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Onlinevertrieb als Retter in der Corona-Krise? Uneinigkeit in der Kfz-Branche

| Autor: Christoph Seyerlein

Schlägt in Zeiten, da viele Autohäuser wegen der Corona-Pandemie ihre Verkaufsräume geschlossen lassen müssen, die Stunde der Online-Fahrzeugshops? In der Kfz-Branche gehen die Meinungen dazu auseinander.

Stationär müssen viele Händler ihre Vertriebsabteilungen aktuell geschlossen lassen, der Online-Handel ist aber erlaubt.
Stationär müssen viele Händler ihre Vertriebsabteilungen aktuell geschlossen lassen, der Online-Handel ist aber erlaubt.
(Bild: J. Untch / Vogel Communications Group GmbH & Co. KG)

Viele Autohäuser und Motorradbetriebe müssen ihre Verkaufsabteilungen auf staatliche Anordnung hin wegen der Corona-Pandemie bis auf Weiteres geschlossen lassen. Der Online-Handel ist allerdings erlaubt. Schlägt nun also in der Autobranche die große Stunde des Internet-Vertriebs? Die Meinungen dazu gehen auseinander.

Thomas Peckruhn, Vizepräsident des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK), sagte zuletzt: „Es ist jetzt umso wichtiger, digitale Angebote noch weiter auszubauen, und dabei alle Register zu ziehen.“ So mancher Dienstleister wird bei solchen Aussagen hellhörig. Beispielsweise verkündeten sowohl Carbando als auch Carwow Ende der vergangenen Woche, eine verstärkte Nachfrage nach den eigenen Online-Lösungen aus dem Handel zu verspüren. Mobile.de-Chef Malte Krüger sagte im Gespräch mit »kfz-betrieb«: „Ich glaube schon, dass die aktuelle Krise in vielen Branchen zu noch mehr Digitalisierung führen wird. In einigen Bereichen macht sich das sicher auch beim Autohandel bemerkbar.“

Allerdings gab Krüger auch zu bedenken, dass er weiterhin fest an die Zukunft des klassischen Autohauses glaubt. „Hier findet der letzte und sehr wichtige Kontakt mit dem Kunden statt“, so der Mobile.de-Chef.

Im Handel will man den Online-Vertrieb aufgrund der aktuellen Lage zwar offensiver angehen, zeigt sich bei den Erwartungen – wenn überhaupt – aber nur vorsichtig optimistisch. Roman Still, Vorstandssprecher der Augsburger AVAG, erklärte gegenüber »kfz-betrieb«: „Wir wollen versuchen, Online-Verkäufe zu generieren – falls überhaupt gerade jemand online kaufen will.“

„Onlinehandel geht nicht nach oben – ganz im Gegenteil“

Jene Bereitschaft der Kunden stellt auch Jochen Scharf, Geschäftsführer der Autohausgruppe Feser Scharf in Hallstadt (Jaguar Land Rover) und der Autohausgruppe Metropol Automobile in Nürnberg (Kia), infrage: „Anders als ich erwartet hatte, geht der Onlinehandel mit Gebrauchtwagen nicht nach oben – ganz im Gegenteil.“

Auch eine Umfrage von »kfz-betrieb« bei Instagram brachte hervor, dass die Hoffnung, der Online-Vertrieb könnte als Krisen-Hemmer in die Bresche springen, längst nicht überall in der Branche vorherrscht. Von den 845 Umfrageteilnehmern gab nur eine knappe Mehrheit (54 %) Prozent an, davon überzeugt zu sein, die Krise könne den Online-Verkauf von Fahrzeugen befeuern.

Als problematisch dürfte sich aktuell auch im Online-Vertrieb das Thema Fahrzeugzulassung erweisen. Viele Zulassungsstellen sind entweder komplett geschlossen oder lassen nur sehr vereinzelt Autos zu. Der Verkauf droht deshalb bei manchem Händler bereits vollkommen zum Erliegen zu kommen.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf dem Online-Portal unserer Schwesternzeitschrift "kfz-betrieb".

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