Motorradhändlers Macht und Ohnmacht im Online-Business

Anmerkungen zu aktuellen Branchenthemen

| Autor: Stephan Maderner

Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin.
Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin. (Bild: Vogel Business Media)

Aus dem Tagebuch des »bike und business«-Chefredakteurs (KW 11/2017/I), Folge 487: Die Frage, ob der dominierende Online-Marktplatz Mobile.de die Konditionen seines neuen Service- und Preismodells zwischen Autohaus und Motorradhandelsbetrieb...

...differenzieren sollte, ja müsste, hat die Kommentarspalten im Netz überquellen lassen. Wir hatten im letzten Newsletter das »kfz-betrieb«-Interview mit Daniel Breves, Commercial Director von Mobile.de, zum Thema auch bei uns veröffentlicht. „Wir nutzen unsere Marktposition nicht aus“, lautete eine von Breves' zentralen Thesen. Was einige Motorradhändler dazu sagen, veröffentlichen wir hier:

Nutzen wir alle Möglichkeiten?

Alex meint: „Mobile.de ist für den durchschnittlichen Motorradhandel einfach zu teuer; der Systemaufbau bei Mobile.de ist gut, aber brauchen wir das? Nutzen wir hier alle Möglichkeiten? Haben wir dazu überhaupt Zeit in der Saison? Einige wenige schon – die meisten anderen eher nicht.“

Motorradhändler nicht mit großen Autohäusern vergleichbar

AW schreibt: „Da wird alles schön geredet! Da werden Fragebögen verschickt mit vorgegebenen positiven Antworten. Dann heißt es: ,Die Händler wollten das so'. Bemängelt man am Telefon bei der Servicehotline etwas, wird das Problem ,verstanden', aber insgeheim sich ins Fäustchen gelacht. Frei nach dem Motto: ,Schön weiterbezahlen!' Für die großen Autohäuser fällt die Preiserhöhung vielleicht nicht ins Gewicht, aber wir kleinen Motorradhändler bezahlen mittlerweile im ,Billigpaket' so viel, dass man sich eine ganze Wohnung mieten könnte. Im Billigpaket kann man nicht mal mehr Preisschilder ausdrucken, die an Motorräder passen! Jahrelang wurde man genötigt, Auto-Act zu verwenden, dann wird es abgeschaltet. Man kann einen Motorradhändler nicht mit einem großen Autohaus über einen Kamm scheren...“

Mehr auf Fahrzeugexperten hören

Werner: „Hmmh, eventuell hätte man bei Mobile mal besser an vernünftigen Suchkriterien gearbeitet. Nach wie vor sind die Suchoptionen mangelhaft! Suchen Sie doch mal nach einem 1-, 2-, 3-, 4- oder 6-Sechszylinder Auto/Motorrad oder nach einem bestimmten Arbeitsprinzip eines Motors, oder grenzen Sie doch mal Ihre Fahrzeugsuche anhand der Motorleistung ein. Mobile sollte mehr auf Fahrzeugexperten als auf Marketing- und Verkaufsprofis setzen.“

Weitere Händlerzitate über Mobile.de

- „Die sitzen in einem Elfenbein-Turm...“

- „Wir sind die kleinen Motorradhändler und müssen löhnen, ein Pkw-Händler hat mehr Marge als wir...“

- „Preiserhöhung bei weniger Service, Händler haben fast eine Verdopplung der Kosten.“

- „Weil 10 von 9 Motorradanfragen von Mobile kommen, haben die uns im Schwitzkasten.“

- „Wir machen alles, um von Mobile zukünftig wegzukommen. Es geht aber noch nicht ohne die.“

- „Motomarkt, Autoscout, 1000PS etc. bringen leider nur weniger als 10 Prozent an Anfragen für unsere Bikes.“

- „100 bis 200 Euro kostet mich ein Motorrad über die Winter-Saison auf Mobile, ohne dass es abverkauft wird. Wenn ich an meine Langsteher denke, wird mir schwindelig.“

- „Mobile will uns als kleine Motorradhändler nicht, anders ist die Preiserhöhung und die Preisstruktur nicht zu verstehen.“

- „Ich bin seit letztem Jahr von Mobile weg und nur noch bei anderen Portalen, die mir auf Augenhöhe begegnen...“

Marktposition ausgenutzt!?

Otto: „Natürlich nutzt Mobile.de seine Position aus. Diese Preise sind für das ,was sie bringen', überhöht. Man bedenke: Hardware wird immer billiger, Netztraffic ebenso, das bisschen Fernsehwerbung ist eh' auf Pkw reduziert. Alles nur Marketinggeblubber. Es rechnet sich einfach nicht mehr, als kleiner Händler mit zwei bis drei Motorrädern darüber zu verkaufen. Eigentlich sollte so ein Service immer billiger werden, je mehr Teilnehmer da sind und je preiswerter Hardware und Traffic werden, stattdessen wird immer wieder direkt oder versteckt erhöht.“

Zu bequem zum Wechseln?

MH merkt an: „Die Kollegen, die solche Verträge von Mobile unterschreiben, sind wahrscheinlich zu bequem zum Wechsel oder etwas anderes zu probieren. Wir haben uns schon lange von diesem Unternehmen gelöst und verkaufen nicht weniger! Um etwas zu verändern, muss man reagieren.“ Alex ergänzt: „Mit Bidabike und Pkwnow gibt es doch Alternativen...“

Soweit der O-Ton der Motorradhändler.

Fazit: Mobile.de hat zweifellos eine führende Marktposition inne, relevante Reichweiten-Daten belegen das. Aber Marktrelevanz fällt auch und gerade im digitalen Business nicht so einfach vom Himmel. Diesen Wert hat sich der Online-Marktplatz in den vergangenen Jahren hart und ehrlich erarbeitet. Und solche „Wertschöpfungen“ sind oftmals die Folge von erheblichen und nachhaltigen Investitionen in das Produkt und die Technologien, die am Ende auch der Händlerschaft zugute kommen. In einer freien Marktwirtschaft ist es für Unternehmen systemimmanente und legitime Praxis, seinen eigenen Marktwert in entsprechende Preise zu übersetzen – und durchzusetzen. Wird es dem im Vergleich zu großen Autohäusern in der Regel kleineren Motorradhändler betriebswirtschaftlich zu unrentabel, weil das Dienstleistungsangebot des Platzhirschen zu teuer ist, kann er jederzeit zu einem anderen Anbieter wechseln und dort sein Glück versuchen. Tun das viele gleichzeitig, greift das Wettbewerbsprinzip und die Zeit der Nischenwettbewerber ist gekommen.

UMFRAGE
Elektro-Tretroller, Monowheeler & Co. - die in vielen Ländern weltweit boomende Elektrokleinstmobilität wird in Zukunft auch in Deutschland …
Foto: BMW Motorrad

…stark wachsen

29 %

…wachsen

37 %

…stagnieren

16 %

…zurückgehen

7 %

…vom Markt verschwinden

11 %

Spamschutz:

Bitte geben Sie das Ergebnis der Rechenaufgabe (Addition) ein:

Schlagen Sie uns Ihren Lieblings-Motorradhändler vor

Hinweis in eigener Sache: Beim Award „Motorradhändler des Jahres“ gibt es seit kurzem ein nigelnagelneues Tool: auf der Landingpage können Sie uns ab sofort Händler vorschlagen, die aus Ihrer Sicht für die Nominierung für diesen Wettbewerb prädestiniert sind. Schlagen Sie einen Motorradhändler oder eine Freie Werkstatt mit schlüssiger Verkaufs- und Servicestrategie vor! Namen einreichen können alle Interessierte, Kunden, Kollegen, Industrievertreter sowie alle anderen Branchenkenner. Beachten Sie: Eine ausführliche Begründung der Vorschläge durch den Einreichenden ist unerlässlich! Die Jury berät dann darüber, ob die Betriebe den Anforderungen entsprechen, und entscheidet, ob diese für eine Nominierung in Betracht kommen.

Derweil läuft unser Online-Quick-Check weiter. Zwei Dutzend Betriebe haben sich bisher bis zum Ende durchgearbeitet und uns dann noch ihre Kontaktdaten genannt. Bravo! Denn nur, wenn wir wissen, wer sich bewirbt, können wir die einzelnen Unternehmen auch vorab bewerten und Feedback geben. Das Gros der Digitalbewerber vergisst leider allerdings – bewusst oder versehentlich – uns am Ende Ross und Reiter zu nennen.

Der Countdown läuft: noch 17 Tage bis zum ersten Einsendeschluss (31. März). Nutzen Sie jetzt schnell noch die auslaufende Vorsaison, bevor die Kunden in ihre Werkstatt einfallen, und machen Sie den Test, der nur wenige Minuten Ihrer Zeit in Anspruch nimmt. Es lohnt sich, sich bei uns auf den Prüfstand zu stellen. Also auf zum Online-Check. Und nicht vergessen: Nennen Sie uns bitte am Schluss der Abfrage Ihren Namen und Adresse!

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