Suchen

Mit Kopfschutz und Köpfchen stromern

| Autor / Redakteur: Elfriede Munsch/SP-X / Dipl. sc. Pol. Univ. Stephan Maderner

Elektrische Roller sind besonders in Städten beliebt. Wer mit dem Kauf eines solchen Zweirads liebäugelt, sollte sich im Vorfeld einige Gedanken machen. Welche, das weiß Hans-Georg Marmit, Kraftfahrzeugexperte der KÜS.

Firma zum Thema

Hans-Georg Marmit, Kraftfahrzeugexperte der KÜS, gibt Tipps in Sachen Sicherheit im Zweiradverkehr.
Hans-Georg Marmit, Kraftfahrzeugexperte der KÜS, gibt Tipps in Sachen Sicherheit im Zweiradverkehr.
(Bild: KÜS/Oliver Kleinz )

Frage: „Ich überlege, einen elektrischen Roller für den Weg zur Arbeit anzuschaffen. Worauf muss ich achten?“ Antwort von Hans-Georg Marmit, Kraftfahrzeug-Experte der Sachverständigen-Organisation KÜS. Mittlerweile ist das Angebot an elektrischen Rollern recht groß geworden. Von günstig bis teuer, von stylisch bis retro: Für fast jeden Geschmack und Geldbeutel gibt es den passenden E-Roller. Vor dem Kauf sollte man zunächst klären, für welchen Einsatzzweck man das Gefährt nutzen möchte. Ist man überwiegend in städtischen Gefilden unterwegs oder will man auch über Landstraßen fahren? Wer nur in der Stadt von A nach B fährt, dürfte mit einem Roller, der maximal 45 km/h schnell, zurechtkommen. Wer jedoch einen hohen Anteil an Landstraßen in seinem Fahrprofil hat, wird wohl eher einen stärkeren und schnelleren Roller den Vorzug geben.

Der neue B 196

Je nach Wahl richten sich auch die Anforderungen an den Führerschein. Dürfen die bis zu 45 km/h schnellen und bis zu 4 kW/5,4 PS starken E-Roller mit der Führerscheinklasse AM beziehungsweise mit dem Autoführerschein „B“ gefahren werden, benötigt man für die schnelleren und bis zu 11 kW/15 PS leistenden Modelle den Führerschein der Klasse A1. Roller, die darüber liegen, dürfen mit Führerscheinen der Klassen A2 oder A bewegt werden. Für Fahrer, die nur den Pkw-Führerschein besitzen, ist es hilfreich, ein paar Übungsrunden auf einem abgesperrten Gebiet oder auf einem Verkehrsübungsplatz zu drehen, um ein Gefühl fürs Rollerfahren zu bekommen. Inhaber von Autoführerscheinen können seit dem 01.01.2020 in Deutschland auch ohne zusätzliche Fahrprüfung die Berechtigung erlangen, die schnelleren Modelle bis zu 15 PS fahren zu dürfen. Für die „Fahrerlaubnis der Klasse B mit der Schlüsselzahl 196“ müssen sie mindestens fünf Jahre lang schon ihren Führerschein der Klasse B haben, mindestens 25 Jahre alt ein und mindestens neun Fahrschuleinheiten à 90 Minuten absolviert haben, vier davon in Theorie und fünf in Praxis.

Reichweite und Ladeoptionen

Außerdem gilt es die nötige Reichweite sowie Ladeoptionen zu bedenken. Fährt man täglich nur wenige Kilometer, und kann man zuhause oder an der Arbeitsstelle die Batterie einfach aufladen, reicht ein kleiner Akku. Will man jedoch weitere Strecken zurücklegen oder hat keine Ladeoption in der heimischen Garage oder beim Arbeitgeber, darf es ruhig etwas mehr Reichweite sein. Gerade im Winter muss mit einer deutlich niedrigeren Reichweite als an warmen Tagen gerechnet werden. Neben der Temperatur hat der persönliche Fahrstil großen Einfluss auf die Reichweite. Wird meist stark beschleunigt und möglichst oft mit Maximaltempo gefahren, reicht der Strom für deutlich weniger Kilometer.

Besonders ladefreundlich sind solche Roller, die über eine herausnehmbare Batterie verfügen. Hier kann der Akku zum Aufladen bequem mit in die Wohnung genommen werden, während der Scooter selbst vor dem Haus parkt. Auch wenn der Stromspeicher nicht geladen werden muss, ist er über Nacht in der Wohnung besser vor Langfingern und Kälte geschützt. Einige Hersteller bieten auch den Erwerb eines Zweitakkus an. So lassen sich längere Fahrten stressfreier bewältigen und die Ruhe des geräuscharmen Vortriebs genießen.

Die Gefahren der Lautlosigkeit

Man sollte sich aber von dem Ruhegefühl nicht einlullen lassen. Weil man so leise unterwegs ist, wird man von anderen Verkehrsteilnehmern schlecht wahrgenommen. Fußgänger überhören elektrische Roller gerne. Daher gilt es, besonders in Hinblick auf Fußgänger möglichst umsichtig zu agieren.

Man sollte aber auch der eigenen Sicherheit große Aufmerksamkeit widmen. Die meisten E-Roller sind in der 50er-Klasse unterwegs und fahren damit maximal 45 km/h. Meistens reicht das, um im Stadtverkehr gut mitschwimmen zu können. Häufig empfinden Autofahrer dieses Tempo jedoch als zu langsam, weshalb sie gelegentlich drängeln oder gefährlich überholen. Grundsätzlich sollte man sich auf dem Roller nicht von eiligen Zeitgenossen einschüchtern lassen und für sich selbstbewusst Platz auf der Straße beanspruchen. Es ist außerdem ratsam, über den Rückspiegel stets auch den rückwärtigen Verkehr im Auge zu behalten. Auch wenn der E-Roller dank schmaler Silhouette dazu verführen mag: Ein Durchschlängeln zwischen Autokolonnen ist verboten. Ebenfalls tabu ist ein Ausweichen auf Radwege oder Bürgersteige, denn auch ein elektrischer Scooter der 50er-Klasse ist ein Kleinkraftrad, das sich die Straße mit den Autos teilen muss.

Sicherheit und Bekleidung

Zum Thema Sicherheit darf der Hinweis auf die richtige Kleidung nicht fehlen. Grundsätzlich sollte man auch als Nutzer eines E-Rollers auf eine angemessene Schutzkleidung achten. Der Gesetzgeber verpflichtet hier lediglich zum Tragen eines Helms. Feste Schuhe und Handschuhe verstehen sich aber ebenfalls von selbst. Wer seine Glieder bei einem Sturz schützen will, trägt zudem eine Jacke und eine Hose mit Protektoren. Es muss nicht gleich die Motorrad-Vollmontur sein, in Zubehörshops finden sich auch modische und legere Textil-Alternativen mit recht unscheinbar eingearbeiteten Schützern. T-Shirt, kurze Hose und Flip-Flops sind keine sichere Kleidung. Bei einem Sturz schützen sie nicht.

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de (ID: 46387311)