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Österreich: Der ökonomische Fußabdruck der Motorradwirtschaft

Bereits jeder neunte Österreicher über 15 besitzt ein Motorrad und stündlich wird mit Motorrädern in Österreich umgerechnet fünf Mal die Welt umrundet. Die motorisierte Zweiradbranche schöpft Werte von über einer halben Milliarde Euro.

Stellten die Studie vor (v.l.n.r.): Hubert Trunkenpolz (Vorstandsmitglied KTM AG), Anna Kleissner (Projektleitung Economica), Hans Zimmermann (Vizeobmann Arge2Rad).
Stellten die Studie vor (v.l.n.r.): Hubert Trunkenpolz (Vorstandsmitglied KTM AG), Anna Kleissner (Projektleitung Economica), Hans Zimmermann (Vizeobmann Arge2Rad).
(Bild: Arge2Rad)

Die Motorradwirtschaft hat in Österreich eine lange Tradition. Obwohl bereits jeder neunte Österreicher über 15 ein Motorrad besitzt, wird die gesamtwirtschaftliche Bedeutung der Motorradwirtschaft bislang unterschätzt, da neben der Produktion und dem Handel mit Krafträdern die mit der Motorradwirtschaft verbundenen Unternehmen meist unberücksichtigt bleiben. Stellt man ausschließlich auf Produktion und Handel ab, so ist die Motorradwirtschaft direkt für 578,9 Millionen Euro Wertschöpfung verantwortlich.

Wertschöpfung nach nur vier Jahren verdoppelt

Verglichen mit den Werten aus 2013 zeigt sich, dass sich dieser Kernbereich der Motorradwirtschaft hinsichtlich seines Wertschöpfungsbeitrags binnen vier Jahren beinahe verdoppelt hat. Inklusive der Effekte entlang der vorgelagerten Wertschöpfungskette und den Einkommenseffekten kommt man auf insgesamt 919,7 Millionen Euro. Werden zur klassischen Herstellung und dem Handel mit Krafträdern all jene Wirtschaftsbranchen, deren Produkte und Dienstleistungen vom Motorrad abhängen (wie beispielsweise der Tankstellenbetrieb, motorradbezogene Versicherungen, Motorsportveranstaltungen oder Events) hinzugezählt, so beläuft sich die gesamte, im Jahr 2017 erwirtschaftete Bruttowertschöpfung in Österreich auf 2,9 Milliarden Euro. Dies hat die Arge2Rad in Kooperation mit dem Economica Institut für Wirtschaftsforschung berechnet. Das Wertschöpfungsnetzwerk der Motorradwirtschaft ist somit für 0,89 Prozent des Bruttoinlandsprodukts verantwortlich und damit mit der gesamten Leistung des Sektors Versicherungen und Pensionskassen vergleichbar, sagt Dr. Anna Kleissner von Economica. Jeder 113. erwirtschaftete Euro in Österreich ist somit unmittelbar oder mittelbar der Motorradwirtschaft zuzurechnen.

Jobgarant für den Arbeitsmarkt

Die Wichtigkeit der Motorradwirtschaft manifestiert sich auch in der Bedeutung für den Arbeitsmarkt als Jobgarant. Allein im Kernbereich der Motorradwirtschaft, also in der Herstellung von und im Handel mit Krafträdern, finden mehr als 6.600 Personen eine Beschäftigung, so Dr. Christian Arnezeder, Obmann der Arge 2Rad. Im gesamten Wertschöpfungsnetzwerk sichert die Motorradwirtschaft über die Verflechtungen mit Vorleistungsbetrieben und durch Konsumeffekte über 41.000 Arbeitsplätze. Jeder 104. Arbeitsplatz in Österreich ist daher direkt und indirekt der Motorradwirtschaft zuordenbar, oder anders ausgedrückt beschäftigt die Motorradwirtschaft mehr Personen als die Stadt Steyr Einwohner hat.

Starke Exportleistung

Der wirtschaftliche Erfolgt der österreichischen Motorradwirtschaft ist vor allem auf die Exportleistung zurückzuführen, welche sich in den vergangenen Jahren äußerst dynamisch entwickelt hat. Im Jahr 2017 betrug der Gesamtwert der exportierten Waren rund 1,2 Milliarden Euro, womit jeder 122. Exporteuro in Österreich durch den Kernbereich der Motorradwirtschaft erwirtschaftet wird. Trotz des krisenbedingten schwierigen Umfelds konnten die motorradbezogenen Exporte an die Wachstumsperformance vor der Krise anknüpfen und mit (inflationsbereinigt) rund 13 Prozent pro Jahr weit überdurchschnittlich stark wachsen.

Günstige Verkehrsalternative in urbanen Zentren

Gerade im urbanen Raum ist da Motorrad eine geeignete Alternative, um gegenüber dem Pkw Zeit und Geld zu sparen, ohne dabei auf individuelle Mobilität verzichten zu müssen. Bereits heute können durch die Nutzung von Motorrädern Staukosten in Höhe von 25,7 Millionen Euro eingespart werden. Die Ersparnisse bei Parkplatzsuchkosten werden auf 2,7 Millionen Euro geschätzt. Im Vergleich zum Pkw werden durch den geringeren Treibstoffverbrauch von Motorrädern Treibhausgasemission in Höhe von 108.000 Tonnen CO2-Äquivalenten eingespart. Damit könnte man immerhin 16.300 Mal die Welt mit dem Pkw umrunden.

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