Melissa im Bikerland

Meine Zeit bei der »bike und business«

| Redakteur: Melissa Mager

Auf Wiedersehen »bike und business«! Ich hatte eine tolle Zeit bei euch. (Hier zu sehen: Die Jurysitzung zur Bike Woman of the year 2019 – mein erstes Mal auf einem Motorrad).
Auf Wiedersehen »bike und business«! Ich hatte eine tolle Zeit bei euch. (Hier zu sehen: Die Jurysitzung zur Bike Woman of the year 2019 – mein erstes Mal auf einem Motorrad). (Bild: J. Untch / Vogel Communications Group GmbH & Co. KG)

Anstatt ins Wunderland gelangte diese Alice, nach einem Sturz in den Bikerbau, ins Land der Motorräder und Motorradverrückten. Famous last words einer »bike und business«-Redaktionspraktikantin.

Fünf Wochen vollgepackt mit Motorrädern, Motorradzubehör und ein paar Elektrofahrrädern. Für einen Bücherwurm eigentlich die Hölle. Dieser durfte während ihres Praktikums jedoch erkennen, dass Motorräder nicht nur laut und nervig sind – und sich Biker keineswegs so verhalten wie die Proleten an der Ampel, die ihren Automotor so aufheulen lassen, dass man sich die Großmutter mit der Handtasche aus den Cartoons herbeiwünscht.

Auch in puncto Umweltschutz ist die Motorradszene mit dabei. Erst einmal gibt es natürlich nicht so viele Bikes wie Autos, aber es schien mir auch, als würden Elektromotorräder immer beliebter werden.

Man möchte meinen, dass besagter Bücherwurm, zumindest vom Aussehen her, perfekt zur Zeitschrift passt. Schwarze Lederjacke, Bandshirts, schwarze Jeans und schwarze Lederstiefel gehören zum Alltagslook. Ein Glück herrscht hier kein Dresscode! Und so wurden die Blusen nur für Interviews und Fachmessen aus dem Schrank geholt (wobei es dafür ja dann die »bike und business«- Shirts gab – ebenfalls super schick). An meinem ersten Tag war ich gleichermaßen aufgeregt und nervös, was mich hier bei der Vogel Communications Group in Würzburg erwarten würde. Doch ich wurde herzlich von Viki Hahn, damals Werkstudentin bei „der Bike“, wie man das Motorradhändlermagazin hier kurz und knapp nennt, mit offenen Armen empfangen. Und spätestens nach dem Fotoshooting für meine Kurz-Vorstellung auf dem Facebook-Kanal wurde mir klar: Das wird super!

Weniger ist mehr

Nach einer kleinen Kollegen-Vorstellungsrunde und einer Einführung in die Redaktions-Managementsysteme, mit denen hier gearbeitet wird – ich habe mir damals 3 ½ Seiten Notizen gemacht, um diese komplexen Content-Verarbeitungsmaschinen zu verstehen – durfte sich Praktikantin Nummer 20 (wie mir der Chefredakteur Stephan Maderner kürzlich verriet) auch schon an die Arbeit machen. Es war nicht gelogen, als man mir sagte, ich würde ins kalte Wasser geworfen. Es hat sich jedoch ausgezahlt. Fünf Wochen später müssen bei meinen Artikeln nur noch Kleinigkeiten verbessert werden und ich schaue auch nicht mehr ständig auf der Bike-Website nach, wie die Leute vor mir ihre Texte geschrieben haben (bikeundbusiness.de – der Freund und Helfer eines jeden Praktikanten; mein persönliches Motorrad-Wikipedia genauso wie die Google-Suche nach Synonymen). Auch wenn ich manchmal Probleme hatte, meine Texte kurz und bündig zu fassen. Da hieß dann das Motto „Weniger ist mehr. Mehr Mut zum Weglassen und Kürzen.“ Ich werde versuchen, diese journalistische Regel in Zukunft zu beherzigen! Insgesamt habe ich während meiner Zeit hier unzählige Texte bearbeitet, verfasst und veröffentlicht.

Die Cola: Elixier des Lebens

Bei all den Aufgaben (von denen keine einzige Kaffee kochen oder Kopieren beinhaltete) muss man natürlich auch wieder Energie tanken. Dafür stand die Vogel-Mensa „Meet & Eat“ im vierten Stock der Vogel-Headquarters bereit, deren Getränkeautomat mich mit meiner täglichen Dosis an Cola versorgt hat. Denn wenn ein Koffeinjunkie keinen Kaffee mag, ist dies überlebenswichtig. Bezüglich des Essens dachte ich mir zu Anfang, vielleicht so ein- bis zweimal die Woche würde ich die Kantine in Anspruch zu nehmen, öfter nicht. Tja, falsch gedacht. Safranrisotto und Kaiserschmarrn kann man halt einfach nicht widerstehen. Und wenn doch mal nichts dabei war, die Leberkäsbrötchen vom Bäcker gegenüber sind auch sehr lecker! Die konnte man dann am Mainufer bei wunderschöner Aussicht auf die Steinburg verzehren. Wenn nicht gerade ein kleiner Hund angerannt kam, der auch einen Bissen haben mochte.

Ein Bücherwurm auf Reisen

An meinem dritten Tag erhielt ich dann erste Einblicke in die Außeneinsätze eines Redakteurs. Um 5.30 Uhr ging es an diesem Morgen los, zur Firma Bihr ins Elsass. Am Steuer des Mercedes GLK 220 CDI von Sixt der Chefredakteur, ich auf dem Copilotensitz. Den herrlichen Sonnenaufgang an diesem Tag hätte ich fast verpennt, wenn nicht mein Chauffeur mich darauf hingewiesen hätte. Nach gut dreistündiger Fahrt erreichten wir unser Ziel im Dreiländereck Deutschland, Schweiz und Frankreich. Bartenheim bei Mulhouse. Herzliches Hallo und bonjour durch die Bihr-Truppe und dem CEO Christophe Piron – eine Tatsache, die meine Familie erst mal ins Staunen versetzt hat. Besonders meinen Vater, der meinte, dass er in zwanzig Arbeitsjahren den CEO seiner Firma erst einmal gesehen habe. Nach der Begrüßung durch die Bihr-Truppe bekamen wir dann coole Sicherheitswesten in Neon-Orange für die Lagertour. Es hätte nur noch ein Helm gefehlt und man hätte geglaubt, wir seien wirklich unterwegs in die Gefahrenzone. Tja, und wer hätte gedacht, dass eine einfache Lagertour so interessant sein kann. Acht auf meinem Notizblock vollgeschriebene Seiten später, fand das Interview statt. Auch da durfte ich zugegen sein und zuhören, welche brennenden Fragen die Motorradwelt an Bihr hat. Nach einem gemeinsamen Mittagessen, bei dem gekonnt so getan wurde, als wäre mein sehr eingerostetes Französisch immer noch „très excellent“, gab es für die beiden »bike und business«-Reporter ein kleines Dankeschön für den Besuch. Eine Flasche Elsass-Wein (der leider noch nicht probiert wurde) und – getreu dem Bihr-Slogan „Powering your passion“ – eine kuschelig warme Fleecejacke im Motorradstyle gehörten dazu. Danach dachte ich mir schon: Also wenn so das Leben eines Chefredakteurs aussieht, will ich das auch machen.

Weg vom Bildschirm…

Die Woche darauf durfte ich Fotografin spielen und einen „Erste-Hilfe-Kasten“ für das Motorrad von Muc-Off in Szene setzen. Ein Fotoshooting mit dem Motorrad vom Chef macht schon Spaß und so waren es am Ende um die sechzig Bilder. Für die Onlinemeldung mussten aber leider einige wieder gelöscht werden… In dieser Woche kam auch mein erster Rechercheauftrag: Ich sollte ein Telefoninterview mit Lutz Förster von Rock-e-Roller führen. Da war ich schon erst mal nervös. Schließlich hatte ich noch nie ein Interview geführt und bis dato gefiel es mir ganz gut, mich hinter meinem Computerbildschirm zu verstecken.

Aber alles halb so wild: Nach intensiver Recherche und Anregungen von Stephan hatte ich genug Fragen beisammen, um hoffentlich ein super Interview führen zu können. Am 18. September fand dann das Gespräch am Telefon statt. Eine dreiviertel Stunde habe ich mit Herrn Förster über Roller geredet und beendete das Gespräch mit dem Versprechen, seinen coolen Lifestyle-Store voller cooler Elektroroller in Leipzig mal zu besuchen (mit dem persönlichen Hintergedanken, mir ein Paar Rollersocken zu kaufen; denn die gibt es da neben Schmuck auch). Nach dem Gespräch war ich auch so begeistert von Rollern, dass ich angefangen habe, sie überall in meinem Alltag zu bemerken. Schließlich ertappte ich mich bei dem Gedanken, mir vielleicht selbst einen zuzulegen. Rollerfeeling wurde mir definitiv vermittelt.

…ab zu den Events!

Und schon zwei Tage später wurde ich plötzlich gefragt, ob ich vielleicht Lust hätte, an der Jurysitzung zur Bike Woman of the year teilzunehmen. Mitspracherecht und eine Stimme würde ich auch kriegen. Natürlich habe ich sofort Ja gesagt. Die Bewerbungen und Videos der Bewerberinnen sprühten alle nur so vor Begeisterung für ihr Hobby und ihren Beruf. Am Ende war es verdammt schwer zu entscheiden, wessen Bewerbung ich am besten fand. Den anderen Jurymitgliedern ging es glücklicherweise genauso. So hat der ein oder die andere sein/ihr Ranking noch mal überarbeitet, bevor die Stimme endgültig abgegeben wurde. Beim Jury-Fotoshooting für die Berichterstattung saß ich dann zum ersten Mal in meinem Leben auf einem Motorrad. Es war Stephans BMW R 1200 GS. Ein tolles Gefühl, auch wenn sich das schwarze PS-Monster gar nicht bewegt hat.

Aber ich denke, das Event, das mir während meiner Zeit bei der Bike am meisten gefallen hat, waren die Classic Bike Days. Ich bin zur Bike gekommen und wusste nichts, ja rein gar nichts, über Motorräder. Am Vortragstag dieser Veranstaltung wusste ich aber bereits genug über sie, um den Vorträgen folgen zu können. Schon in der ersten Session über die historischen Meilensteine der Bikes habe ich gespannt gelauscht und einige der Motorräder sogar selbst noch einmal recherchiert. Mir wurde bei dieser Veranstaltung auch vor Augen geführt, dass man in der Szene selbst auf hochkarätigen Businesstreffen sehr herzlich miteinander umgeht. Alle haben zusammen gelacht, die Motorräder bestaunt und sich sogar Geschichten von ihren Kindern erzählt. An dem Tag hat Stephan uns auch das Bike seines Bruders, eine Horex Regina 350, vorgestellt. Eine alte, herrlich restaurierte Schönheit von 1950. Nun konnte ich eigentlich nie etwas mit den Maschinen anfangen, aber dieses Bike war so hübsch, ich konnte nicht anders, als jede Menge Fotos davon zu schießen. Am Nachmittag wurde noch ein neues Modell von Horex ausgestellt, die VR6 Raw in glänzendem Schwarz. Und ich kann ehrlich nicht sagen, welches der beiden Modelle ich schöner fand. Der Tag war definitiv gekommen, an dem das »bike und business«-Team mich mit dem Thema Motorrad vollständig angefixt hatte. Überall auf den Straßen sehe ich die Maschinen inzwischen, ich kann mit den verschiedenen Marken etwas anfangen, wahrscheinlich sogar Merkmale von Modell und Marke am Motorrad erkennen. Während meiner ganzen Zeit bei der Bike hat meine Familie mich damit aufgezogen, dass ich am Ende meines Praktikums bestimmt den Motorradführerschein in der Tasche habe. Zwar habe ich ihn noch nicht aber: Was noch nicht ist, kann ja noch werden.

Kleines Dankschreiben

Lieber Stephan, liebes »bike und business«-Team: Ich hatte eine wundervolle Zeit bei Euch und habe so viel mitgenommen und gelernt. Stephan, du hast mir in nur fünf Wochen beigebracht, wie man gute Artikel schreibt und mir die Chance gegeben, auch meine eigenen Storys zu verfassen. Ich durfte so viele unterschiedliche Aufgabenbereiche kennenlernen, an tollen Events teilnehmen und sogar Leute aus der Branche treffen und mit ihnen ins Gespräch kommen und Netzwerken – wohl eine deiner herausragendsten Eigenschaften, wie ich mitbekommen habe. An dieser Stelle möchte ich mich auch noch einmal bei Bernhard bedanken: Ich habe zwar immer noch nicht herausgefunden, wer Bernhard ist, aber er hat öfter Schokolade und Muffins mitgebracht. Immer dann, wenn mein Stresspegel drohte zu sehr anzusteigen oder ich einfach kurz vorm Verhungern war, weil ich vergessen hatte zu frühstücken.

„I am not afraid to keep on living..." heißt es in Famous Last Words von My Chemical Romance. Und obwohl ich ein wenig wehmütig in die Zukunft blicke, habe auch ich keine Angst davor, was noch auf mich zukommen wird. Meine Zeit bei der Bike werde ich trotzdem definitiv vermissen. Aber wer weiß, vielleicht leite ich in zehn Jahren auch mal eine Zeitschrift…

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