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Motorradschäden, garantiert unverkleidet

| Autor / Redakteur: Louisa Krüger / Dipl. sc. Pol. Univ. Stephan Maderner

Jeden trifft es über kurz oder lang: das Motorrad quietscht, knattert oder zischt und muss in die Werkstatt. Trotz hochwertiger Verarbeitung steigen die Kosten für Reparaturen unverkleidet an. Welche Baugruppen am häufigsten betroffen sind zeigt Thomas Geyer von der CarGarantie Bike.

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Starker Auftritt von Team CarGarantie Bike in Würzburg mit (v.re.) Thomas Geyer, Hans-Jörg Becker, Zdenko Zunic und Mustafa Karacan.
Starker Auftritt von Team CarGarantie Bike in Würzburg mit (v.re.) Thomas Geyer, Hans-Jörg Becker, Zdenko Zunic und Mustafa Karacan.
(Bild: CarGarantie Bike)

Das Display leuchtet auf. Der Fahrer, nennen wir ihn Mario, entscheidet sich für den „Rain“-Modus und berührt den Bildschirm mit der grünen Leuchtschrift. Die schweren Regentropfen gleiten vom Visier und kalte Luft schneidet scharf an der anthrazitgrauen Maschine entlang. Mario hat seine wetterfeste Kombi angezogen und doch gelangt der nasskalte Wind durch den freien Spalt zwischen dem Helm und dem steifen Kragen. Mario zieht die Schultern hoch und verkrampft seinen Körper, ist mit den Gedanken nicht auf der Straße – fatal. Noch ehe er selbst daran hätte denken können, schalten sich nun die automatischen Heizgriffe ein. Mario entspannt sich, als er die Wärme in seinen Fingerspitzen spürt.

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Die Fahrfreude bei schlechtem Wetter zu genießen ist nicht einfach. Doch auch bei Regen kann Motorradfahren Spaß machen, wenn Fahrer und Motorrad gut ausgerüstet sind. Innovative Technologien sorgen nicht nur für Komfort, sondern auch für mehr Sicherheit. Eine Sitzheizung und beheizte Griffe in neuen Maschinen vermeiden somit das Auskühlen der Gliedmaßen und eine verzögerte Reaktionszeit des Fahrers.

Dass Mario zwischen diversen Fahrprogrammen wählen kann, ist Resultat komplexer technischer Vorgänge in seiner Maschine. Bei schlechtem Wetter kann der Motor entsprechend via Touchscreen gedrosselt werden. Das Motorrad geht sanfter ans Gas. Im Ernstfall greift das ABS ein. Seit seinem 35. Geburtstag sparte Mario auf eine neue Maschine. Jetzt ist er 46 und froh darüber, bei einem Unfall per Knopfdruck den Notruf kontaktieren zu können. Sensoren und der GPS-Peiler sind unter der Verkleidung versteckt.

Doch was bedeutet das im Falle eines Schadens für den Besitzer? Thomas Geyer vom Garantiespezialisten CarGarantie weiß, dass eine komplexere Technik im Schadensfall auch höhere Kosten bedeuten kann. Auf der Fachtagung »bike und business« am 29. November präsentierte er eine herstellerübergreifende Auswertung der ihm vorliegenden Daten von Neu- und Gebrauchtmotorradgarantien.

Beispielhaft erklärt Geyer den Trend zur technischen Komplexität anhand zweier Bilder. Auf dem ersten sieht man eine dunkelrote Honda Goldwing wie man sie in den 1970er Jahren baute. Schäden hatte man hier relativ unkompliziert getrennt voneinander aufnehmen und reparieren können. Die Baugruppen sind schnell benannt: Motor, Elektrik, Vergaser, Getriebe und Bremsen. Das zweite Bild zeigt ein modernes Sportmotorrad. Über die Grundausstattung hinaus sind hier weitere mögliche Schadenquellen möglich: ABS-Steuergerät, Instrumentenkombi oder Sensorbox, um nur einige zu nennen.

Tacho defekt, Touchscreen defekt – der Unterschied?

„Einen defekten Tacho mit analoger Anzeige auszutauschen kostet mich 100 bis 150 Euro“, erklärt Geyer, „bei einem Touchbildschirm mit elektronischer Verbindung zum Motor bezahle ich hingegen bis zu 2.000 Euro.“ Die häufigsten Schäden (30,8 Prozent) im Gebrauchtmotorradsegment treten laut CarGarantie an der elektrischen Anlage auf. Mit weniger als 14 Prozent liegen Schäden am Motor auf Platz zwei. Getriebeschäden treten in zehn Prozent der Fälle auf. Defekte an der Kraftstoffanlage, den Bremsen oder am Fahrwerk folgen.

Ein enges Kopf-an-Kopf-Rennen bieten sich Motor und Elektronik in Hinblick auf die entstandenen Kosten. Motorschäden haben einen Anteil von 23,5 Prozent an der gesamten Menge der Schadenregulierungssumme. Mit 23,4 Prozent sind Reparaturen an der Elektrischen Anlage beinahe so kostenintensiv wie Motorschäden. „Es wird nicht mehr lange dauern, bis die Elektronik die Motorschäden vom Thron stößt“, sagt der Distriktleiter für Motorradbelange voraus.

Neben der zunehmenden Begeisterung für modernste Technologien, wie Mario sie nutzt, hat diese Entwicklung auch umweltpolitische Gründe. Wie auch im Automobilsegment wird sich der Motorradmarkt auf eine Umorientierung der Kunden auf Elektro-Fahrzeuge einstellen müssen. „Trotz der Treue für klassische Modelle, sollte man ein mögliches Ende des Verbrennungsmotors nicht verleugnen“, betont Geyer.

Auch bei Neumotorrädern mit einem Alter von zwei bis vier Jahren weisen Schäden an der Elektronik die größte Häufigkeit vor (26,1 Prozent). Anders als bei den gebrauchten Maschinen rücken Karosserieschäden noch vor die Kraftstoffanlage. Vom Anbieter BikeGarantie werden hier nicht etwa Lackschäden abgedeckt, sondern beispielsweise verzogene Rahmen und grobe Schäden an der Verkleidung.

Motor, elektrische Anlage und Getriebe sind anfällig

Die entstandenen Kosten bei Neumotorrädern untergliedern sich laut Angaben des Garantiedienstleisters auch vor allem in Motor, elektrische Anlage und Getriebe. Fahrwerksschäden sind bei Neufahrzeugen am viertteuersten, bei Gebrauchten liegen sie auf Platz sechs. Auch Lenkung und Kühlsystem haben bei neuen Maschinen höhere Anteile an der Gesamtregulierungssumme als bei den gebrauchten.

„Für mich bestätigt sich jetzt, was ich vorab vermutet habe“, verrät Zuhörer Uwe Maciejonczyk von Royal Enfield Nauheim. „Die Motorradbranche hält sich mit Zahlen zu den Auswirkungen der Verschiebung hin zur Elektronik eher bedeckt, umso wichtiger ist die Offenlegung von Kenngrößen aus der Praxis für den Händler.“

Transparenz zeigt BikeGarantie auch hinsichtlich Fahrleistung und Dauer bis zum Auftreten der Schäden. Bei Gebrauchtmotorrädern treten bei fast 72 Prozent die Schäden bis 5000 Kilometer Fahrleistung auf. Bis 10.000 Kilometer sind es noch knapp 20 Prozent, bis 25.000 Kilometer treten Schäden noch bei 0,5 Prozent der Gebrauchtmotorrädern auf. Anders als viele denken, schont man das Zweirad nicht, wenn es nur stillsteht. „Wer seine Harley Davidsson in 15 Jahren nicht einmal 3000 Kilometer gefahren ist, der riskiert vor allem Standschäden“, warnt Geyer. Die BikeGarantie versichert Maschinen bis 80.000 Kilometern auf dem Tacho.

Eine Garantieversicherung hilft

Durch die Garantie, die Mario über den Händler auf seine Maschine hat, ist er im Falle eines Schadens gut versichert. Diese Sicherheit ist nicht nur für den Kunden wichtig, sondern auch für den Händler. Wer seine Kunden transparent über mögliche Schäden informiert und sie mit entsprechenden Programmen unterstützt, kann eine nachhaltige Bindung zum Kunden schaffen.

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