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Monika Henkel, die Powerfrau, die nicht auffallen will

| Autor / Redakteur: Jan Rosenow / Martina Eicher

Die Zweiradbranche gilt als Männerdomäne – doch auch immer mehr Frauen sind hier beruflich erfolgreich unterwegs. In loser Folge stellt »bike und business« solche Powerfrauen vor. Folge eins: Harley-Davidson-Händlerin Monika Henkel aus Erfurt.

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Monika Henkel: seit 20 Jahren mit ein und derselben Marke erfolgreich – das verdient wirklich Respekt.
Monika Henkel: seit 20 Jahren mit ein und derselben Marke erfolgreich – das verdient wirklich Respekt.
(Foto: Jan Rosenow)

Eigentlich will Monika Henkel gar nicht im Mittelpunkt stehen. Lieber steuert sie die Geschicke ihres Harley-Davidson-Betriebs in Erfurt aus dem Hintergrund und nimmt in Kauf, dass manche Kunden sie gar nicht gleich als Chefin wahrnehmen. Laute Töne sind ihre Sache nicht. Doch was sie sagt, das hat Hand und Fuß – und ihr unternehmerischer Erfolg unterstreicht ihre Worte. Als Inhaberin seit über 20 Jahren im Motorradhandel zu bestehen, und das mit einer Marke wie Harley-Davidson, die mit so traditionell-männlichen Klischees überfrachtet ist – das spricht für sich. Lange Jahre war Monika Henkel die einzige Frau in der Harley-Händlerschaft.

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In die Branche kam sie über ihren Mann Horst, der begeisterter Motorradfahrer ist und bei den Simson-Werken in Suhl arbeitete. 1986 machten sich die beiden mit einer Reparaturwerkstatt selbstständig. Für die damals 27-Jährige, die Handelskaufmann im Obst- und Gemüsehandel gelernt hatte (so die offizielle Berufsbezeichnung in der DDR), war das kein großer Schritt, obwohl Unternehmer in der DDR keinen leichten Stand hatten: „Meine Familie hat Unternehmergene. Mein Vater war auch selbstständiger Handwerksmeister“, erinnert sich Monika Henkel. Und ihr Ehemann Horst stammt sogar aus einer echten Zweiraddynastie: Sein Vater Paul Henkel baute in den zwanziger Jahren in Suhl eine Maschinenbaufirma auf und fertigte die bekannten Krieger-Gnädig-Maschinen – damals eine der fortschrittlichsten Zweiradkonstruktionen – sowie Motorräder unter eigenem Namen. Nach der Wende starteten die Henkels voll durch. Die väterliche Fabrik wurde an die Familie rückübertragen und steht heute unter Horst Henkels Leitung. Monika hingegen kümmerte sich in erster Linie um den Motorradhandel – zuerst mit der Marke Yamaha. Kurze Zeit später kam BMW hinzu, 1992 schließlich Harley-Davidson.

Zur Erinnerung: Damals konnten die amerikanische Marke und ihre Händler von Rang drei in der Zulassungsstatistik nicht einmal träumen, galten die Maschinen doch als technisch rückständig und unzuverlässig und ihre Fahrer oft als anrüchige Gestalten mit Kontakten in die Unterwelt. Doch diese Klischees schreckten die Jungunternehmerin nicht ab: „Ich habe mich schon immer für Harley interessiert und auch die Fahrer nie als Rowdies gesehen. Im Gegenteil, ich fand den Zusammenhalt unter ihnen faszinierend.“

Für die junge Unternehmerin hatte die Marke aus Milwaukee einige Herausforderungen parat. „Am Anfang habe ich mich schon gefragt, wie wir hier im Osten Motorräder für 30.000 D-Mark verkaufen sollten. Harley war jedoch sehr kulant und hat uns sogar ein Rückgaberecht eingeräumt. Aber das haben wir nie in Anspruch nehmen müssen“, erinnert sich die Thüringerin lächelnd. „Wir mussten sogar nachbestellen“ – doch knappe Ware zu verteilen, hatte sie ja schon in ihrem ersten Beruf bestens gelernt.

Auch die Erinnerungen an den Motorradhändler-Alltag jener Tage entlocken der Unternehmerin ein Schmunzeln. „Anfangs kam jedes Ersatzteil direkt aus Amerika. Ein deutsches Lager gab es nicht. Und per Internet bestellen konnte man natürlich auch noch nicht.“

Auch wenn man es der schlanken, ruhigen Frau nicht auf den ersten Blick ansieht – sie brennt für ihre Marke. Von den fünf ersten Händlern, die Harley damals in Ostdeutschland einsetzte, ist sie als einzige übriggeblieben. Den Vertrag mit BMW gab sie schnell auf, weil die Bayern zu viel Verwaltungsaufwand verursachten und ihre Modellpalette Anfang der neunziger Jahre auch noch weit von den heutigen Verkaufserfolgen entfernt war. Bereut sie das heute? „Nein“ – die Antwort kommt ohne Zögern.

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