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Mirko Nagler: Der SENArizer

| Autor / Redakteur: Dana Jansen / Nika-Lena Störiko

Mirko Nagler ist Director of Marketing & Business Development für Sena, marktführender Hersteller von Bluetooth-Kommunikationssystemen für (Motorrad-) Helme. Was nach sprödem Bürojob klingt, könnte der Multitasker problemlos auch vom Motorradsattel ausführen, so sehr sind Motorradfahren und Marketing Teil seiner Persönlichkeit.

Mirko Nagler hat Sena Europe innerhalb weniger Jahre zu einem großen und eingespielten Team aufgebaut – trotz diesem Ehrgeiz würde er am Liebsten vom Motorrad aus arbeiten.
Mirko Nagler hat Sena Europe innerhalb weniger Jahre zu einem großen und eingespielten Team aufgebaut – trotz diesem Ehrgeiz würde er am Liebsten vom Motorrad aus arbeiten.
(Bild: Mirko Nagler)

In seinem modernen Loft-Büro in Köln sitzt Mirko Nagler vor einer Backsteinwand, zieht an seiner E-Zigarette und betrachtet die knallrote Kaffeetasse mit Aufschrift ‚Motorrad‘. Kaffee ist alle. „Macht nichts“ sagt er, hebt ein Tetra-Pack hoch, „dann trink ich eben lecker Mandelmilch.“ Dortmund-Dialekt, ein Grinsen im Vollbart. Mandelmilch und Marketing, Motorrad und Multitasking – einige M’s, die diesen Mirko ausmachen.

Innerhalb von vier Jahren hat Mirko Nagler die Sena Europa-Zentrale von einem Vier-Personen-Team auf 30 Köpfe ausgebaut und eigentlich den gesamten europäischen Markt von Sena erarbeitet. Eine Leistung, auf die man stolz sein kann. Von Überheblichkeit aber keine Spur. – „Ich bin halt ein Projekttyp“ – von abnehmender Motivation ebenfalls nicht. „Die Arbeit macht mir nach wie vor Spaß. Weil die Leidenschaft im Job integriert ist. Wenn wir Produkte testen, fahren wir Motorrad. Fotoshootings oder Filmdrehs, das hat immer mit Motorradfahren zu tun“, sagt Nagler. Genau wie eigentlich sein ganzes Leben, seitdem er mit zwölf das erste Mal auf einem Bauernhof auf einer 125er saß. Seine berufliche Karriere begann mit einem Job als Verkäufer in einem Motorradhaus, später hatte er dann ein eigenes Sportmotorradgeschäft in Dortmund. Da hat er mit viel Eigeninitiative gelernt: „Marketing und Verkauf gehören zusammen, ist eine Einheit. Das muss Hand in Hand gehen.“ Den Geschäftsaspekt hat er immer im Blick – „Immer gucken, wo man neue Geschäftszweige, neues Business kreieren kann“ – und kurz kann man sich vorstellen, wie Mirko in Schlips und Kragen an einem Business Meeting teilnimmt.

Aber der aufmerksamer Rundumblick beschränkt sich nicht nur auf die Motorradbranche. Der bunt tätowierte Arm hebt sich, gedankenverloren wird der Bart geformt, er fährt sich über die Glatze. Kabellose Earpods konkurrieren mit schwarzweißen Würfelohrringen um den Platz am Ohr. Sich selbst als Realist bezeichnend, reflektiert er Politik, Nachhaltigkeit, soziale Verhältnisse und Entwicklungen, Greta Thunberg, E-Mobilität, Veganismus, Gartenarbeit, Glaube, Gott und die Welt. Zusammenhalt ist ihm wichtig, Vertrauen, Hilfsbereitschaft, Offenheit, gutes Tun. Das hat er mit seiner Frau gemein. Zusammen mit ihr machte er auch seine 19-monatige Amerikareise, auf dem Motorrad natürlich. Die Reise nutzten sie, um Geld für gemeinnützige Stiftungen und bedürftige Kinder vor Ort zu sammeln. Außerdem war nach einem Perspektivwechsel in die stressige Automobilbranche mal ein bisschen Abstand nötig. „Hab aber während der Reise meine Leidenschaft zum Vertrieb, zum Marketing nicht verloren.“ Im Gegenteil. Während der Reise entstand der Kontakt zu Sena. Die Firma sponserte ihn mit Produkten, Mirko war von ihnen überzeugt und generierte „einfach weil’s Bock gemacht hat“ neue Verkaufskanäle für die Firma. Man stellte ihn ein.

Heute ist er ‚der SENArizer‘ auf dem Sena Youtube-Kanal. Den Namen hat er Kollege Dario zu verdanken, der mit ihm für die Videos verantwortlich ist. „Weil er Sena lebt, er der Sena-Pro ist. Was Marketing angeht, macht er alles“. Entsprechend hat er für einen erfolgreichen Instagram-Kanal gesorgt, steht auf Messen, plant und organisiert Events. Laut Dario „sein Steckenpferd“ im breiten Aufgabenspektrum. Für die von Mirko mitbegründete Website ACT e.V., die Offroad Strecken in Europa für die Adventure Community unter den Motorradfahrern erkundet, fährt er außerdem jährliche Erkundungstouren. Dokumentiert diese Reisen medientauglich, dabei kommt ihm sein Können als Fotograf zugute. Influencer-Marketing hat er eingeführt. Das bringe junge Menschen wieder ans Motorradfahren. Die seien wichtig für die Branche, er freut sich, dass sie wiederkommen. Der eigene zweijährige Sohn hat da zwar noch etwas Zeit, die 15-jährige Tochter möchte aber natürlich auch schon. „Wir müssen die Jugend auf dem Schirm haben“, sagt er, damit sich die Branche neu aufstellen kann. „Genau wie die Digitalisierung. Und erkennen, dass die Motorradbranche nicht nur Freiheit und Spaß bedeutet, sondern auch den Mobilitätsfaktor berücksichtigen.“

Für die Kunden seiner Branche reist Mirko durch die Welt. Aber langweilig findet er auch die Schreibtischarbeiten nicht, „Anzeigenwerbung, Onlinewerbung, Websites, Events und Messen, Kooperationen, Influencer, Social Media, alles sehr umfangreich!“, er kann das gesamte Marketing-Paket sozusagen im Schlaf runterbeten. Trotzdem sind ihm die Abwechslung und der persönliche Kundenkontakt wichtig. Die geteilte Passion, man versteht sich sofort. Ihm gefällt das familiäre in der Motorradcommunity. „Ist ‘ne Du-Branche. Ich duze alle meine Kunden. Ist zwar eine schwierigere Branche als die Automobilbranche – ist aber auch die geilste Branche!“

Für sein Team will er die gleiche Freiheit wie für sich selbst. „Damit sie wachsen. Ich bin kein Freund von festen Begrenzungen. Ich glaub, ich bin da manchmal ein bisschen unorthodox.“ Für einen guten Workflow setzt er auf Eigenständigkeit und offenen Kontakt. Das wissen seine Mitarbeiter zu schätzen. Dario sagt: „Als Chef würde ich ihn gar nicht unbedingt bezeichnen. Den lässt er im Büro nicht raushängen. Er ist schon autoritär und fordert uns, aber er verpackt das ganz nett, eher als Kumpel.“ Und weil Mirko, wie er sagt, seine Leute „mal machen lässt“, ist es auch okay, wenn er am Team-Meeting mal nur zugeschaltet vom Motorrad aus teilnimmt.

Mit 43 hat Mirko es geschafft, sein Hobby zum Beruf zu machen und eine berufliche Position zu erreichen, von der aus er kaum noch aufsteigen kann. Trotzdem: „Ich bin sicherlich noch nicht am Ende meiner Laufbahn. Aber wenn ich könnte“, er lacht „würde ich auch wieder auf Weltreise gehen und meinen Job vom Motorrad aus machen, klar!“

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