Motorradwelt Bodensee 2020: Die lebende Werkstatt

Ein Schätzchen namens „Die kleine Angeberin“

| Autor: Stephan Maderner

Die Meisterschüler der Gewerbeschule Breisach schrauben live auf der Messe in Friedrichshafen an einem Bike namens „La Petite Poseuse“ (Kleine Angeberin).
Die Meisterschüler der Gewerbeschule Breisach schrauben live auf der Messe in Friedrichshafen an einem Bike namens „La Petite Poseuse“ (Kleine Angeberin). (Bild: Messe Friedrichshafen)

Ein Motorrad wird vor den Augen der Messebesucher zum Traumbike: Zweirad-Meisterschüler, Airbrusher und Sattler werben in der „Lebenden Werkstatt“ für ihre Berufe – Premiere auf der Motorradwelt Bodensee 2020 in Friedrichshafen.

„Die kleine Angeberin“ ist der Star unter zupackenden Männern: „La Petite Poseuse“ haben sie ihr Bike liebevoll genannt, das sie vor den Augen der Messebesucher in ein Traumgefährt verwandeln werden. Wie werden sie ihr Schätzchen tunen? Wie den Tank verzieren und den Sattel stylen? In Halle B5 zeigen Meisterschüler der Gewerbeschule Breisach, ein Kfz-Sattler und ein Airbrusher, wie viel Können und Kreativität in ihrem Handwerk steckt. Dabei macht es nicht nur Spaß, den Profis bei der Arbeit zuzuschauen: Sie beantworten auch gerne alle Fragen rund um ihre Berufe und wie man sie erlernen kann.

Das Projekt „Lebende Werkstatt“ feiert Premiere auf der Messe Motorradwelt Bodensee in Friedrichshafen.

Den Kern bilden sieben angehende Meister der Zweirad-Mechatronik. „Die Anfrage kam von der Messe und wir waren sofort dabei“, sagt Rüdiger Kattelmann: „Wir sind ja schon auch ein paar Motorrad-verrückte Lehrer hier an der Gewerbeschule Breisach.“ Das Ausbildungszetrum für Zweirad-Mechatronik in Baden-Württemberg liegt an der Grenze zu Frankreich, daher auch der Name des Objekts der Begierde: „La Petite Poseuse wird eine kleine Angeberin“, verspricht Rüdiger Kattelmann: „Mehr verraten wir aber nicht.“ Nur so viel: „Das wird ein Bike-Build-Off, wie man es aus der Szene und aus dem Fernsehen kennt. Aber wir wollen das Fahrverhalten beibehalten und nicht verschlechtern, alles natürlich StVZO-konform und zugelassen.“ Selbstverständlich werde auch die Technik des Motorrades geprüft und gewartet, betont sein Kollege Andreas Kienzle: „Schließlich wird hier an einem gebrauchten Motorrad gearbeitet. Der Kunde soll ja auch sicher mit dem Bike fahren und Spaß haben können“, so der Werkstattmeister, der mit Rüdiger Kattelmann die „Lebende Werkstatt“ organisiert und betreut.

Customizing ist die Kür

Das Customizing sei für die angehenden Meister „die Kür, da trennt sich im Handwerk die Spreu vom Weizen“, sagt Kattelmann: „Mit Sachverstand, handwerklichem Geschick und dem richtigen Gespür für das Machbare.“ Die Teile dazu werden selbst angefertigt oder kombiniert: „Aus dem Katalog kaufen kann ja jeder.“ Rüdiger Kattelmann spricht aus leidenschaftlicher Erfahrung: Seine eigenen BMW, Honda und Suzuki seien „selbstverständlich customized“. Der Kollege Andreas Kienzle halte es mit seinen Suzukis und Harleys ebenso.

Der perfekte Motorradsitz

Für den stilvollen Sitz sorgt Mark Lorch, Motorradsattler und Fahrzeug-Innenausstatter aus Filderstadt-Plattenhart. Die Sitzbank für die „Petite Poseuse“ hat er schon vorbereitet; auf der Messe wird sie komplettiert und angepasst, sobald er weiß, wie Lackierung und Umbau aussehen. Mark Lorch bringt eine Spezial-Nähmaschine mit auf die Messe und zeigt, wie das gemacht wird. Und natürlich ein paar seiner Meisterstücke aus seiner Custom-Palette an Materialien, Farben und Motiven. „Customized ist bei ihm aber nicht nur die Optik: Der perfekte Motorradsitz beginnt beim Aufbau und dem Sitzkomfort: „Was nützt das schönste Bike, wenn der Sitz nicht bequem ist.“ So lässt er seine Kunden mehrfach probesitzen, bis die Polsterung individuell angepasst ist, erst dann kommt der Bezug. „Mir hat das von Anfang an Spaß gemacht, für mich ist das der schönste aller Berufe, seit ich 18 war“, schwärmt der 50-jährige Filderstädter. „Man hat mit Leder oder Kunstleder zu tun, da bin ich in meinem Element.“ Erlernen kann man den Beruf im Meisterbetrieb und in der Ausbildungsschule für Sattler in Stuttgart.

Airbrush-Design von Spencer‘s

Für das Airbrush-Design ist Wolfgang Hengge zuständig. Der Chef von „Spencer’s Design“ in Baienfurt bei Ravensburg wird die „Poseuse“ noch durch sein Design verfeinern. Mit welchem Motiv? Das will er noch nicht verraten. Seine Palette an Motiven ist riesengroß, reicht von Schriften und „Pin Stripes“ bis zu fotorealistischen Portraits, Tierbildern und ganzen Landschaften. „Jeder Kunde ist individuell und hat ein eigenes Motiv, das ihn betrifft“, erzählt Wolfgang Hengge. Daraus macht er dann nicht nur ein Bild, sondern ganze Geschichten. Zum Captain Morgan-Rum auf dem Tank noch ein Segelschiff und eine Kanone, zum Wolf noch eine ganze Berglandschaft. Totenköpfe und Indianer seien immer wieder angesagt, Whisky- und Biermarken, Adlerköpfe, Pin-Ups, Hot Rod-Flammen und sämtliche Fantasy-Motive. „Die Damen unter der Biker-Kundschaft mögen gerne Engel und Teufelinnen, Wasserfälle und Delfine“, erzählt Hengge. Alte Werbemotive sind seine Spezialität, Computer-Design sucht man hier vergebens: Bei Spencer‘s ist alles Handarbeit. „Der Kunde bringt die Vorlage ich skizziere sie mit Bleistift auf und dann wird freihand gesprüht“, sagt Wolfgang Hengge. Das Talent fürs Zeichnen und Gestalten habe er schon seit seiner Jugend, dann hat der Maler- und Lackierermeister lange in der Werbetechnik gearbeitet und ist schließlich „zur Pistole gekommen“, wie er sagt. Der Meister fährt selber eine schwere 1900er Yamaha, selbstverständlich customized und mit Bison-Motiven auf dem Tank.

Beliebter Ausbildungsberuf

Lust darauf, Bike-Profi zu werden? Die „Lebende Werkstatt“ wirbt für Berufe, die offenbar bei der Jugend ausgesprochen beliebt sind. Die Ausbildungsstatistik spricht für sich: Laut Nina Schaible von der Handwerkskammer Ulm sind von der Alb bis zum Bodensee 85 Zweiradmechaniker als Meister und Gesellen aktiv, dazu kommen 31 Auszubildende (4 davon im Bodenseekreis). Das entspricht einer sehr hohen Ausbildungsquote von 36,5 Prozent, Tendenz leicht steigend.

Öffnungszeiten und Preise

Die 26. Auflage der Motorradwelt Bodensee findet von Freitag, 24. bis Sonntag, 26. Januar 2020 statt. Das Messegelände in Friedrichshafen ist am Freitag von 11 bis 19 Uhr, Samstag von 10 bis 18 Uhr und Sonntag von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Die Tageskarte kostet 15 Euro, ermäßigt 11 Euro. Jugendliche zwischen sechs und 17 Jahren zahlen acht Euro, die Familienkarte gibt es für 32 Euro. Das „Feierabend-Special“ am Messe-Freitag bietet ab 16 Uhr den Eintritt für neun Euro bei freiem Parken. In diesem Jahr neu im Gepäck: das Bodo-Kombi-Ticket (nur online) ab 13 Euro. Online-Tickets mit reduzierten Preisen sind im Internet erhältlich.

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