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Österreichs Zweiradhandel und die Corona-Krise: „Viele Betriebe sind total am Sand“

Eine aktuelle Umfrage unter österreichischen Zweiradhändlern offenbart die dramatische wirtschaftliche Situation der Zweiradbranche.

Der Sprechers des Zweiradhandels in der Wirtschaftskammmer Österreich (WKÖ), KommR Ferdinand O. Fischer, hat seine Mitglieder über die wirtschaftlichen Aussichten nach Corona befragt.
Der Sprechers des Zweiradhandels in der Wirtschaftskammmer Österreich (WKÖ), KommR Ferdinand O. Fischer, hat seine Mitglieder über die wirtschaftlichen Aussichten nach Corona befragt.
(Bild: Michael Alschner )

Der österreichische Zweiradhandel ist durch die angeordneten Schließungen im Rahmen der Covid-19-Maßnahmen neben dem Tourismusbereich die wahrscheinlich am härtesten betroffene Branche: 70 bis 80 Prozent des Geschäfts wird zwischen Mitte März bis Mitte Juni gemacht. Eine aktuelle Umfrage unter rund 100 Unternehmen, die dem Verband 2Radhandel in der WKO angehören, zeigt die schwierige Lage der Branche, die mit 41.000 Menschen inklusive des Wertschöpfungsnetzwerkes (also zusammen mit Herstellern, Zulieferfirmen, Ausrüstern und Teilelieferanten) jährlich 2,9 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet. Die Umfrage spiegelt also nur die Stimmungen der Händler wider, einem Teilbereich des gesamten Marktes. In Österreich gibt es für einen solchen kritischen Zustand eine populäre Redewendung: „Total am Sand sein.“ Der Sprecher des Zweiradhandels, KommR Ferdinand O. Fischer, fordert deshalb dringend bessere Unterstützung.

Umsatzrückgang bis zu 65 Prozent

„Die Ergebnisse der Studie sprechen für sich: Mehr als zwei Drittel der Händler verzeichnen maßgebliche wirtschaftlichen Einbußen. Der Rückgang des Ist-Jahresumsatzes vom 1. Januar bis 25. April beträgt bei weit über einem Drittel der Händler 45 bis 65 Prozent und bei knapp einem Drittel gar über 65 Prozent“, erklärt der Sprecher des Zweiradhandels in der WKO Ferdinand O. Fischer. Für die Umsätze bis Jahresende gehen laut Studie 13,5 Prozent von einem Gesamtjahresrückgang von 55 bis 65 Prozent aus, knapp 30 Prozent rechnet mit einem Minus von 45 bis 55 Prozent. Weitere 30 Prozent glauben, dass die Einbußen zwischen 35 bis 45 Prozent liegen werden.

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Welche Unterstützungsmaßnahmen wurden beantragt?

Bislang hätten 60 Prozent der Händler für ihre Mitarbeiter Kurzarbeit beantragt, wobei hierzu laut Umfrage einigen Unternehmern noch immer die Bestätigung vom Arbeitsministerium (AMS) fehlt. Von den 42 Prozent, die den Härtefonds beantragt haben, haben immerhin 62 Prozent bislang noch keine Zusage bzw. schon eine Ablehnung bekommen. 21 Prozent haben den Corona-Hilfsfonds beantragt: „Hier ist zu erwarten, dass noch viele Händler einreichen werden, wenn die Bedingungen verbessert werden und sich die Banken geschmeidiger verhalten, was in 17 Prozent der aktuellen Einreichungen leider nicht der Fall ist. Acht Prozent der Anträge sind überhaupt schon abgelehnt worden“, erläutert Fischer. „Liquidität ist das Gebot der Stunde, aber bei den wenigsten ist bis dato Geld geflossen!“

Wer wird die Krise überstehen?

Die Einschätzung, die Krise unbeschadet zu überstehen, sind leider nicht gut: Knapp ein Drittel sieht die Lage laut Studie eher pessimistisch. Immerhin deutlich mehr als ein Drittel sagt, dass es darauf ankommen wird, welche Unterstützungen durch den Staat effektiv erfolgen werden. Elf Prozent geben an, dass die Lage ziemlich aussichtslos sei, immerhin 19 Prozent schauen der Zukunft hingegen eher optimistisch entgegen.

Daher fordert der 2Radhandel von der Regierung:

1. Kurzarbeit:

Die versprochenen 48 Stunden für die Genehmigung wurden in keiner Weise eingehalten. Einige unserer Mitglieder haben bis heute noch keine Bestätigung. Für den Zweiradhandel beginnt die nächste Saison erst Mitte März 2021. Betriebe, die es bis dahin schaffen, haben gute Chancen, weiter zu bestehen. Deshalb sollte die Möglichkeit geschaffen werden, die Kurzarbeit bis zum 15. März 2021 zu verlängern.

2. Härtefonds:

Bislang haben 62 Prozent unserer Mitglieder entweder eine Ablehnung bzw. noch keine Rückmeldung erhalten haben. Deshalb braucht es dringend nochmals erweiterte Zugangskriterien! Wobei der Härtefonds bislang die Maßnahme ist, die am effektivsten funktioniert.

3. Corona-Hilfsfonds:

Hier müssten drei Punkte nachgebessert werden:

• Die Deckelung des Zuschusses mit den Fixkosten für die Zeit der Covid-19-Maßnahme (also bei den meisten einen Monat) muss deutlich ausgeweitet werden. Wir verlieren fast eine ganze Saison, da ist die einmonatige Unterstützung nicht einmal der Tropfen auf den heißen Stein.

• Die Rückzahlungsfrist des Kredits muss von fünf auf mindestens zehn Jahre ausgedehnt werden. Solange wird es dauern, bis der drastische derzeitige Einbruch finanziell halbwegs verkraftet sein wird.

• Die Vergabe der Kredite durch die Banken muss einfacher und unbürokratischer erfolgen! Denn entgegen der Ankündigung der Regierung ist dies nach wie vor ein sehr bürokratisches Prozedere. Es hat geheißen, dass das einzige Kriterium, das geprüft werde, sei, ob es dem Unternehmen vor der Schließung gut gegangen ist. Die Banken sagen, ihre Direktiven seitens des verantwortlichen AWS würden aber ganz anders aussehen. Fischer: „Wer schnell hilft, hilft doppelt. Davon kann derzeit leider keine Rede sein. Auch die Bürokratie feiert fröhliche Urständ. Regierung, bitte handelt!“

Fischer abschließend: „Die Lage ist äußerst schwierig, wir hoffen aber auf die Treue unserer Kunden und dass die Regierung auf unsere Nöte eingeht und nachbessert! Aber eines gilt in jedem Fall: wir kämpfen weiter, denn: Aufgegeben wird nur ein Brief!“

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