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Mobile.de: „Kein Druck durch neue Plattformen“

| Autor: Martin Achter

Der Marktführer fühlt sich aktuell nicht getrieben durch neue Marktplätze. Geschäftsführer Malte Krüger spricht darüber, warum sich Mobile.de ein neues Standbein im Onlinemarketing aufbaut und wie die Plattform bei den Preisbewertungen nachschärft, die für Missmut im Handel sorgten. Einige Merkmale spielen dort aber auch künftig keine Rolle.

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Achter/»kfz-betrieb«
Achter/»kfz-betrieb«
(Bild: Mobile.de)

Der Zuwachs an neuen Fahrzeugplattformen im Internet in den vergangenen Jahren war immens. Marktführer Mobile.de sieht sich dadurch aber nicht unter Druck, wie Geschäftsführer Malte Krüger im Interview mit »kfz-betrieb« sagt. Gerade führt Mobile.de einen neuen Service für das Onlinemarketing von Händlern ein und verdoppelt bei seinen Fahrzeugpreisbewertungen, die in der Vergangenheit für Missmut im Automobilhandel sorgten, die Anzahl der ausschlaggebenden Merkmale. Einige werden dort aber auch in Zukunft keine Rolle spielen.

Redaktion: Herr Krüger, am Markt der Fahrzeugbörsen tut sich viel. Ebay überlegt, sich von seinem Kleinanzeigengeschäft zu trennen, zu dem auch Mobile.de gehört. Wie ist hier der Stand der Dinge? Laufen Verkaufsgespräche?

Malte Krüger: Hierzu geben wir keinen Kommentar ab. Die Diskussion um unsere Zukunft zeigt aber, dass Kleinanzeigen im Internet ein spannendes Geschäft sind. Das macht uns stolz. Und ich denke, wir sind mit dem, was wir machen, auf dem richtigen Weg.

Autoscout 24 als zentraler Wettbewerber hat in den vergangenen Wochen eine Reihe neuer Angebote und Funktionen gestartet. Hier geht es um den direkten Verkauf von Händlerfahrzeugen über die Plattform sowie um die Vermittlung von Fahrzeugabonnements. Sind das auch für Mobile.de strategische Handlungsfelder?

Die aktuellen Entwicklungen zeigen, dass in der Branche viel Spielraum für digitale Innovation ist. Und Umfragen unter Verbrauchern belegen, dass nur ein Prozent der Autokäufer mit dem Kaufprozess online zufrieden ist. Es gibt also noch viel Luft nach oben. Es muss darum gehen, die Prozesse für den Kunden zu verbessern. Autoscout 24 geht seine Wege. Und wir gehen unsere. Mit mehr als 16 Millionen Unique Visitors im Monat liefern wir in Deutschland Autohäusern noch immer mit Abstand die meisten Besucher. Und Innovationen gehen wir sorgfältig an. Unsere Ankaufplattform für Händler, der Mobile.de Motorverkauf, läuft erfolgreich. Und auch in Sachen Fahrzeugfinanzierung sind wir gut unterwegs. Wir entwickeln uns zum One-Stop-Shop in Sachen Autokauf und Verkauf – für Verbraucher wie Händler.

Apropos Finanzierung: Wie viele Händler nutzen hier Ihr Angebot?

Wir bieten Nutzern hier zwei Modelle an. Einmal die sogenannte „automatic offer“, bei der Nutzer über unseren Partner Smava einen Kreditvergleich zwischen verschiedenen Banken für das jeweilige Fahrzeug anfragen können. Und dann gibt es bei uns das sogenannte „dealer financing“. Daran nehmen zwischen 6.000 und 8.000 unserer aktuell rund 43.000 Händler teil. Deren Zahl wird unter anderem dadurch bestimmt, welche Automobilbanken diese Funktion unterstützen. Aktuell gehören dazu die Santander Consumer Bank, die Bank Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe sowie einige Captives wie zum Beispiel RCI Banque von Renault und Nissan.

Da sind Sie aber sicher noch auf Brautschau.

Ja, wir wollen und müssen noch einige Banken hinzugewinnen. Aber das Interesse der Nutzer ist hoch. 1,4 Millionen Nutzer fragen monatlich eine Finanzierung an. Und Nutzerbefragungen von uns zeigen, dass 40 Prozent davon keine Finanzierung beim Händler und seiner Partnerbank abgeschlossen hätten, wenn es unser Angebot nicht gäbe. Hier geht dem Händler und seiner Bank also echtes Finanzierungsvolumen verloren.

„Wirkaufendeinauto.de“ ist seit Februar auch Fahrzeugmarktplatz. Spüren Sie diesen Wettbewerb? Wie sieht es mit Car Gurus und Heycar aus?

Wie gesagt: Im digitalen Automobilhandel gibt es noch viel Raum für Innovation. Druck durch neue Wettbewerber spüren wir aber nicht. Wir sind Marktführer in Sachen Reichweite. 70 Prozent aller Leads von Onlineplattformen erhalten Händler von uns. Das zeigt eine Umfrage des Marktforschungsunternehmens GfK. Aber wir ruhen uns trotzdem nicht aus.

Kommen wir auf die Plattform Mobile.de selbst zu sprechen. Sie starten jetzt mit einer neuen Marketingdienstleistung für Autohändler, dem sogenannten Werbemanager. Was für eine Art Produkt ist das?

Mit dem Produkt haben wir jetzt eine Testphase durchlaufen und starten im vierten Quartal. Es soll eine Lösung sein, die es Händlern ermöglicht, ihre Fahrzeuginserate außerhalb von Mobile.de automatisiert interessierten Nutzern im ganzen deutschen Internet anzeigen zu lassen. Auf großen Webportalen wie Spiegel Online, Kicker oder T-Online oder sozialen Netzwerken wie Facebook. Händler können bei uns entsprechende Kampagnen buchen, und wir erledigen dann die Umsetzung.

Machen Sie damit nicht klassischen Onlinemarketing-Agenturen Konkurrenz?

Kaum ein Unternehmen in unserem Wettbewerbsumfeld ist so gut aufgestellt wie wir. Wir haben 23 Jahre lang Erfahrung gesammelt, wie man Onlinemarketing im Automobileinzelhandel macht. So wie wir können das nicht viele. Und wir haben Kontakt zu einer Vielzahl von Händlerkunden, um ein solches Angebot aufzubauen – dazu auch einen Datenschatz, den wir für gezieltes Onlinemarketing nutzen können. Der Händler bekommt bei Mobile.de alles, was er braucht.

Preisbewertungen waren eine wichtige Neuerung in den vergangenen Jahren. Allerdings haben Sie damit auch Kritik vonseiten des Handels geerntet. Was haben Sie in diesem Bereich verändert?

Das Thema ist in ruhigem Fahrwasser angekommen. Wir haben viel mit Vertretern des Handels darüber gesprochen, was wir bei der Einführung gut und was wir weniger gut gemacht haben. Klar ist aber: Wir hätten viel früher und viel mehr mit den Marktteilnehmern darüber diskutieren müssen. Trotzdem ist die Funktion nicht mehr wegzudenken. Die Kunden wollen das haben. Ursprünglich haben wir 70 Attribute bei der Preisbewertung berücksichtigt. Gerade erhöhen wir auf 140. Der Algorithmus lernt ständig hinzu.

Spielt der Wartungszustand oder der Verschleiß an den Fahrzeugen schon eine Rolle?

Natürlich berücksichtigen wir Angaben wie Alter und Kilometerstand der Autos. Dies sind wichtige Kriterien, die den Rückschluss auf den allgemeinen Verschleiß geben. Der Zustand und Verschleiß einzelner Teile wie etwa Zahnriemen wird jedoch noch nicht berücksichtigt.

Dieser Beitrag erschien zuerst in unserem Schwesternblatt "kfz-betrieb".

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Über den Autor

 Martin Achter

Martin Achter

Redakteur Management & Handel bei »kfz-betrieb«