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MV Agustas Ringen um die Zukunft

Um eine drohende Insolvenz zu vermeiden, stellte der italienische Motorradhersteller am 22. März Antrag auf Vergleich und versucht mit einer Unternehmensumstrukturierung, die Management, Mitarbeiter, Lieferanten und Gläubiger miteinbezieht, die finanziellen Kalamitäten zu meistern.

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Händler setzen große Stücke in den Abverkauf der MV Agusta Brutale RR.
Händler setzen große Stücke in den Abverkauf der MV Agusta Brutale RR.
(Foto: Stephan Maderner)

Am 22. März machte eine kryptische Presseinformation von MV Agusta die Runde. Da war von einer großangelegten Unternehmensumstrukturierung die Rede, wonach das Management zusammen mit den Mitarbeitern, Lieferanten und Investoren nach neuen Lösungen für eine nachhaltige und dauerhafte Zukunft suche.

MV Augusta Brutale

Von den real existierenden bestehenden finanziellen Schwierigkeiten, gegen die der italienische Hersteller ankämpft – kolportiert werden Verbindlichkeiten in Höhe von rund 40 Millionen Euro – lasen die Journalisten keine einzige Zeile.

Die Zeitschrift „Motorrad“ titelt nun in der Ausgabe 8/2016 „MV zieht Notbremse“. Der italienischen Marke mangele es an Liquidität. Um eine Insolvenz zu vermeiden, habe das Unternehmen die Notbremse gezogen und am 22. März beim Gericht am Werkssitz in Varese einen Vergleichsantrag gestellt.

Damit die Geschäfte weiterlaufen können versuche man eine Einigung mit den Gläubigern zu erzielen, die – wie schon häufiger in den vergangenen zwölf Jahren, in denen das Unternehmen vier Mal den Besitzer wechselte – mal wieder auf Forderungen sitzenzubleiben drohen.

Unklar ist bis zum jetzigen Zeitpunkt, wie sich der stille Teilhaber Mercedes-AMG verhält, der 25 Prozent der Anteile besitzt. Im Februar plante der Autobauer eine Kapitalerhöhung um 30 Millionen Euro. Dies sei dem Vernehmen nach am Widerstand von Giovanni Castiglioni gescheitert. Dieser wollte offenbar seine Mehrheit und die unternehmerische Entscheidungsfreiheit nicht aufgeben.

Die Folgen für die europäischen Händler, die gerade große Hoffnung auf einen guten Saisonstart hegen, sind noch unabsehbar. Laut „Motorrad“ habe der Hersteller aus Varese vor kurzem etwa 600 Motorräder der 2015er-Produktion von außereuropäischen Märkten zurückgeholt, die nun europäischen Dealern zur Verfügung stünden. Im vergangenen Jahr wurden hierzulande 1.076 MV Agusta-Maschinen neu zugelassen, ein Plus von 22,97 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Große Händler-Hoffnungen ruhen auf der neuen Brutale 800 und der angesagten Dragster RR, über die die Fachpresse äußerst positive Testurteile fällte. Im April soll deren Produktion anlaufen. Eine »bike und business«-Anfrage beim deutschen Country-Manager Michael Burkhart ist gestellt. Wir halten Sie auf dem Laufenden. Nur wenige Stunden nach der erstmaligen Veröffentlichung dieser Meldung erreicht uns die Nachricht, dass Herr Burkhart inzwischen nicht mehr verantwortlich zeichnet und das Unternehmen Mitte März verlassen musste.

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