Mit Frauenpower aufs Treppchen

Die weibliche Seite des Bike-Business

| Autor / Redakteur: Ronja Auerbacher / Stephan Maderner

Goldregen für die drei „Bike Women of the year“ 2018.
Goldregen für die drei „Bike Women of the year“ 2018. (Bild: Johannes Untch/Vogel Communications Group)

Bereits zum vierten Mal wurde Ende November in Würzburg die „Bike Woman of the year“ gekürt. Der Preis setzt ein starkes Zeichen in einer männerdominierten Branche, in der Frauen trotz ihres wachsenden Anteils noch immer im Hintergrund stehen.

Es ist fast ganz still geworden im großen Veranstaltungssaal des Würzburger Vogel Convention Centers. Rund 300 Gäste der Fachtagung »bike und business« in Abendgarderobe sitzen im Raum verteilt um große runde Tische, auf deren weißen Tischdecken halbvolle Weingläser neben roten Stoffservietten stehen. Noch vor wenigen Minuten hatten angeregte Gespräche und das Klackern von auf Tellern schabendem Besteck den Raum erfüllt, Männer im Jackett und Frauen im kleinen Schwarzen waren plaudernd zwischen ihren Plätzen und dem opulenten Buffet hin und her flaniert, das sich über die gesamte linke Wand der Shedhalle des Vogel Convention Centers erstreckt. Nun sind es nur noch die Servicekräfte, die zwischen den Tischen hin und her fliegen, um leere Gläser wieder zu vollen zu machen, während die Gäste ihren Blick gespannt auf die Bühne gerichtet haben.

Im leuchtenden Spot der Scheinwerfer, der den Bühnenraum vom gedämpften rötlichen Licht des Saales abhebt, stehen in der Mitte der beiden Moderatorinnen: Zwei junge Frauen. Mit dem Rücken zum Publikum blicken sie in freudig aufgeregter Erwartung auf die Leinwand vor ihnen. In wenigen Sekunden wird dort das entscheidende Bild aufleuchten, das eine von ihnen zur Siegerin küren wird. Zur Bike Woman of the year 2018.

Wertschätzung und Empathie

„Es gibt viele Frauen in der Zweiradbranche, die auch ihren Teil beitragen. Aber die sind immer im Hintergrund“, so Frauke Tietz, die den Award vor vier Jahren zusammen mit »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner ins Leben rief. Bereits im Jahr 2010 gründete sie das Online-Magazin Fembike und versorgte darüber motorradbegeisterte Frauen mit Informationen, Neuigkeiten und Tipps rund um das Motorradfahren. Und schuf damit eine Perspektive, die Tietz in der Branche bis heute vermisst, besonders im Journalismus: „Es fehlt vielen an Empathie, sich in die Frauen hineinzuversetzen und auch die Bereitschaft, das überhaupt zu tun. Das merkt man dann auch in den Artikeln.“ Umso wichtiger sei es, auf die weibliche Seite im Bike-Business aufmerksam zu machen. Und die Frauen auszuzeichnen, die in der Branche tatsächlich ihren Lebensunterhalt bestreiten.

„Wir brauchen euch in der Motorradwelt“

„Es gibt unglaublich viele Frauen in der Motorradbranche, die hart zu kämpfen haben, da muss auch einfach mal gesagt werden: Ihr seid genau gleichwertig und wir brauchen euch in der Motorradwelt“, betont auch Ursula James, die die Fachtagung und den Award als Eventmanagerin federführend organisiert und die Preisverleihung zusammen mit Frauke Tietz moderiert. Gesucht werde deshalb eine Frau, die in der Motorradbranche „in beliebiger Form sehr weit vorne“ und vor allem mit Spaß und Leidenschaft bei der Sache ist. Die Bike Woman of the year müsse selbst also gar nicht unbedingt Motorrad fahren, so James. Hauptsache, sie verdient haupt- oder nebenberuflich ihre Brötchen damit und brennt für das Thema.

Motorcycle in my mind

Die beiden Finalistinnen des diesjährigen Awards sitzen jedoch auch in ihrer Freizeit beide gerne auf dem Bike. „Natürlich kann ich nichts bewerben oder authentisch davon berichten, wenn ich nicht weiß, wovon ich rede. Deshalb ist es mir wichtig, unsere Motorräder auch selbst zu fahren“, sagt Laura Marko, die seit zehn Jahren als Marketing-Managerin bei der Faber Group, dem österreichischen Importeur u.a. der Marke Piaggio, tätig ist. Auch sie sieht die Marktlücke, die seit Jahren im Motorradbusiness klafft: Gerade die Körpergröße sei bei Frauen oft ein Thema. Zwar gebe es sogenannte Tieferlegungssätze, um die Bikes entsprechend anzupassen, diese seien jedoch nur von bestimmten Herstellern und für eine begrenzte Anzahl an Modellen verfügbar: „Frauen sind in der Branche auf jeden Fall zu einem großen Teil vertreten, aber sie werden nicht gesehen.“

Laut einer Befragung der Verbrauchs- und Medienanalyse VuMa besaßen in Deutschland im Jahr 2017 rund 23,4 Prozent der Gesamtbevölkerung ab 14 Jahren und 4,3 Prozent der befragten Frauen einen Motorradführerschein. Hochgerechnet entspräche das einer Zahl von rund 1,5 Millionen Frauen in ganz Deutschland.

Auf der Suche nach Normalität

Der „Bike Woman of the year“-Award setzt für all diese Frauen ein Zeichen, findet auch Henrike Thoböll, die an diesem Abend neben Laura Marko auf der Bühne steht. Sie leitet die Werkstatt von Moto Service Knabe im norddeutschen Büdelsdorf. „So lange mich jeden Tag mindestens ein Kunde darauf anspricht, dass das ungewöhnlich ist, so lange ist es nicht normal und so lange brauchen wir auch solche Awards.“

Als nach langen Momenten der Spannung Henrikes Bild im pinken Rahmen auf der Leinwand aufleuchtet, bricht im Saal tosender Applaus aus. »bike und business«- Chefredakteur Stephan Maderner, der bereits auf der Fachtagung am Nachmittag durch das Programm führte, betritt die Bühne und überreicht den beiden Finalistinnen feierlich ihre gläsernen Trophäen. Auch die drittplatzierte Chiara Aichele, die zusammen mit ihrer Familie das modische Motorradbekleidungslabel California Dream betreibt, wird schließlich zum gemeinsamen Foto auf die Bühne gebeten. Alle drei strahlen über das ganze Gesicht, es ist offensichtlich: Keiner von ihnen hat hier verloren.

Tina Turner in Würzburg

Nach einem fulminanten Abschlussapplaus und einer Gesangseinlage von Ursula James, die als Siegeshymne auf die Gewinnerinnen Tina Turners „Simply the best“ zum Besten gibt, lässt sich Henrike vor der Bühne von ihren Lieben in Empfang nehmen. Jetzt wird gefeiert: „Das ist einfach eine Sache, in die ich seit Jahren ganz viel Zeit und Liebe und vielleicht auch manchmal mehr Energie reingesteckt habe als ich hatte. Jetzt dafür so eine Anerkennung zu bekommen, das ist wunderschön und tut richtig gut“, für alle zukünftigen Bike Women of the year fügt sie hinzu: „Wer zögert, sich zu bewerben: Man kann nur gewinnen.“

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