Motorrad, Medien, Mammon

Anmerkungen zu aktuellen Branchenthemen

| Autor: Stephan Maderner

Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin.
Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin. (Bild: Vogel Communications Group)

Aus dem Tagebuch des »bike und business«-Chefredakteurs (KW 7/II), Folge 754: Nach dem Aus der beiden Customizing-Blätter „Craftrad“ und „Roadster“ im vergangenen Dezember reißen die Meldungen über in Schwierigkeiten geratene Motorradmagazine und...

...auf Zweiradthemen spezialisierte Medienhäuser auch zu Beginn des neuen Jahres nicht ab: In der vergangenen Woche meldete der Huber-Verlag Insolvenz an – nach der Einstellung von „Roadster“ die nächste Hiobsbotschaft des Mannheimer Verlages. Und in dieser Woche wurde bekannt, dass auch die englischsprachigen Zeitschriften „Motorcycle Consumer News“ (MCN) und „Auto Restorer“ der Lumina Media LLC in Delaware (Michigan, USA) dicht machen musste, da ihnen das Geld ausgegangen ist – nach fünfzig Jahren.

Huber Verlag: Checkpoint der Rocker insolvent

Huber Verlag: Checkpoint der Rocker insolvent

11.02.20 - Der Mannheimer Huber Verlag, der Magazin- und Buchverlag für die Motorrad- und Tattoo-Szene, ist insolvent. Der Geschäftsbetrieb in Redaktionen der Buch- und Zeitschriften sowie im Eventbereich und der Online-Shop laufen uneingeschränkt weiter. lesen

Zurück zum Medienbeben in Deutschland: Der Huber-Verlag beschäftigt rund 50 festangestellte und über 100 freie Mitarbeiter in Redaktion, Grafik, Fotoshooting, Marketing, IT, Anzeigen- und Eventabteilung sowie auf der E-Commerce-Plattform Szeneshop. Der Geschäftsbetrieb in Redaktionen der Buch- und Zeitschriften sowie im Eventbereich und der Online-Shop laufen laut Tobias Wahl, dem vorläufigen Insolvenzverwalter, zunächst uneingeschränkt weiter. Betroffen sind u.a. die „Bikers News“, „Custombike“, „Dream-Machines“, „Ride on“, „Tatoo Erotica“ und „Tätowier-Magazin“. Zudem veranstaltet die Mannheimer Motorrad-Institution die erfolgreiche „Custombike-Show“ in Bad Salzuflen, die zuletzt mehr als 32.000 Besucher anzog, das weltweit größte Event seiner Art!

Wie geht es nun weiter mit dem Mannheimer Verlag? Das Insolvenzgeld sichert bis Ende April die Gehälter. Ziel sei der Verkauf an einen neuen Investor im Rahmen einer übertragenden Sanierung und der Erhalt des Verlags als „Hort für Kreativität und Szenedenken“ sowie möglichst vieler Arbeitsplätze. Zu diesem Zweck wird der vorläufige Insolvenzverwalter in den nächsten Wochen Gespräche mit Gläubigern, Banken und potentiellen Investoren führen.

Bezeichnend waren auch die Gründe des Scheiterns bei „Craftrad“, dem Berliner Start-up-Magazin für die Customizingszene: Deren famous last words lauteten vor gut zwei Monaten: „Time to say goodbye“. Nach einem halben Jahrzehnt und 18 erschienenen Ausgaben sei die Goldgräberstimmung dahin. „Viele der Einzelkämpfer orientieren sich um, die Industrie zieht weiter. Die Sau ist bestimmt nicht endgültig durchs Dorf getrieben. Aber für Craftrad wird die Luft zu dünn, um weiterhin aus vollen Lungen freudig ins Custom-Horn stoßen zu können. Die fehlende wirtschaftliche Perspektive untergräbt die journalistische Laune“, so die Herausgeber Jan Zühlke und Christoph Blumberg.

Nachbeben bei den Mainstream-Medien?

Ist der Niedergang der Motorradblätter (vorwiegend) aus dem Segment Easy Rider, Rocker und Customizing ein Vorbote für ein Nachbeben in der Landschaft der Motorrad-Mainstream-Medien? Fest steht: Die gesamte Zeitschriftenbranche leidet unter Auflagenschwund, bekommt den Rückgang der Erlöse und das generell rückläufige Anzeigengeschäft im Printbereich zu spüren. Jüngerer Motorradnachwuchs, aber auch die etablierten älteren Zielgruppen, lesen zunehmend weniger Gedrucktes. Die Leser (oder soll ich besser sagen „User“) tummeln sich gerne in den sozialen Netzwerken, informieren sich kostenlos bei Bloggern und Influencern auf Facebook, Instagram, Youtube & Co. Ihr Credo: Warum ein Abo abschließen und auch noch Geld dafür ausgeben? Das Netz ist überflutet mit kostenlosem Content. Die Geiz-ist-Geil-Mentalität feiert fröhlich Urständ, trotz aller Beteuerungen und einem gewissen Wunschdenken, dass das Feilschen beim deutschen Michel nicht mehr ganz so groß in Mode sein könnte.

Weniger Einnahmen durch Bezahlabos oder beim Kioskverkauf, Industrie und Dienstleister schalten immer weniger klassische Werbung. Es ist ein Teufelskreis. Die „professionell“ Medienschaffenden der Endverbraucher- und Special-Interest-Magazine versuchen, die schmerzlichen Auflagen- und Abo-Verluste durch digitale Angebote zu kompensieren, doch sprudeln diese Erlösquellen (noch) nicht so stark, damit die Kosten auf der Ausgabenseite aufgefangen werden können.

Change: Digitalisierung, Individualisierung, Klimaschutz und demografischer Wandel

Mein Fazit: Vier Megatrends verändern die Welt – Digitalisierung, Individualisierung, Klimaschutz und der demografische Wandel! Von allen vier Trends gleichermaßen betroffen ist in besonderer Weise das Motorradbusiness (und die von ihm lebenden Medien). Die rasant fortschreitende Digitalisierung setzt den auf Bezahlung aufgebauten Journalismus stark unter Druck.

Der Fachzeitschriftensektor mit seinen B2B-Titeln, zu dem »bike und business« als Teil der Vogel Communications Group in Würzburg gehört, ist noch nicht ganz so stark von diesen Verwerfungen betroffen wie die Endverbrauchermagazine, weil es hier in der Regel um unverzichtbar wichtige beruflich motivierte Fachinformationen geht. Gleichwohl müssen auch wir uns diesen Umbrüchen stellen, und tun das auch.

Vor gut anderthalb Jahren hat unsere Company einschneidende Veränderungsprozesse eingeleitet und stellt sich den Herausforderungen der Zukunft. Bei den insgesamt 100 Fachzeitschriften des Hauses forciert jedes einzelne Medium die vier Säulen Print, Digital, Events und Services und beschreitet neue Wege in der Kommunikation. Der Change ist überall und ganz besonders in den Redaktionen zu spüren. So setzen wir gerade das ambitionierte Projekt „Redaktion 2022“ um. Ich zitiere an dieser Stelle meinen Chef, Chief Product Officer Ingo Mahl: „Das Projekt verfolgt zwei Ziele gleichermaßen: Wir brauchen auf der einen Seite noch mehr Qualität, um unsere Produkte nachhaltig in den jeweiligen Zielgruppen zu verankern. Auf der anderen Seite müssen wir die redaktionelle Arbeit noch effizienter gestalten, um die Wirtschaftlichkeit sicherzustellen.“ Es wird künftig eine zusätzliche zentrale Redaktion geben, in der neben einem Newsdesk auch zuliefernde Themenressorts entstehen. Die einzelnen Medienmarken sollen und werden weiterhin mit ihren Kernredaktionen als Zielgruppen- und Community-Manager Nummer eins in ihren Märkten unterwegs sein und sich gemeinsam mit den Managern Event Business (MEBs) und den Produkt Marketing Managern (PMMs) um die Bedürfnisse ihrer Zielgruppe(n) kümmern.

Der Weg von »bike und business«

Für »bike und business« bedeutet das: Neben dem zielgruppenspezifischen B2B-Magazin mit seiner seit Jahren unverändert hohen Auflage von 10.474 Exemplaren (IVW-geprüft) und vielen nutzwertigen Hintergrundinformationen, Analysen, Studien und Debatten sowie wertstiftenden Best-Practice-Beispielen steht das digitale Business. Wie ein Fels in der Brandung versorgt der zweimal wöchentlich erscheinende Newsletter rund 8.000 Zweiradprofis mit allen relevanten Nachrichten aus der Szene. Belebt wird dieser Newsstream von inspirierend geführten Social-Media-Kanälen. An der Fachmedienmarke »bike und business« kommt der „Digital Native“ auf Facebook, Instagram, Pinterest, Twitter, Xing, LinkedIn und Youtube nicht ungeachtet vorbei. Zudem ist ein neues digitales Angebot in der Entwicklung, das auf den Namen »bike und business«-„Innovation Forum“ hört – ein Plattform, auf der sich die Zweiradszene trifft und sich über aktuelle Branchenprobleme und -herausforderungen konstruktiv austauscht: in einer für alle offenen Rubrik „Motorradfahrer“ und weiteren drei nur mit Registrierung zugänglichen Rubriken „OEM/Hersteller“, „Zubehörindustrie“ sowie „Handel/Handwerk/Werkstatt“. Da kommt eine spannende Zukunftswerkstatt auf Sie zu!

Zudem orchestrieren wir wichtige Inhalte, Tipps und Tricks für eine gedeihliche Zukunft einmal im Jahr auf der Fachtagung »bike und business«. Netzwerk pur und Face-to-Face-Business auf hohem Niveau bieten wir auf unserer Motorradtour. Der Award „Motorradhändler des Jahres“ hebt die teilnehmende Betriebe auf eine moderne, professionelle Ebene. Das gilt auch für den »bike und business«-Benchmark-Club (25 Händler treffen sich übrigens nächste Woche für zwei Tage zum Workshop bei Dieter Börjes in Augustfehn). Mit der Initiative „Bike Woman of the year“ fördern wir schließlich die Powerfrauen der Branche, sorgen dafür, dass wir mehr Frauen auf und ans Motorrad bringen.

Bei dieser (nutz)wertstiftenden journalistischen Arbeit sind wir auf die zahllosen Aktivitäten der Zubehörindustrie und Hersteller angewiesen, die uns finanziell unterstützen, ein solches Angebot für alle Motorradhändler und Werkstätten auf die Beine stellen zu können. Mit ihrer Hilfe öffnen wird den Zugang zu einer lebendigen Community, die von uns moderiert die richtigen Weichenstellungen für die Zukunft an die Hand bekommt. Mit diesem Anspruch feiert »bike und business« im August 2020 den 25. Geburtstag. Bleiben Sie uns gewogen, nutzen Sie unser Medium für Ihren beruflichen Erfolg und bleiben Sie auf Sendung – gleich ob als Leser Print, als User Digital, als Teilnehmer eines unserer Events oder als Nutznießer einer unseren zahlreichen Services (Datenbanken, Agenturleistungen, Stellenmarkt, Whitepapers, Firmenprofile, Videos, Social-Media-Kommunikation, E-Paper, Webinare).

PS. Wenn Ihnen noch was einfällt, welches Angebot oder Produkt Sie noch gerne von uns haben möchten, um Ihren Informationshunger auf wirtschaftlichen Erfolg zu stillen – dann schicken Sie mir doch gerne Ihre Wunschliste!

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