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Motorradreifenspezifikation: Lebensferner Bürokratiekrieg oder sinnvolle Neuregelung?

Aus dem Tagebuch des »bike und business«-Chefredakteurs (KW 8/I), Folge 755: Wenn Sie diesen Speedlog lesen sitze ich gerade im Zug nach Augustfehn. Der »bike und business«-Benchmark-Club trifft sich heute und morgen zum Workshop bei Dieter Börjes (CSB Software, Börjes American Bikes und Böres Biker Outfit). Deshalb schmücke ich mich heute ausnahmsweise mal mit fremden Federn, und zwar denjenigen...

Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin.
Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin.
(Bild: Vogel Communications Group )

...meines Stellvertreters Jan Rosenow. Es geht um unseren Bericht über die „Neuen Vorschriften für abweichende Reifen“ vom 9. Februar 2020, der in der Branche ein lebhaftes Echo ausgelöst hat.

Ich habe meinen Reifenprofi gebeten, diese neuen Bestimmungen aus redaktioneller Sicht zu kommentieren. Hier sein Statement: „Wer schimpft nicht gern auf die EU und ihre komplizierten und oft lebensfernen Regulierungen? Aber es gibt auch Fälle, in denen bringen EU-Richtlinien eine Erleichterung im Vergleich zur deutschen Gesetzeslage. So etwa bei den Reifeneintragungen: Die bisherige deutsche Sonderregelung, nach der nur vom Hersteller oder vom Reifenlieferanten freigegebene Reifen auf ein Motorrad montiert werden durften, ist seit Anfang des Jahres (für neu produzierte Reifen) Geschichte. Nun darf der Nutzer jeden Reifen fahren, der den in den Fahrzeugpapieren angegebenen Spezifikationen und Dimensionen entspricht. Ein Einfallstor für ungeprüfte Billigware aus dem fernen Ausland, fürchtet die Reifenindustrie und ermuntert Einzelhändler und Kunden, weiter nur Produkte nur verwenden, die für das jeweilige Fahrzeug geprüft wurden.

An einer andere Stelle verkompliziert die neue Rechtslage hingegen das Reifengeschäft: Freigaben für Reifen, die in Dimension oder Bauart von der Originalbereifung abweichen, müssen zukünftig von einer Prüforganisation getestet und eingetragen werden. Die Freigabe des Reifenherstellers reicht nicht mehr aus. Ich will die wackeren Prüfingenieure auf keinen Fall unter Generalverdacht stellen, aber: Wie viele Kollegen in den Prüfstellen sind qualifiziert, Abnahmefahrten mit umbereiften Motorrädern zu unternehmen? Wie soll die Hochgeschwindigkeitsstabilität auf einer kurzen Runde um die Prüfstelle getestet werden? Ich befürchte, dass in Zukunft solche Aufgaben nur in wenigen Niederlassungen durchgeführt werden, was die Anfahrstrecke und den Aufwand für die Motorradhändler noch einmal erhöht. Und das ist ja nicht alles: Anschließend ist noch die Eintragung in die Fahrzeugpapiere notwendig. Die Berliner Biker tun mir jetzt schon leid, die müssen dann noch sechs Wochen auf einen Termin warten. In solchen Fällen stimmt das alte Klischee leider: EU-Regelungen sind oft kompliziert und lebensfern.“

Soweit der Kommentar von Kollege Rosenow. Wie ist Ihre Meinung dazu? Die Redaktion freut sich wie immer auf Ihr konstruktives Feedback.

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