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Motoprotect: Vorsicht ist besser als Nachsicht Sicherheit im Motorradhandel – von A wie Alarmanlage bis Z wie Zündschlüsselverwahrung

| Autor/ Redakteur: Helena Gennutt / Dipl. sc. Pol. Univ. Stephan Maderner

Niemand sollte sich in Sicherheit wiegen: Ein Einbruch kann jeden treffen, unabhängig von Ausstattung und Tageszeit. Die beiden Sicherheitsexperten Marcel Kolbe und Frank Kröhnert von Motoprotect geben Tipps, wie sich Risiken minimieren lassen.

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Marcel Kolbe und Frank Kröhnert von Motoprotect (Zitzmann Assekuranzbüro): „Sicherheit im Motorradhandel: Von A wie Alarmanlage vis Z wie Zündschlüsselaufbewahrung.“
Marcel Kolbe und Frank Kröhnert von Motoprotect (Zitzmann Assekuranzbüro): „Sicherheit im Motorradhandel: Von A wie Alarmanlage vis Z wie Zündschlüsselaufbewahrung.“
(Bild: J. Untch/»bike und business«)

Ein Kunde betritt den Motorradhandel. Er ist groß gewachsen, breitschultrig und trägt eine Motorradweste über einem karierten Hemd. Sein Blick wandert durch den Laden, er betrachtet die neuen und glänzenden Motorräder. Eine der Maschinen hat sein Interesse geweckt, darum geht er auf sie zu und studiert die Informationen der Fahrzeugbeschreibung. Schließlich wendet er sich ab und begibt sich Richtung Tresen. Langsam aber zielstrebig geht er am Tresen vorbei. Dort hängt eine Art Schlüsselbrett mit gut einem Dutzend Schlüsseln. Unbemerkt streckt er seinen langen Arm aus und greift hastig nach einem Schlüssel, der erst vor kurzem auf den Tresen gelegt worden ist und noch nicht aufgehängt wurde. Kein Rascheln ist zu hören, kein Klirren. Er setzt seinen Gang fort. Kurz darauf bleibt er stehen, hält inne und dreht nach einer kurzen Denkpause noch eine Runde durch den Laden, bevor er sich auf das Außengelände begibt. Beinahe andächtig betrachtet er die Motorräder. Er hat keine Eile und benötigt keine Beratung. Das Fachpersonal wendet sich anderen Kunden zu, ist beschäftigt. Da entdeckt er das passende Motorrad, steigt auf und steckt den Schlüssel ins Zündschloss. Vorsichtig dreht er ihn um und schlagartig ertönt das laute Knattern der Motorengeräusche. Ein paar Sekunden später ist er auch schon vom Hof gefahren und biegt um die Ecke in die nächste Seitenstraße.

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Frank Kröhnert war erfolgreich. In der Seitenstraße steigt er ab und geht zurück zum Inhaber des Motorradhandels. Kröhnert ist nicht zum ersten Mal in dieser oder einer ähnlichen Situation: Als gelernter Versicherungskaufmann arbeitet er als Sicherheitsdienstleister im Motorradhandel und führt auf Kundenwunsch Testeinbrüche durch. Der Chef des entsprechenden Motorradhandels ist informiert, die Mitarbeiter werden jedoch nicht vorgewarnt. Auf diese Weiße deckt Kröhnert Sicherheitslücken und Risiken auf, die im Alltagsgeschäft nicht wahrgenommen werden oder in Vergessenheit geraten.

Die Anzahl der Einbrüche in Motorradgeschäften und -werkstätten in Deutschland ist schwer zu beziffern. Ausgehend von der eigenen Versicherung (Motoprotect) mit rund 200 Händlern nennt Marcel Kolbe, Geschäftsführer der Zitzmann Assekuranzbüro GmbH und Kollege von Kröhnert, einen Wert von 15 bis 20 Einbruchsversuchen im Jahr 2019. „Ein ungewöhnlich hoher Wert“, so Kolbe, „in der Regel ereignen sich fünf bis zehn Einbrüche jährlich“. Laut Kolbe werden Motorräder „sehr oft gestohlen“, meist sind zwei bis fünf Maschinen eines Händlers betroffen. Masseneinbrüche dagegen seien seit 2013 seltener geworden, das heißt, mehr als zehn Motorräder werden nur in Ausnahmefällen entwendet. Liegen Schlüssel in der Werkstatt oder im Laden offen herum, sind an Schlüsselbrettern frei zugänglich oder stecken gar unbeaufsichtigt an Motorrädern, ist kein Versicherungsschutz für den Händler gewährleistet.

Deswegen hat die Schlüsselaufbewahrung einen hohen Stellenwert: Laut Kolbe und Kröhnert fordern die meisten Versicherungen, dass Schlüssel in einem Tresor der Klasse 1 hinterlegt werden. Um Schlüsseldiebstähle zu verhindern, sollten Schlüssel ständig einer personellen Aufsicht unterliegen. Niemals dürfen Schlüssel an Motorrädern stecken gelassen werden – „Das ist grobe Fahrlässigkeit“, so Kolbe. Ideal ist eine dezentrale Schlüsselaufbewahrung, also eine Verteilung der Schlüssel auf mehrere Tresore. Der Fall, dass diese durch Einbrecher geöffnet werden, ist laut Kröhnert „total unmöglich“, zumal niemand lange an einem Tresor arbeitet, wenn sich dieser nicht aufbrechen lässt.

„Sicherheitslücken zu schließen, muss immer auch in den Alltag passen!“, betonen Lisa Holzner und Bruno Heinrich von der Warm Up Zweiradtechnik GmbH. Ihr Hauptaugenmerk liegt momentan auf der Schlüsselproblematik: Einerseits ist ein gesicherter Raum zur Aufbewahrung erforderlich, andererseits ist eine zentrale Schlüssellagerung im Tagesgeschäft kaum praktikabel – die Laufwege der Mitarbeiter sollen die Arbeit nicht behindern.

Im Jahr 2018 wurde bei der Warm-up Zweiradtechnik GmbH eingebrochen. Es entstand ein Sachschaden in Höhe von 30.000 Euro. Letztlich sei die Schadenssumme niedriger ausgefallen, berichtet Holzner, da die Motorräder beschädigt wiedergefunden wurden. Bei einem Diebstahl entstehe meist ein Schaden in Höhe von 35.000 bis 50.000 Euro, schätzt Kolbe. Hinzu kommen Schäden am Gebäude, die sich auf 5.000 bis 10.000 Euro belaufen.

Am wichtigsten ist laut Kolbe der Besitz einer Alarmanlage: Sie verkürzt die Zeit des Täters Fahrzeuge vom Gelände zu schaffen. Viele Händler hätten inzwischen Alarmanlagen, teilweise sogar mit direkter Schaltung an das jeweilige Versicherungsunternehmen, ergänzt er. Einen abschreckenden Charakter haben auch Hinweisschilder auf Videoaufzeichnungen, unabhängig davon, ob tatsächlich eine Aufnahme stattfindet oder nicht. Doch Kröhnert weiß auch: „Profis schreckt man mit einer Videoüberwachung nicht ab“.

So etwa die Einbrecher, die mit einem Transporter rückwärts durch die Schaufensterscheibe eines Motorradgeschäfts fuhren. Die Glasfront ging klirrend zu Bruch und die Diebe luden die Motorräder auf die Ladefläche des Transporters. Das war der wohl spektakulärste Fall, an den sich Kolbe in seiner langjährigen Berufspraxis erinnert. Doch auch die anfangs geschilderte Situation stellt keine Seltenheit dar: Es gibt durchaus Einbrüche am Tag und während der Geschäftszeit. Die Experten plädieren dafür, Sicherheitsmaßnahmen zu ergreifen, um Risiken frühzeitig zu reduzieren, denn „die beste Versicherung ist die, die man nicht braucht“.

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