ins Gespräch. Er hielt mich dazu an, doch noch einen Moment zu warten, der Möbeleinkauf der Autostromtanker sei bestimmt gleich vorüber und die Ladebucht frei. Tatsächlich entstöpselt der Renaultfahrer schon wenige Minuten später seinen fahrbaren Untersatz und ich darf ran. Allerdings nicht, ohne vorher auf dem Parkplatz das Beschleunigungsvermögen der Zero vorzuführen. Die Stromer-Mobilisten sind sehr kommunikative Zeitgenossen und geraten schnell ins Schwärmen.

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