Suchen

Ordern, als ob die Geldpresse im Keller steht oder Dampf ablassen?

Aus dem Tagebuch des »bike und business«-Chefredakteurs (KW 8/2018/I), Folge 573: Das freut mich sehr, wenn sich – was in der Regel allzu selten vorkommt – in der Branche jemand zu einem herzerfrischend...

Firma zum Thema

Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin.
Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin.
(Bild: Vogel Business Media)

...positiven Kommentar hinreißen lässt. So passiert jüngst im Rahmen der hier pulsierenden Diskussion über die Zukunft von Handel und Handwerks. Ich gebe das Statement hier gerne (fast) ungekürzt wider: „Eine gewisse Ironie macht das Leben leichter! Eine gewisse Hartnäckigkeit macht das Leben einfacher! Und eine gewisse Liebe zu den Menschen macht die Kunden und Lieferanten deutlich freundlicher! Wir sind nicht die Blöden, solange wir uns nicht dazu machen lassen! Und ja, wir gehören zu den Händlern, die sich auch über die aktuelle Situation ärgern...

Ins alte Handwerk investieren

Natürlich kostet es Nerven, die wir gerne für andere Sachen nutzen würden. Natürlich kostet es Zeit, die wir für Freizeit und 30 Tage Urlaub nutzen könnten und natürlich kostet es eventuell auch den einen oder anderen Kunden. Und natürlich ordern wir vor als, ob die Geldpresse im Keller stünde! Aber jede Branche muss dem Fortschritt folgen und jede Branche, die eine Chance haben möchte, muss auch ins ,alte Handwerk' investieren.“ O-Ton Ende. Köstlich. Ironisch. Positiv.

Die Medaille hat zwei Seiten

Das ist also die eine Seite der Medaille, ein im Grunde seines Herzens positiv gestimmter Unternehmer, der mit der Geldpresse im Keller, mit dem Schalk im Nacken und dem herzerfrischenden Mut zur Zukunft. Dieser Typ von Unternehmer sieht die aktuellen Schwierigkeiten und gewinnt Ironie geschwängert der prekären Lage sogar eine witzige Seite ab. Es gibt aber auch nach wie vor die andere Fraktion, deren Pessimismus schon fast fatalistische Züge angenommen hat. So zum Beispiel der Branchenkommentar, der mit folgendem Leidensszenario beginnt: „Mein Vater hat mir auch davon abgeraten, den Betrieb zu übernehmen. Es ist ein richtiger Mist, mit wem und wegen was man sich beim Geschäft andauernd herumärgern muss, gleich ob online oder im Laden. Wenn ich zehn Mann im Betrieb hätte, dann könnte ich den stets meckernden Kunden in Krawatte den ganzen Tag hinterher räumen. Dem ist aber nicht so.

Kampf gegen Behördenfuzzis und Paragrafenreiter

Außerdem habe ich besseres zu tun, als mich mit Behörden herumzuschlagen, die ein Lichtlabor zum Einstellen der Scheinwerferanlage in Werkstätten haben wollen – obwohl die Straßen kaputter und krummer sind als mein gestrichener Betonboden! Die Behördenfuzzis und Paragrafenreiter haben doch keine Ahnung davon, wie holprig sich ein Fahrzeug – gleich ob Auto oder Motorrad – über die Kuppen, Schlaglöcher und Bodenwellen unserer teilweise desaströsen Straßen bewegt oder beim Bremsen oder Beschleunigen auf- und abblenden kann. Diese Behördenwillkür ist nur ein Beispiel, warum sich keiner den Beruf des Zweiradmechanikers antun sollte. Des weiteren steht unser Job für schlechte Bezahlung, Selbstaufopferung, Stress, wenig Freizeit, Dauerfeuer in der Saison und Undankbarkeit der Kunden und Banken. Wie oft muss ich mir anhören, warum Sonntags nicht auf einen Anruf oder eine Mail reagiert wird, wieso Montags mein freier Tag ist, wieso Mittwochmittag kein Telefonsupport geleistet wird und warum das am Samstagnachmittag um 17 Uhr 30 angelieferte Fahrzeug nicht Montags ab 8 Uhr 15 fertig ist. Ernsthaft – bei mir steht Meisterwerkstatt über dem Tor, nicht Sozialdienst oder Touristikinfo!“

Was sind Sie für ein Typ

Zu welchem Typ gehören Sie – sind sie eher plus oder minus? Freue mich auf weitere Beschreibungen Ihrer Alltagssituation(en) und wie Sie die Zukunft ihrer Zunft bewerten. Unsere Einstellung dazu kennen Sie ja. Regen Sie sich auf und/oder regen Sie uns an, schreiben Sie mir.

Zurück in die Zukunft

Nochmal zurück zur Zukunft der Branche! Welche Erwartungen haben Sie für die Saison 2018? Dazu stimmen Sie bitte in unserer aktuellen Online-Umfrage auf der Homepage ab. Wir sind schon gespannt, in welche Richtung das Marktbarometer ausschlägt.

Unablässig daran erinnern möchte ich alle Motorradhändler und Werkstätten an die laufende Bewerbungsrunde zum Award „Motorradhändler des Jahres“ 2018, der erste Stichtag ist der 6. April. Stellen Sie sich auf den Prüfstand und nutzen Sie die Chance, durch unsere „Auditierung“ besser zu werden. Öffnen Sie das Zukunftsfenster. Wenn Sie uns lieber einen tollen Händler oder eine professionelle freie Werkstatt vorschlagen möchten, dann können Sie hier Ihren Vorschlag einreichen.

(ID:45144869)

Über den Autor