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Mit dem E-Bike auf den höchsten Vulkan der Erde

Redakteur: Judith Leiterer

Auf Chile-Expedition mit Bosch E-Bike-Systems: Wüstenklima, Schotterpisten und Höhenluft – Auf 6.893 Meter Höhe wollten es vier Männer auf zwei Rädern schaffen – Temperaturen von mehr als 35 Grad in der Atacama-Wüste, am Berg aber auch mal minus 8 Grad in der Nacht, Schnee und Gewitter zum Trotz. Ist das überhaupt möglich?

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Mit dem Pedelec auf einen fast 7.000 Metern hohen Vulkan radeln – gehtd as?
Mit dem Pedelec auf einen fast 7.000 Metern hohen Vulkan radeln – gehtd as?
(Bild: Mike Fuchs Fotografie Germany)

Vom Pazifik 400 Kilometer landeinwärts, unterwegs auf asphaltierten Straßen, Schotterpisten, steilen Bergpfaden: Vier Männer sind am 14. Januar 2017 mit ihren E-Mountainbikes zu einer besonderen Chile-Expedition aufgebrochen, mit dem Ziel, am 24. Januar auf 6.893 Metern Höhe den Blick vom höchsten Vulkan der Welt zu genießen, dem Ojos del Salado. Die Strecke bietet zahlreiche Herausforderungen: Hitze und Kälte verlangen Mensch und Material einiges ab. So geht es beispielsweise durch die Wüste, über Abschnitte der Dakar Rallye-Strecke, sowie holprige Wellblechpisten und 4.500 Meter hohe Pässe bis auf den Gipfel des Vulkans, der gleichzeitig der zweithöchste Berg Südamerikas ist.

Vulkan mit E-Bike erradelt
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Technische Ausstattung

Um diesen Traum Wirklichkeit werden zu lassen, setzten die vier Sportler auf professionelle Unterstützung. Ihre Delite Mountain MTB-Bikes von Riese & Müller waren mit dem E-Bike-Antriebssystem Performance Line CX von Bosch ausgestattet. Dank direktem Ansprechverhalten, einem erhöhten Drehmoment und einer maximalen Unterstützung von bis zu 300 Prozent überzeugt die Performance Line CX vor allem im sportiven Bereich. Darüber hinaus ist sie kratzfest und witterungsbeständig und somit ideal für den Offroad-Einsatz geeignet.

Für ausreichend Energie sorgte eine Neuentwicklung von Bosch: Dual-Battery, eine Kombination zweier Akku Power-Packs. Am Ende jeder Etappe wurden die Akkus mit Solarenergie nachversorgt. Eine nachhaltige Lösung, die sich für diese Expedition besonders anbietet – Chile verzeichnet im Januar täglich rund 13 Sonnenstunden. So sind bis zu 1.000 Wattstunden für weite Wege, steile Strecken und hohe Lasten möglich. Auf ihrer Expedition haben die vier Männer die Leistung der beiden Akkus nie komplett ausgeschöpft, auch an Tagen, an denen sie 2.500 zurückgelegt haben, hatten sie keine Angst, auf die wertvolle Unterstützung des Motors plötzlich verzichten zu müssen. Extra breite Reifen sorgten auch im weichen Sand in 6.000 Metern Höhe noch für Traktion.

„Das Highlight für uns als Team war, dass man so „einfach“ in über 5.000 Metern Höhe umher fahren kann. Auch starke Steigungen haben uns nicht eingeschüchtert“, so Mike Fuchs, der Initiator der Chile-Expedition. An den Start ging er mit einem speziell zusammengesetzten Team: Pitt Schmidt, Handwerksmeister und Diabetiker, Jörg von Hübbenet, Arzt und Sportdiabetologe, sowie Sebastian Gerl, Sportwissenschaftler, begleiteten ihn. „Dass wir die Expedition mit E-Bikes antreten, war seit Start der Planung vor knapp drei Jahren vorgesehen. Wir sind keine Hochleistungssportler, die 400 Kilometer am Tag fahren. Trotzdem wollten wir die Expedition sportlich gestalten und in einem zeitlich überschaubaren Rahmen halten. Das E-Bike ist dazu in der Lage, auch mal 130 Kilometer und viele Höhenmeter mit dem Fahrer zu meistern.“

Die Vorbereitung muss stimmen

Um das harmonische Zusammenspiel von Mensch und Technik sicherzustellen, bereitete sich das Team ausgiebig auf die Expedition vor. Testfahrten im Schwarzwald und die Akklimatisierung vom 4. bis 12. Januar sollten helfen, das Material kennenzulernen.

Große Hitze am Tag, Kälte in der Nacht, Wüstenklima, Höhenluft, Wasserknappheit. Auf diese besonderen Bedingungen galt es, sich besonders intensiv vorzubereiten. „Es geht um die Symbiose von Mensch und Technik. Forschung und Fortschritt in der Mobilität ermöglichen das fast Unmögliche“, so Fuchs vor der Expedition.

Am Samstag, 14. Januar starteten sie ihre Reise noch mit Pazifikstrand unter den Reifen. Weiter ging es dann einmal quer durch die Atacama-Wüste, die trockenste und älteste Wüste der Welt. Am zweiten Tag wurden die Täler in den Andenausläufern mit vielen Höhenmetern bezwungen. Nach drei Tagen waren sie schon im 340 Kilometer vom Startpunkt entfernten Gebiet des Ojos del Salado.

„Uns wurde schnell klar, dass wir in einer Region unterwegs sind, die Fahrradfahrer noch nicht oft gesehen hat. Um den Ojos del Salado gibt es nämlich im Umkreis von 200 Kilometern keine wirkliche Zivilisation. Die nächste Stadt auf chilenischer Seite war 240 Kilometer vom Basecamp entfernt“, so Fuchs.

Festgehalten für die Ewigkeit

Was die vier Männer auf ihrer Expedition zum höchsten Vulkan der Erde erlebt haben, dokumentierte ein Fernsehteam. Der SWR war von Beginn an dabei, hat sowohl die Vorbereitungen im Schwarzwald als auch die Expedition in den Anden, der längsten Gebirgskette der Erde, begleitet.

Darüber hinaus haben die Abenteurer ihre Erlebnisse in einem Online-Tagebuch festgehalten. Haben die Männer ihr Ziel erreicht, am 24. Januar den 6.893 Meter hohen Gipfel des Ojos del Salados mit dem E-Bike zu erklimmen? Am 20. Januar schreiben sie auf ihrem Blog:

„ Die ersten Sonnenstrahlen zeigen uns einen Pfad der steil hinauf führt. Es ist nicht einfach diesem Pfad weiter zu folgen, mal verliert er sich im Schnee, mal ist es einfach zu steil um mit dem Rad vorwärts zu kommen. Auch schaffen wir es nicht mehr genug Grip auf die Reifen zu bekommen und so schieben wir zu dritt das Rad hinauf. (...)

Pitt überprüft regelmäßig seine Insulinwerte um konstant mithelfen zu können. Auch Sebastian und Mike sind an ihrer Leistungsgrenze. Wir müssen langsamer werden, um nicht zu hyperventilieren. In dieser großen Höhe solche Lasten bergauf zu bekommen, fällt uns zusehends schwerer. Schritt für Schritt kämpfen wir uns hinauf. Drei Bergsteiger kommen uns vom Gipfel entgegen. Bis auf 6.600 Meter hätten sie es geschafft, darüber ist aufgrund der Schneemassen kein Weiterkommen mehr. Ihre Fragen zielen jedoch auf unser Fahrrad ab – wieso wollt ihr hier Fahrrad fahren?

Gegen 12 Uhr schlägt das Wetter um und wir halten bei 6.250 Meter inne. (...) Der Wetterbericht prophezeit nichts Gutes: Gewitter und erhebliche Neuschneemengen für heute und auch die kommenden zwei Tage.

Betrübt aber auch glücklich, so weit hinaufgekommen zu sein, markieren wir den Punkt und beglückwünschen uns. Auf 6.250 Metern, knappe 600 Meter unterhalb des Gipfels, machen wir unsere „Gipfelfotos“ und beschließen schnell aus der Gefahrensituation zu kommen. (...)

Der Höhepunkt ist auf jeden Fall erreicht und somit auch eine herausragende Leistung der E-Mobilität, die wir als Team voll und ganz unterstreichen können.“

Am 20. Januar erreichen die Männer den höchsten Punkt der Expedition auf 6.250 Metern Höhe. Das Wetter lässt das Erklimmen des Gipfels nicht zu. „Der Höhenrekord von 6.250 Metern war uns mit seinem Erreichen plötzlich nicht mehr wichtig. Der Weg dorthin war in dem Moment viel interessanter als einen weiteren Meilenstein zu setzen, der sowieso früher oder später wieder geknackt wird“, so Fuchs. „Durch das gemeinsame Ziel sind wir auch als Team sehr schnell zusammengewachsen.“

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