Suchen

Registrierungspflichtiger Artikel

Motorvibrationen: Good and bad vibrations

| Autor / Redakteur: Pistone / Martina Eicher

Empfindlichen Zeitgenossen vergraulen sie die Freude am Motorradfahren, anderen wiederum können sie nicht herzhaft genug sein: Motorvibrationen. In der Tat teilen sie dem Fahrer neben dem Ansaug- und Auspuffgeräusch unmissverständlich mit, dass im Motor etwas passiert. Dieser Beitrag ist Teil der Aus- und Weiterbildungsserie »bike und business« Profi und erschien erstmalig in der Ausgabe 11-12/2016.

Volles Programm: Dieser 1,8 Liter große V2 hat zur Bändigung der störenden Kräfte im Kurbeltrieb versetzte Hubzapfen und Ausgleichsgewichte.
Volles Programm: Dieser 1,8 Liter große V2 hat zur Bändigung der störenden Kräfte im Kurbeltrieb versetzte Hubzapfen und Ausgleichsgewichte.
(Bild: Honda)

Solange eine Masse sich gleichförmig bewegt, geht von ihr keine Reaktion nach außen aus. Anders sieht es aus, wenn man diese Masse beschleunigt oder verzögert. Je nachdem, wie stark die Geschwindigkeitsänderung ausfällt, entstehen hier Kräfte, die störend oder sogar zerstörend wirken können. Eine ungefähre Vorstellung vermittelt das Beispiel eines aktuellen Vierzylinder-Motorradmotors mit 1.000 cm3 Hubraum. Bei 10.000 min-1 dauert eine Umdrehung knapp 0,006 Sekunden, ein Hub also ca. 0,003 Sekunden. In dieser Zeit wird der Kolben vom Stillstand auf seine eine maximale Geschwindigkeit beschleunigt und wieder abgebremst. Besonders beim Wechsel der Bewegungsrichtung in den Totpunkten treten hier gemäß der Formel Kraft = Masse x Beschleunigung enorme Kräfte auf, die durchaus die durch die Verbrennung verursachten Kräfte übersteigen können. Denn der Kolben möchte aufgrund der Massenträgheit seine Bewegung beibehalten, wird aber über den Kurbeltrieb verzögert.

Einen Eindruck davon, was Massenträgheit bedeutet, erhält man beim Schieben eines Motorrads in der Ebene. Die Bewegung aufrechtzuerhalten ist ohne allzu großen Kraftaufwand machbar. Versucht man nun, das Motorrad abrupt anzuhalten (ohne die Bremsen zu benutzen!), spürt man schnell, warum die Massenträgheit auch als Beharrungsvermögen bezeichnet wird: Langsames Anhalten ist mit weniger Kraftaufwand zu bewerkstelligen, erfordert aber einen längeren Weg und mehr Zeit.