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Nina Prinz: Gelernte Kfz-Mechanikerin und Deutschlands beste Rennfahrerin

| Autor / Redakteur: Jan Rosenow / Martina Eicher

Die Zweiradbranche gilt als Männerdomäne – doch auch immer mehr Frauen sind hier beruflich erfolgreich unterwegs. » bike und business« stellt in einer Serie solche Powerfrauen vor. Folge sieben: Nina Prinz, Deutschlands bekannteste und beste Rennfahrerin.

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Nina Prinz machte den Motorsport zu ihrem Lebensinhalt.
Nina Prinz machte den Motorsport zu ihrem Lebensinhalt.
(Foto: Prinz)

Anfang Januar 2014, auf der Rennstrecke Almeria: Mit bestialischer Lautstärke rast eine Horde BMW-Superbikes um den Rennkurs im Süden Spaniens. Im Sattel sitzen Motorradjournalisten und -blogger aus Deutschland, die im frühlingshaften spanischen Winter die neuesten Lederkombis und Helme ausprobieren. Nur eine Maschine stammt nicht von BMW: Es ist die Suzuki GSX-R 1000 von Nina Prinz. Die Rennfahrerin ist als Instruktorin bei dem Event dabei und zeigt der wilden Meute, wo es auf dem Circuito langgeht.

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Eine Frau, die auf der Rennstrecke ganz vorn fährt – vor den Männern. Das sollte heute eigentlich nichts Besonderes mehr sein, ist es aber doch. Denn nach wie vor ist eine erfolgreiche Pilotin wie Nina Prinz eine Ausnahmeerscheinung im deutschen wie im internationalen Rennsport.

Am Abend nach dem Event erscheint die Rennfahrerin auf die Minute pünktlich in der Hotellobby zum Gespräch mit »bike und business«, lässig gekleidet in Jeans und Kapuzenpulli. Ebenso unprätentiös und sympathisch ist ihr Auftreten, keine Spur von bemühter Coolness oder Starallüren.

Was die 31-Jährige über ihren Werdegang erzählt, klingt so bodenständig und leicht nachvollziehbar, dass man sich wundert, warum es nur so wenige weibliche Talente in Deutschland in die höheren Rennklassen schaffen. Nina ist auf einem Bauernhof in der Nähe von Ravensburg groß geworden, nicht weit weg vom Bodensee. „Dort habe ich alles gefahren, was herumstand“, erinnert sie sich. „Vom Traktor bis zum Motorrad.“ Als ihr Vater sie zum ersten Mal auf ein Pocketbike setzt, ist es um die damals 11-Jährige geschehen.

Im Motosportclub Leutkirch fand sie Unterstützung, die bis heute anhält. Denn eines wurde schnell klar: „Man muss in den Motorsport enorm viel Manpower stecken." Die Rennen finden in ganz Deutschland statt, entsprechend groß ist der Reiseaufwand. „Viele junge Talente, vor allem Mädchen, aber auch die Eltern werden von diesen Aussichten abgestoßen“, sagt Nina. Doch mit der Unterstützung von Familie und Freunden hielt sie durch – und wurde belohnt. Denn das Talent der jungen Ravensburgerin zeigte sich schnell: Schon 1995 schaffte sie es auf den zweiten Platz der Deutschen Meisterschaft bei den Pocketbikes. 1999 war dann ihr Jahr: Sie gewann die DM in den Klassen Midi-Bike und Pocket-Bike und war auch in der Europameisterschaft mit einem vierten Platz gut unterwegs. Seither war klar: Motorsport ist ihr Lebensinhalt.

Doch in Deutschland davon seinen Lebensunterhalt zu bestreiten, ist nahezu unmöglich.

Die erste Rennmaschine selber zusammengespart

Als vernünftiges Mädchen entschloss sich die angehende Rennfahrerin, erst einmal eine Ausbildung zu machen. Um auch technisch mitreden zu können, lernte sie Kfz-Mechanikerin, Fachrichtung Zweirad, bei Honda-Kraft in Leutkirch. Als der Betrieb sie nach dem Ende der Ausbildung nicht übernehmen konnte, verdingte sich die junge Frau für zwei Jahre als CNC-Fräserin in einer Maschinenbaufirma. Das diente nicht zuletzt dazu, sich ihre eigene Rennmaschine für den ADAC-Juniorcup zusammenzusparen.

Parallel trieb sie ihre Rennkarriere voran. Im Jahr 2001 stieg das Nachwuchstalent in die IDM Supersport ein und zeigte in den folgenden Jahren, dass sie auch mit den schnellsten Männern mithalten kann. Das beste Gesamtergebnis gelang ihr 2005 mit einem 9. Rang unter insgesamt 26 Startern – außer ihr alles Männer. Herausragend auch ihre Leistung in der IDM-Superbike-Saison 2008, die sie mit dem zwölften Gesamtrang abschloss. Wie war das, in der höchsten nationalen Motorsportklasse über die Hälfte der Männer abzuhängen? „Der Konkurrenzkampf ist schon härter, wenn man eine Frau ist“, gibt Nina Prinz mit einem leichten Lächeln zu. „Viele Männer sehen es eben doch nicht gerne, wenn man schneller ist.“ Sie ist aber weit davon entfernt, sich über eventuelle Benachteiligung zu beklagen. Vielmehr spricht sie souverän darüber, dass sie sich als eine der wenigen Frauen im Business leichter damit tat, potenziellen Werbepartnern aufzufallen. „Man darf sich als Frau nicht verstecken, sondern muss für die Medien und Sponsoren präsent sein“, betont die hochgewachsene Blondine.

In deutschen Motorsport-Rennserien ist Nina Prinz seit mehreren Jahren nicht mehr aktiv. „Hierzulande muss man Geld mitbringen, um auf höchstem Niveau fahren zu können. Das sehe ich nicht mehr ein.“ Wichtig ist für sie zudem, einen flexiblen „Brotjob“ zu haben, der ihr Sicherheit für die Zeit nach der Rennkarriere gibt: Die 31-Jährige arbeitet in ihrer Wahlheimat Kassel in der Immobilienbranche.

Wer die Powerfrau hingegen auf der Rennstrecke sehen will, muss weit reisen. Seit 2012 ist sie in der Superbike-Meisterschaft von Katar unterwegs – einer anspruchsvollen Serie mit sieben Terminen im Jahr, in der neben einheimischen Fahrern auch internationale Rennprofis unterwegs sind. 2013 schaffte sie es in der Endauswertung auf den dritten Platz. Das strebt sie auch für dieses Jahr wieder an. Ihre Liebe gilt aber mittlerweile dem Langstreckensport. „Langstreckenrennen sind toll, weil Teams und Fahrer so eng zusammenarbeiten“, schwärmt sie. „Umso mehr freue ich mich, dass ich mit dem QMMF-Team dieses Jahr in die Endurance-WM zurückkehren kann.“

Der Motosport fordert viel, gibt aber auch viel zurück

Mit 31 Jahren ist Deutschlands beste Rennfahrerin in einem Alter, in dem man durchaus an das Ende der Motorsportkarriere denken kann. Aber so weit ist Nina Prinz noch nicht: „Ich will noch alles mitnehmen, was Spaß macht!“ Der Rennstrecke wird sie in jedem Fall treu bleiben, gehören doch Einsätze als Instruktor bei Trainings zu ihrem Job dazu. Auch ist sie bei Motorradtreffen wie dem Glemseck 101 Anfang September dabei oder begleitet Ausfahrten mit ihrem Sponsor Suzuki.

Jungen Mädchen, die sich für Motorradrennsport interessieren, rät sie, ihrem Traum zu folgen: „Motorsport kostet viel, aber er gibt einem auch unheimlich viel zurück.“ Und heutige Nachwuchs-Rennfahrerinnen haben einen großen Vorteil: Sie haben ein Vorbild, das zeigt, wie es geht. Es heißt Nina Prinz.

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