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Mit Sachverstand im Handwerk

| Autor / Redakteur: Marcus Büttner/inform / Dipl. sc. Pol. Univ. Stephan Maderner

Man nehme ein Benzingespräch, eine Prise gefährliches Halbwissen und eine Portion gesundes Selbstbewusstsein: Zack fertig… Sachverständiger! So einfach könnte das Rezept für unqualifizierte Gutachten lauten. Was sich genau hinter dem Begriff „Sachverständiger“ verbirgt, weiß Frank Döring, Bundesinnungsmeister Zweirad-Handwerk und Sachverständiger.

Bundesinnungsmeister Frank Döring wirbt für den Sachverständigen.
Bundesinnungsmeister Frank Döring wirbt für den Sachverständigen.
(Bild: BIV)

Herr Döring, wie wird man Sachverständiger?

Frank Döring: Die Titel „Sachverständiger“ und „Gutachter“ sind leider nicht geschützt. Damit könnte sich prinzipiell jeder selbst als Sachverständiger verstehen. Dies bedeutet jedoch nicht, dass sich auch jeder so bezeichnen darf.

Wie lässt sich dann zwischen seriösen und unseriösen Anbietern unterscheiden?

Öffentlich bestellte Sachverständige heben sich deutlich aus der Masse hervor. Sie werden vereidigt und ihre Fachkenntnis wird geprüft. Bei handwerklichen Arbeiten sind sie der erste Ansprechpartner für die Bewertung von Leistungen, Waren und Preisen. Dies ist vor allem bei Streitigkeiten vor Gericht gefragt. Als unabhängige Stelle kann ein öffentlich bestellter Sachverständiger ebenfalls beratend tätig sein.

Weshalb ist nicht jedermann als öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger geeignet?

Die Bewerbungsanforderungen legen die Kammern anhand von Grundsätzen im Detail fest. Grundsätzlich muss ein Bewerber jedoch mindestens die Eintragungsvoraussetzungen in die Handwerksrolle erfüllen und ein überdurchschnittliches Fachwissen nachweisen. Dazu gehört auch, dass jemand in den letzten Jahren ausreichend Erfahrung im Handwerksgeschäft gesammelt hat.

Sollten sich Meister jetzt angesprochen fühlen?

Ein guter Meister, jemand der über den Tellerrand schauen kann, sollte den Anforderungen gerecht werden und die Prüfung bestehen. Die Tätigkeit eines Sachverständiger ist abwechslungsreich und kann das eigene Portfolio sinnvoll ergänzen.

Wie läuft ein solches Prüfungsverfahren ab?

Zunächst muss ein Bewerber einen Antrag auf öffentliche Bestellung und Vereidigung bei seiner örtlichen Handwerkskammer einreichen. Diese prüft im Weiteren die formalen Kriterien und legt dem Bewerber z. B. Weiterbildungen zum Sachverständigenwesen auf. Anschließend wird das Fachwissen geprüft. Hierzu wenden sich die Kammern an die Fachverbände, also Innungen und bitten um eine Feststellung der besonderen Sachkunde. Dies erfolgt in drei Schritten. Zuerst mit einem schriftlichen Test, im Anschluss hat der Bewerber fristgerecht ein Gutachten einzureichen und muss abschließend bei einem mündlichen Fachgespräch überzeugen. Die Kammer erhält danach ein Empfehlungsschreiben und entscheidet über die Bestellung und Vereidigung.

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