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Motorrad-Allrounder 2015: Die Nackten und die Vielseitigen

| Autor / Redakteur: Ralf Schütze/sp-x / Dipl. sc. Pol. Univ. Stephan Maderner

Man braucht weder überbordende Leistung noch üppige Anbauteile, um auf einem Motorrad Spaß zu haben. Für die neue Saison gibt es unter den sogenannten Naked Bikes jede Menge Auswahl und sogar manches SUV auf Rädern.

Nackte Kanone, ab 2006 für 140.000 Euro erhältlich: die Midual Type 1.
Nackte Kanone, ab 2006 für 140.000 Euro erhältlich: die Midual Type 1.
(Midual)

Seit Jahren auf dem Vormarsch sind zwei Kategorien von Motorrädern, die sich jeweils für verschiedene Einsatzzwecke eignen. „Allrounder“ zum einen sind, wie der Name schon sagt, Tausendsassa und machen auf Asphalt und auf leichtem Schotter, auf kurvigen Landstraßen und auf Langstrecke Spaß. Und sie sind der richtige Begleiter fürs sogenannte „commuting“ – den flotten Weg ins Büro ohne lästige Parkplatzsuche. Das gilt auch für die Naked Bikes, jene von Verkleidungen befreiten Motorräder, die häufig ebenfalls mit hoher Vielseitigkeit glänzen. Höhepunkt unter den Nackten und Vielseitigen 2015: die neue BMW S 1000 XR.

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Die ehemals konservativen und heute sehr innovativen Bayern schlagen wieder zu: S 1000 XR heißt jene BMW, die basierend auf dem 999 cm³-Vierzylindermotor die Kategorie „Adventure Sport“ begründen soll. Allerdings: Eine solche Nische ist bereits von dynamischen Allzweck-Bikes besetzt wie Benelli Tre-K, Ducati Multistrada, Kawasaki Versys oder Triumph Tiger Sport. Dennoch setzt BMWs neuer Sport-Allrounder XR ab Mitte 2015 neue Maßstäbe in Sachen Dynamik und Vielseitigkeit: Zwischen 6.000 und 12.000/min kann der Biker aus einem gewaltigen Power-Plateau von 95 Nm und mehr schöpfen. Maximal liegen 112 Nm Schubkraft an, bei satten 118 kW/160 PS. Elektronische Helferlein bis hin zu BMWs verstellbarem Fahrwerk ESA und bis zu vier Fahrmodi sollen für ungetrübten Fahrspaß sorgen.

Der Italo-Rivale Ducati schickt seine leicht überarbeitete Multistrada 1200 ins Rennen. Die jüngste Version des 118 kW/160 PS starken Allrounders glänzt mit Kurven-ABS und variabler Ventilsteuerung. Die Preise beginnen bei 16.490 Euro. Bei der ebenfalls italienischen Motorrad-Legende MV Agusta weht in jüngster Zeit ein frischer Wind, der eine Neuheit nach der anderen hervorbringt. „Brutale 800 Dragster“ heißt MVs Interpretation eines Café Racers, den die mächtige Optik eines 200er Hinterreifens besonders prägt. Speichenräder verströmen klassisches Flair. Bei 92 kW/125 PS für 13.990 Euro beginnt die Café Racer-Herrlichkeit im Unternehmen des verstorbenen Motorrad-Moguls Claudio Castiglioni, das inzwischen sein Sohn Giovanni lenkt.

Seit 2009 stürmte die F 800 R in ihrer ersten Auflage die Verkaufs-Hitparaden in Deutschland. Sie war damals das letzte BMW-Modell, in dem der schlanke 798 ccm-Parallel-Twin für kultivierten Durchzug sorgt. 2015 geht das Dienstmotorrad von Stunt-Weltmeister Chris Pfeiffer mit Retuschen am Scheinwerfer und vor allem mit mehr Leistung (66 kW/90 PS) und Schubkraft (86 Nm) an den Start. Samt neuer Upside Down-Gabel ist sie für 8.900 Euro nach wie vor ein preislich faires Angebot.

Mit einem interessanten Preis möchte sicherlich auch Kawasaki seine neue Z 300 dem Käufer schmackhaft machen, allerdings stehen genaue Zahlen noch nicht fest. Bekannt ist aber, dass sie mit 29 kW/39 PS, Stahl-Brückenrahmen und ABS eine attraktive, kleine Ausgabe der Z 1000 sein wird, und zwar für Fahranfänger mit A2-Führerschein ebenso wie für alte Hasen mit Bedarf an einem wendigen Naked Bike. In der gleichen Kategorie, nur eine Klasse höher, hat Yamaha für 2015 mit der „Moto Cage“ eine verschärfte Version seines Erfolgsmodells MT-07 parat. Und zwar in knallrot, denn derart erstrahlen an der 55 kW/75 PS starken Yamaha das Vorderrad, Handprotektoren, Sturzpads und ein Stahlrohrkäfig – daher der Name für 7.195 Euro teure Bike.

Bei den Allroundern legen sich 2015 Triumph mit der neuen Tiger 800 XR und Honda mit der VFR 800 X Crossrunner ins Zeug. Vor allem die Honda verrät bereits durchs „X“ in der Modellbezeichnung, dass hier ein Crossover, quasi ein zweirädriges SUV am Werk ist. Die in der Mittelklasse einzigartige V4-Power von nunmehr 78 kW/106 PS geht einher mit längeren Federwegen. Gestiegen ist auch der Preis, und zwar auf 12.490 Euro. Als XC zielt sie auf die Fraktion der Abenteurer und Fernreisenden – zu Preisen ab 11.790 Euro.

Der nackte Wahnsinn auf zwei Rädern kündigt sich 2015 nur an und soll dann ab 2016 in limitierter Auflage von 35 Exemplaren á 140.000 Euro auf den Markt kommen: Die Midual Type 1 mit um 25 Grad geneigtem, längs zur Fahrtrichtung eingebautem Boxermotor. In jeder Hinsicht ist sie ungewöhnlich und jedenfalls splitterfasernackt.

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