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Mutmacher contra Schwarzer Schwan Anmerkungen zu aktuellen Branchenthemen

Aus dem Tagebuch des »bike und business«-Chefredakteurs (KW 11/II), Episode 762: Diese Woche wird mit Sicherheit als „Schwarze Woche“ in die Geschichte eingehen. Damals, als ein Virus namens Corona die Welt nicht nur in Angst und Schrecken versetzte, sondern auch die Finanzmärkte so krass wie zuletzt beim Platzen der Internet-Blase Anfang des Jahrtausends...

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Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin.
Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin.
(Bild: Vogel Communications Group)

...oder bei der Lehmann-Pleite vor gut zehn Jahren in den Keller zog. In der KW 11 stufte die Weltgesundheitsorganisation den Virus zur Pandemie hoch, der US-Präsident verhängte für 30 Tage einen Einreisestopp für alle Europäer, Fußballspiele finden vor Geisterkulisse statt, die Moto-GP-Events fallen reihenweise aus, Bike-Saisonstarts wie zum Beispiel der große Frühlingstreff in Augustfehn werden behördlich verboten, die Pierer Mobility AG schließt wegen Zulieferproblemen ab 30. März ihr KTM-Werk im oberösterreichischen Mattighofen für zwei Wochen (und verabschiedet sich offiziell von ihren Jahreszielen), Unternehmen verordnen auf breiter Front Homeoffice an!

Was ist da nur los? Krisenszenarien jeglicher Art machen die Runde, Vergleiche zum Ende der Goldenen Zwanziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts werden gezogen, eine Weltwirtschaftskrise des 21. Jahrhunderts wird heraufbeschworen.

Da ist guter Rat teuer. Sinnvoll erscheint es mir aber trotzdem, erst mal einen kühlen Kopf zu bewahren. Gleichwohl sollten wir die Warnungen der Virologen und Ärzte nicht auf die leichte Schulter nehmen. Angesichts der täglichen Hiobsbotschaften über neue Infizierte auch und gerade in Deutschland (eben kommt die Meldung rein, dass im Würzburger Uniklinikum ein 83-Jähriger als erstes Corona-Opfer Bayerns zu beklagen ist), dem Shut down des öffentlichen Lebens in Italien und den riesigen Geldvermögen, welche fast tagtäglich an den Börsen verbrannt werden, ist das aber gar nicht so einfach.

Interessant finde ich in diesem Zusammenhang die Geschichte vom Schwarzen Schwan (Black Swan). Damit wird ein unerwartetes Ereignis von enormer Tragweite bezeichnet, das die Finanzmärkte und die Weltwirtschaft abrupt aus der Bahn werfen kann. Das erleben wir wohl gerade. Geprägt hat den Begriff der Publizist und Börsenhändler Nassim Nicholas Taleb. In seinem 2007 erschienen Buch „Der Schwarze Schwan: Die Macht höchst unwahrscheinlicher Ereignisse“ beschreibt der Autor, dass Menschen es sich in einer „Zone des Vorhersagbaren“ bequem machen und so extrem unwahrscheinliche Ereignisse kaum eine Rolle in deren Risikobetrachtung spielen. Allerdings würden diese häufiger auftreten, als man gemeinhin annehme. Zum Beispiel der durch die Subprime-Krise ausgelöste Immobiliencrash in den USA, der Lehman-Pleite oder dem Tsunami in Japan mit der Atomkatastrophe von Fukushima. Auch wenn es im Nachhinein Anzeichen und Hinweise auf das dann zurückliegende Großereignis gab, so sind diese doch nicht (sicher) vorherzusehen. Und deshalb führen sie bei ihrem Auftreten zu großen Verwerfungen vor allem an den Finanzmärkten, wie wir sie gerade erleben.

Die Theorie vom Schwarzen Schwan hilft uns aber an dieser Stelle auch nicht weiter. Meines Erachtens müsste jetzt die deutsche Regierung oder die Europäische Zentralbank ein starkes Signal geben: „Whatever it takes“ – wie es einst der Ex-EZB-Präsident Mario Draghi bei der Bankenrettung propagierte. Also staatliche Unterstützung, koste es, was es wolle. Starke Signale blieben bis zum Redaktionsschluss dieses Speedlogs leider aus. Oder sollte die Ankündigung von Wirtschaftsminister Peter Altmaier von vor ein paar Tagen, wonach es hierzulande wegen Corona keine einzige Insolvenz geben werde, tatsächlich ernst gemeint sein?

Wie auch immer: Es steht zu befürchten, dass das große Bangen weiter geht; die Angst, sich mit dem Virus anzustecken und die Furcht vor dem Beginn einer tiefen Rezession, die auch die Motorradbranche und den bevorstehenden Saisonstart in den Abwärtsstrudel reißen könnte...

Auch für die Vogel Communications Group in Würzburg, dem Mutterhaus von »bike und business«, sind die Folgen weitreichend. Diesen Speedlog schreibe ich – dank guter technischer Voraussetzungen – von zu Hause aus. Dienstreisen ins Ausland sind verboten worden, wir wollen uns tatsächlich nur noch auf die allerwichtigsten Termine konzentrieren. Jetzt wird halt wieder mehr fernmündlich kommuniziert oder der fachliche Austausch verstärkt mittels Telefon- oder Videokonferenz abgehalten oder unsere starken Social-Media-Plattformen zur Leser- und Userbindung sowie für geschäftliche Ziele genutzt. Dazu gibt es heute um 11 Uhr ein spannendes Webinar von unseren Berliner Kollegen von integr8. Loggen Sie sich ein! Es lebe die „New Work“.

Für alle, die gerade reihenweise ihre Events absagen müssen, haben Kollegen von mir die digitale Plattform „Industrial Generation Network“ ins Leben gerufen. So können weltweit agierende Unternehmen auch nach Absagen von Messen und Branchenveranstaltungen ihre Kommunikation mit Kunden und Partnern aufrechterhalten. Im Zentrum der Digitalplattform stehen digitale Begegnung und Kontaktanbahnung, Produktpräsentationen und der thematische Austausch. Unter dem Motto: „Faster forward, face 2 face“ erreicht die Industrie im Industrial Generation Network trotz Messe-Ausfällen ihre Zielgruppe.

Last, but not least: Seit Donnerstag Nachmittag 15 Uhr haben wir trotz all dem Krisengetöse um uns herum planmäßig die neue Homepage von »bike und business« online gestellt. Danke ans Team um Daniel Furth für die reibungslose Umstellung! Surfen Sie doch mal vorbei und schreiben Sie mir, wie sie Ihnen gefällt bzw. was wir noch besser machen können. Freue mich auf Ihr Feedback und wie Sie unser Motto finden, das da lautet: Mutmacher statt „Schwarzer Schwan“! Kopf hoch, Motorrad-Kosmos.

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