Mister Alien Raptor und die kalte Sophie

Spektakulärer Jubiläums-Vogel-After-Work-Ride

| Autor: Stephan Maderner

Benzin statt Wein im Blut: Das (Wein)paradies Hirn in Untereisenheim.
Benzin statt Wein im Blut: Das (Wein)paradies Hirn in Untereisenheim. (Bild: Stephan Maderner/bike und business)

Bereits zum zehnten Mal begaben sich am 15. Mai die Motorradkollegen der Vogel Communications Group und ein Überraschungsgast auf ihre traditionelle Feierabendrunde. Was die Community on the road erlebte, lesen Sie hier.

Die Abfahrt der 10. Jubiläumsausfahrt im Hof der Vogel Communications Group am späten Mittwoch Nachmittag in der dritten Maiwoche anno 2019 verzögerte sich. Wegen Vollsperrung der Autobahn A3, diversen Unfällen mit Hubschraubereinsatz, allerorten Blaulicht und Sirenen sowie der einsetzenden Rush-hour der Mainfrankenmetropole musste erst einmal eine strategische Idee her, die den Weg aus dem verstopften städtischen Nadelöhr wies. Und so übernahm der ortskundige »bike und business«-Chefredakteur und Initiator der Vogel-Kollegenausfahrten das Kommando und schlängelte das achtköpfige Fahrerfeld (es stießen später am Hotel Kappellenberg in Eibelstadt noch zwei weitere dazu) über Hinterhofpassagen und Parkplätzen von Gartenfachmärkten, holprigen Straßenbahnschienen, Tempo-30-Zonen und unter Missachtung sämtlicher „Nur-Anlieger-Frei“-Schilder (u.a. Spessartstraße, Gänsleinsweg) aus dem Labyrinth.

Doch auch außerhalb der geschlossenen Ortschaft staute es sich zunächst gewaltig. Mutig schlängelte sich die Truppe an den Auto- und Lkw-Kolonnen vorbei, bis nach Winterhausen am Main der Spuk vorbei war und die Hand am Gashahn endgültig vor dem Einschlafen gerettet werden konnte, als die Kurven zwischen Marktbreit, Mönchsondheim, Iphofen, Rödelsee, Sommerach und Nordheim begannen. Ein Höhepunkt des geselligen zweiradaktiven Feierabendvergnügens war schließlich die Mainquerung mit der Fähre nach Escherndorf (mit einem herrlichen Old-School-Ticket aus roter Pappe: „Mainfähre Tarif 2 Mofa, Moped, Kleinkraftrad, Motorrad“ für 1 Euro) und das Fotoshooting am Weinparadies Hirn in Untereisenheim. Die Ausfahrte diente übrigens zur Vorerkundung der Oldtimer-Tour, die »bike und business« im Rahmen der Classic Bike Days Ende September in Eibelstadt bei Würzburg durchführt.

Wie spielte das Wetter mit? Die Ausfahrt musste wegen widriger äußerer Umstände bereits zweimal verschoben werden. Das Wichtigste: von oben blieb es trocken. Leider gaben die Eisheiligen an ihrem letzten Tag nochmal alles. Nachdem das Thermometer beim Start noch 14 Grad anzeigte, schlug auf der Fahrt Richtung Osten die kalte Sophie zu und ließ es gefühlt alle zehn Kilometer Strecke einen halben Grad kälter werden. Gegen Ende hin wurde es tatsächlich einstellig und so war der Beschluss, sich mit einem Abschlusshock in die wärmende Stube des Gasthauses Hotel Zur Rose in Obereisenheim zu flüchten und sich mit Spargelsuppe, Bratwurst mit Kraut, Kartoffelpuffer mit Apfelbrei sowie Kalbsschnitzel mit Kartoffelsalat zu stärken, schnell gefasst. Dort gab es Benzingespräche pur. Ist doch der Gastwirt Franz-Josef Bregenzer selbst ein eingefleischter Motorrad- und Oldtimer-Freak und besitzt als Italien-Liebhaber nicht nur eine alte Ducati und eine Kult-Laverda sondern verstaut nach eigenen Angaben noch diverse Harleys und acht Hanomag-Bulldogs in seinen Geräteschuppen. Unter den Teilnehmern wurden im Wirtshaus an diesem Abend auch drei Vorführer-Helme der Marke Speeds verlost: Andreas Huß, Stefan Liebing und Bernhard Schwanitz zogen die Glückslose.

Ein Customizer als Überraschungsgast

Was war noch besonders an der Jubiläumstour? Dieses Mal reihte sich ein Überraschungsgast in die Reihen der Vogel-Biker ein: Bernhard Schwanitz von BS Customs. Er ist spezialisiert auf radikale Custom- und Showbikes für Händler und Privatkunden. Der diplomierte Industrial Designer betreibt in der Würzburger Katharinengasse eine Moped-Galerie mit Lounge und Werkstatt. Schwanitz, „Baujahr 65“, wie er auf seiner Homepage kokettiert, hat Produktdesign studiert und arbeitete über 20 Jahren als CEO im Bereich Produktdesign, Konstruktion und Fertigung. Sein Team wurde mit über ein Dutzend Designpreisen ausgezeichnet. Darunter Red Dot, IF und andere. Die Designfirma arbeitete für Kunden wie Siemens, Bosch, Orderman und andere. Über 300 entwickelte Produkte und schließlich die Fertigung in Fernost, waren die entscheidenden Meilensteine. 2010 wurde BS Customs gegründet. Der Schwerpunkt seiner Tätigkeit liegt seither auf der Gestaltung von emotionalen Fahrmaschinen – Custom Bikes. Design, Handwerkskunst und Know-how vereinen sich seither in der Leidenschaft für außergewöhnliche Motorräder.

Vor sechs Jahren erregte Bernhard Schwanitz mit seiner „BSAR – Alien Raptor“ die Branchengemüter. Als Produkt-Designer und Motorrad-Enthusiast war sein sehnlichster Wunsch schon in Jugendjahren, sich einmal selbst ein Motorrad zu gestalten, immer präsent, aber lange unmöglich. Es ging und geht dem im positiven Sinne Motorradverrückten immer um das Fahrgefühl, das Erlebnis auf der Piste. Seine Zutaten für den Alien Raptor: Ein Harley-Motor, Drehmoment pur in einem Rennfahrwerk und ein starkes Designstatement, das so nicht wieder kommt. Er verbaute also einen Saurier von Motor in einem Rau-Rahmen, hochkarätige Basis für prähistorisches Road-Racing! Mit dazu eine lange Harris-Schwinge aus England, Magnesiumfelgen aus Italien und Deutschland, Mikuni-Vergaser aus Japan, Space-Disk-Bremsen aus den USA und Alu-Schweißkunst aus Kist waren die Zutaten für diesen globalen Alien.

Seine weiteren bisherigen Projekte: V-Rod Custom (2015), BMW K 1600 Naked (2017), Flying Arrow BMW R 100 Baujahr 1977, Scherb Tuning (2018). Schwanitz' neuestes Vorhaben ist eine Aprilia als Vintage-Racer im Superbikedesign; mit am Start auf der Vogel-Runde. Das Herz der SL Falco 1000 mit 129 PS kommt vom Hersteller Rotax aus Österreich. Die Idee: Im Prinzip ist die Falco eine RSV Mille, wenn man Ihr die richtigen Zutaten zurückgibt. Schwanitz modifizierte die Rennverkleidung stark, machte das Heck 30 mm höher und erhöhte die Sitzbank nochmal um 25 mm. Dann steckte er die Gabel durch – und so wurde aus dem braven Tourer ein heißes Renngerät im Design der Superbike WM 2014. 180 cm groß (wie der Schöpfer des Werks) sollte man allerdings schon sein, sonst kommt man mit den Füßen nicht auf den Teer.

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