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Motorradhandel: Es ist höchste Webzeit

| Autor / Redakteur: Julian Genheimer / Dipl. sc. Pol. Univ. Stephan Maderner

Für Smartphones und Tablets verkaufsoptimierte Websites, Drive und Kundennähe – das empfiehlt Kommunikationsexperte Olaf Dicker von der Agentur 5W-50 zeigt auf der Fachtagung »bike und business« Motorradhändlern auf ihrem Weg in die digitale Zukunft.

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Olaf Dicker, Agentur 5W-50, sensibilisiert die Motorradhändler in Sachen Digitalisierung.
Olaf Dicker, Agentur 5W-50, sensibilisiert die Motorradhändler in Sachen Digitalisierung.
(Bild: Johannes Untch/Vogel Communications Group)

Mit selbstbewussten Schritten betritt der groß gewachsene, schlanke Mann die Bühne. Er hat kurze, grauschwarze Haare, Dreitagebart und trägt eine markante Brille. Er will keine Zeit verlieren, richtet sein Mikrofon und begrüßt mit starker Stimme sein Publikum. Im weißen Arztkittel, der fast bis zum Boden reicht, und seinen weißen Turnschuhen wirkt er in mitten der Motorradhändler ein bisschen wie ein Außerirdischer. Die Menschen in der vollbesetzten Halle schauen gespannt und mit weit aufgerissenen Augen zu dem „Alien“ auf die Bühne. Viele kennen ihn noch aus dem letzten Jahr als Online Doc. Olaf Dicker von der Berliner Agentur 5W-50 spricht sofort mit leichtem Berliner Akzent die aus seiner Sicht zum großen Teil katastrophalen Websites der Motorradhändler an. „Ich hoffe es bleibt diesmal etwas mehr hängen“, sagt er und muss dabei selbst schmunzeln. Bisher habe noch kein Umdenken stattgefunden.

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Tipps vom Online-Doc

Schon kleine Veränderungen im Aufbau der Website führen zu positiven Ergebnissen. Es geht darum die Kunden auf der Internetseite nicht abzuschrecken, sondern auf ihre Bedürfnisse einzugehen. Zu viele unwichtige Informationen überfordern die Interessenten. Deshalb solle laut Dicker auf der Website eines Motorradhändlers das Fahrzeug im Mittelpunkt stehen. „Ziel ist es, schnellstens zu den verfügbaren Fahrzeugen zu kommen“, erklärt er. Es gehe schließlich darum, Motorräder zu verkaufen. Kunden, die erst aufwendig nach dem gewünschten Motorrad suchen müssen, verlassen die Website. Sie nutzen einfach eines der zahlreichen anderen Angebote im Internet.

Fahrzeugsuche in den Fokus rücken

Ein Musterbeispiel für eine schlechte Website hat der engagiert vortragende Diplomkommunikationswirt mitgebracht. Den vereinheitlichten BMW-Motorradhändlerauftritt, den die Partnern anwenden müssen, wollen sie nicht wichtige Bonuspunkte des Herstellers für die Erreichung der jährlichen Prämien verlieren. „Die Fahrzeugsuche ist nicht im Fokus“, bemerkt Dicker sofort und schüttelt den Kopf. Er vergleicht den richtigen Aufbau der Website mit einem gelungenen Date. Da solle man auch „nicht sofort die Hosen runterlassen“, sondern gezielt Informationen aussenden und einholen, um Vertrauen und eine Beziehung aufzubauen.

Mobile First

Ein weiterer Erfolgsgarant ist die Anpassung der Website für Aufrufe mit dem Smartphone. „Mobile First“ ist für Dicker eine wichtiger Strategie. „Die Website muss verdammt gut auf dem Smartphone funktionieren, da inzwischen 60 bis 70 Prozent der Websuchen - Tendenz steigend -mobil erfolgen und nicht mehr über den PC.“ Um das gewährleisten zu können, gibt Dicker den Händlern wichtige Tipps an die Hand. Vertrauensbildende Elemente wie Gütesiegel auf dem „First Screen“, seien branchenübergreifend von enormer Bedeutung. Eine einfache Orientierung und gute Navigation auf der Website können unter dem Begriff Usability zusammengefasst werden. Diese ist genau wie Design und Optik der Website für Kunden relevant. Der Kunde soll nicht mit offenen Fragen zurückgelassen werden. Vielmehr müssen sie ihm auf der Website beantwortet werden.

Ob die eigene Website auf dem Smartphone tatsächlich den Kundenanforderungen entspricht könne man einfach herausfinden, erklärt Dickert, der sich in seinem strahlend weißen Outfit auf der Bühne ständig hin und her bewegt. Wieder spricht er die Motorradhändler im Publikum direkt an. Man kann spüren, wie gerne er sie wachrütteln würde. Nicht umsonst heißt der Titel seines Vortrags auch "Der mobile Weckruf". Viele von ihnen sind überzeugt von ihrer Website, schließlich sind sie jeden Tag mit ihr in Kontakt und kennen sie wie ihre Westentasche. „Geben Sie einfach mal das Gerät in andere Hände und lassen Sie diese Personen gezielt nach etwas suchen“, schlägt er vor. Das Ergebnis könne für viele überraschend sein.

Wettbewerbsvorteil: Schnelle Ladezeiten

Wenig überraschend ist es, dass die Website bestimmte technische Anforderungen erfüllen muss um den Besucher nicht zu verlieren. Mit einer 3G-Internetverbindung spricht Dicker bei drei bis vier Sekunden von einer guten Ladegeschwindigkeit der Website. Hier sind der US-Konzern „Amazon“ und der deutsche Online-Versandhändler für Mode „Zalando“ Vorreiter. Inzwischen sei auch das Internet in Indien deutlich besser ausgebaut als in Deutschland; und da müsse man eben auch bei schlechter Netzabdeckung alles gut erreichen können. Er meint, dass ein einfacher Test der Ladezeit im Internet durchaus Sinn mache. Eine weitere technische Möglichkeit, den Nutzern bei der Orientierung und Suchanfragen zu helfen, ist der Call-to-Action-Button. Dicker erklärt wie wichtig es sei, den Button auch entsprechend seiner Wichtigkeit hervorzuheben. „Der muss richtig schreien“, sagt er und hält deshalb eine farbige Betonung für sinnvoll. Nach dem Drücken des Buttons muss man schnell auf eine aktualisierte Seite gelangen. Die Vorgaben des Kunden werden schließlich sofort bearbeitet und führen zu den Ergebnissen der Suche. Rund 70 Prozent der Anfragen bei den Motorradhändlern gehen telefonisch ein. Deshalb müsse sich die Telefonnummer des Händlers gleich oben im Blickfeld des Nutzers befinden. Diesem soll es schließlich so einfach wie möglich gemacht werden.

Mut zum Call-to-action-Button

In der Realität sieht es anders aus. Die Suchanfragen seien oftmals viel zu konfus gestaltet. Dicker geht jetzt auf weitere Beispiele ein. Bei einem bemängelt er den „viel zu klein gehaltenen“ Call-to-Action Button, bei einem anderen gleich fünf Call-to-Action-Buttons auf einer Seite. Wieder versucht er zu erläutern, dass der Kunde an die Hand genommen werden wolle und dies Pflicht und Chance der Motorradhändler sei. Er redet jetzt ein bisschen schneller, seine Stimme wirkt noch eindringlicher. Der Berliner Akzent ist nun deutlich zu hören. Er fragt den Motorradhändler aus seinem BMW-Beispiel wie viele Anfragen denn bisher über die Website eingegangen seien. Die Antwort ist 0. „Null ist ja immerhin nicht minus.“ Dicker scheint zu resignieren. Kurz bleibt er stehen. Dann sammelt er sich wieder und fährt unaufhaltsam fort. Es scheint, als habe er die Hoffnung, dass dieses Mal etwas hängen bleiben könnte in den Köpfen der Motorradhändler, nicht aufgegeben.

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