My neverending Indian Summer

Ein ganz persönlicher Fahrbericht

| Redakteur: Stephan Maderner

Die Indian FTR 1200 S definiert eine neue Gattung von Motorrad – und vereint das Beste aus den Segmenten Naked Bike, Supermoto, Dirt Tracker und Powercruiser in einem Bike.
Die Indian FTR 1200 S definiert eine neue Gattung von Motorrad – und vereint das Beste aus den Segmenten Naked Bike, Supermoto, Dirt Tracker und Powercruiser in einem Bike. (Bild: Stephan Maderner/»bike und business«)

Indian FTR 1200 S – Make American Motorcycles great again – möchte ich jedem zurufen und dazu animieren, sich doch beim nächsten Indian-Händler einmal auf diesen neuen aufregenden und unvergleichlichen Powercruiser von Polaris zu setzen und mit einem breiten Grinsen im Gesicht auf einem abgedroschenen Weizenfeld in den Sonnenuntergang zu driften.

„Wow, wie wunderschön ist denn dieses Moped?“ raunte ich mir im Stillen zu, als mir Arne Köhler und Gregor Götz vom Technical Support in der Werkstatt von Polaris Germany erstmals die Indian FTR 1200 S (Race Replica) zeigten. Ich sollte sie in den nächsten zwei Wochen Probefahren dürfen. An diesem herrlichen Sommermorgen am letzten Julitag des Jahres war ich von Würzburg aus über Frankfurt und Darmstadt mit dem Zug angereist und ließ mich die letzten Kilometer mit dem Taxi in die Schöneweibergasse 102 in Griesheim chauffieren. Postalisch fürwahr die richtige Adresse, um eine hübsche Bike-Lady in Empfang zu nehmen (#notreally #metoo).

Ein kurzer, kräftiger Regenschauer sorgte für eine Abkühlung am Morgen. Die Sonne spitzte aber bereits hinter den letzten abziehenden Wolken hervor und trocknete den Asphalt; der blaue Himmel über dem Rhein-Main-Gebiet gewann die Oberhand. Beste Bedingungen also, um aus einem gewöhnlichen Werktag einen Feiertag zu machen. Einen Feiertag auf einem wirklich außergewöhnlichen und begeisternden Motorrad.

Doch eins nach dem anderen. Wer die neue Indian FTR 1200 S zum allerersten Mal live sieht, dem sticht ihre zeitlose Eleganz ins Auge. Das Designteam um Greg Brew hat bei dem Flattracker (daher die Abkürzung FTR) ganze Arbeit geleistet. Interessant war für mich der Vergleich mit der im Showroom des Importeurs ausgestellten Indian FTR 750, die gerade bei den Dirt-Track- und Sandbahnrennen ihre Wettbewerber in Grund und Boden fährt.

Aus der Schmutzspur

Die Genese und die Herkunft des Mopeds aus der Fraktion der Fahrzeuge aus der „schmutzigen Spur“ ist unverkennbar. Und so umschließt als prägendes Stilelement der Serienschwester FTR 1200 S der rote Stahl-Gitterrohrrahmen den 60-Grad-V2-Motor mit 1.203 cm³ Hubraum. Das hochgezogene Heck mit viel Freiraum zwischen Bürzel und Reifen und ziemlich hoch liegenden Soziusrasten offenbart: dieses Bike ist nur bedingt tauglich für den Fahrbetrieb zu zweit, außer der oder die Partner/in tritt in der Fliegengewichtsklasse an.

Hightech für den Homo Digitalis

Der hochgezogene schicke 2-in-1-Akrapovic-Endschalldämpfern ist der Star der rechten Fahrzeugseite. Ins Blickfeld des aufsitzenden Piloten kommt sogleich das TFT-Display mit dem 4,3 Zoll großen Touchscreen mit Zoom-in-Funktion, alles gut erkennbar und mit einer intuitiven Menüführung, die diesen Begriff auch verdient. Und wer's mag und für den Homo Digitalis ein Muss: Mit dem Infosystem „Indian-Ride-Command“ steht modernste Connectivity zur Verfügung. Die Verbindung zum Smartphone erfolgt wahlweise über einen USB-Schnellladeanschluss oder kabelfrei über Bluetooth. Hinzu kommen drei wahlweise über Display oder Lenkerschalter justierbare Fahrmodi (Rain, Standard und Sport) und Traktionskontrolle. Per Knopfdruck kann man auch alle elektronischen Helferlein abschalten. Das ist hilfreich, wenn man mit dem Flattracker auf Feldwegen oder auf dem Stoppelacker mal so richtig driften möchte. Zündung aus und wieder an – und schon sind ABS, Wheeliecontrol & Co. wieder lebendig.

Naked Bike mit Power ohne Ende

Die Indian Lady ist ein 123 PS starkes Naked Bike mit einem Drehmoment von 120 Newtonmetern. Mit ihr will das Unternehmen Polaris aus Minnesota neue Zielgruppen ansprechen und weltweit reüssieren. Seit 2011 belebt die Company mit den Headquarters in Medina die traditionsreiche US-Marke Indian Motorcycles mit imponierender Energie. Seitdem man die Marke Victory eingestellt hat, fokussiert sich die Firma, die daneben auch für ihre Schneemobile und ATV/Quads bekannt ist, auf nur noch eine Motorradmarke.

Im Stil einer Yamaha MT-01 (90 PS, 150 Nm Drehmoment, 82,5 cm Sitzhöhe gebaut von 2005 bis 2012), Ducati Diavel 1260 (162 PS, 130,5 Nm, 77 cm) oder der BMW R-nine-T (110 PS, 119 Nm, 78,5 cm) agiert die neue Indian FTR 1200 auf der Piste mit bäriger Kraft. Dank des breiten Drehzahlbereichs und einem top-austarierten (in der S-Variante einstellbaren) Fahrwerk bietet sie ausreichend Agilität, um flott durch Kurven zu flitzen. Etwa ab 3.000 Umdrehungen bricht sich die Drehmomentwelle Bahn, findet bei 6.000 Umdrehungen in der Minute ihren nominellen Höhepunkt und reißt bis über 8.000 Umdrehungen nie ab. Der rote Bereich beginnt bei erst 9.000. Da ist also Power für alle Lebenslagen on board – das spürt und hört man.

V2-Bollern: Von sonor bis markerschütternd

Das Antriebsaggregat hält für unser Ohr gar viele Tonlagen parat: sie reichen von einem sonor-schmeichelnden über kernig-lauten bis hin zu einem markerschütternden V2-Bollern. Das ist der standesgemäße Soundtrack zur Performance des 1,2-Liter-Motors. Der profitiert beim Gasgeben von einer relativ kurzen Übersetzung. Bei Tempo 100 steht der Drehzahlzeiger gerade mal kurz vor der 3500er Marke. Das Teil lässt sich also auch wunderbar untertourig und entspannt als Cruiser bewegen. In der Kaltstartphase neigte das Testbike allerdings beim Atmen manchmal zum Verschlucken. Da sollten die US-Ingenieure nochmal über ein Feintuning des Mappings nachdenken.

Schon nach den ersten Kilometern wurde mir bewusst: Hier sitzt du auf einem wirklich außergewöhnlich-interessanten Motorrad. Und so lautete mein erster Post auf Instagram: „Uiuiuiui juijuhe..,Was für ein toller Powercruiser. Das Ding ist der Hammer. Das breiteste Grinsen der letzten Jahre im Gesicht. Hashtag #probefahrtistbestesverkaufsargument #Aschaffenburg #Stiftskirche #grübelgrübel.“

Hashtag #nextchristmasiscoming?

Als ich dann die Mainebene verließ und es im Mittelgebirge kurviger wurde und der Spaß erst richtig los ging, verkündete ich meiner Community keck: „Jetzt aber: In den Spessartkurven läuft das Ding zur Hochform auf. Meine Güte, was passiert hier mit mir? Was soll ich nur tun? Hashtag #Indianftr1200S #nextchristmasiscoming?“

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