Petra Oberender: „Ich will meinen Job gut und erfolgreich machen“

Da gerät sogar Heiner Heidenwag ins Schwärmen

| Autor / Redakteur: Karin Schickinger / Stephan Maderner

Holte den zweiten Platz beim Award „Bike Woman of the Year“ 2015: Petra Oberender.
Holte den zweiten Platz beim Award „Bike Woman of the Year“ 2015: Petra Oberender. (Foto: Archiv/Petra Oberender)

Die Zweite des Awards Bike Woman of the Year, den »bike und business« gemeinsam mit der Community-Plattform Fembike.de, BMW Motorrad, Hermann Hartje KG und Harley-Davidson ausrichtete, heißt Petra Oberender. Sie ist jung, zierlich und fährt alles, was bei ihrem Arbeitgeber Auto- und Motorradhaus Mulfinger in Schorndorf herumsteht.

Redaktion: Wie bist du dazu gekommen, dich für den Award „Bike Woman of the Year“ zu bewerben?

Petra Oberender: Ich traf Frauke (Fembike-Herausgeberin, d. Red.) bei der BMW-Frauen-Marketing-Runde in Berlin und sie hat diesen Award dort vorgestellt. Anschließend hat sie mich darauf angesprochen, ob ich nicht mitmachen will. Meine Kollegen hier haben mich darin bestärkt, mich zu bewerben.

Und dann habt ihr gemeinsam das Video gedreht?

Genau, an Feierabend mit der Fotokamera eines Kollegen. Das Video ist ja relativ trashig geworden, das wollten wir so. Es soll richtig authentisch sein, so voll aus dem Arbeitsleben heraus.

Wie ging es dir beim Award selbst?

Ich war total aufgeregt. Als zum Schluss nur noch Sandra und ich auf der Bühne standen, das war schon cool. Sandra meinte, wir könnten auch beide gewinnen und uns der ersten Platz teilen. Aber ich finde, Sandra hat es total verdient, dass sie gewonnen hat. Aber ich hätte natürlich auch gern den ersten Platz gemacht.

Was ist deine genaue Berufsbezeichnung?

Ich bin Verkaufsberaterin Neu- und Gebrauchtmotorräder bei Mulfinger, einer großen Gruppe an mehreren Autohäusern und zwei BMW-Motorradfilialen, eine hier in Schorndorf, die andere in Michelfeld / Schwäbisch Hall.

Wie bist dazu gekommen, diesen Job zu machen?

Ich komme aus einer Motorradfamilie. Meine Mutter fährt eine Kawasaki 250 Eliminator, mein Bruder wechselt dreimal im Jahr seine Bikes und hat mich immer mitgenommen. So begann ich mit 18 eine Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau im Motorradbekleidungsbereich. Danach schloss ich noch eine Ausbildung zur Automobilkauffrau in einem Mehrmarkenbetrieb in Oberfranken an.

Mehrmarkenbetrieb heißt?

Das heißt, dass es viele verschiedene Motorradmarken wie Ducati oder Aprilia gab, aber auch Quads und ATVs. Dort war ich für Beratung und Verkauf zuständig. Nach vier Jahren bekam ich ein Angebot von Mulfinger in Schorndorf.

Du musstest dich nicht auf eine Stelle bewerben?

Nein, ein Verkäuferkollege hat mich empfohlen. In Motorradkreisen kennt man sich eben. Ich dachte, ich bin jung und ungebunden und bin 300 Kilometer von Zuhause weggezogen.

Wenn du in einem Motorradbetrieb arbeitest, fährst du natürlich selbst. Was für ein Motorrad besitzt du?

Klar fahre ich selbst, mit 19 habe ich den Führerschein gemacht. Mir persönlich gehört ein BMW-Oldtimer, genauer gesagt eine R 45 Baujahr 1980. Ein echtes Scheunenmotorrad, wie man so sagt, aber in meinem Fall war es ein Garagenmotorrad von einem älteren Herrn, der nicht mehr fahren konnte. Die R 45 richte ich gerade her.

Du schraubst also auch selbst?

Ich bin zwar keine ausgebildete Mechanikerin, aber ich schaue immer wieder den drei Mechanikerkollegen über die Schulter und so lerne ich viel. Und wenn ich nicht weiterkomme, helfen sie mir natürlich auch.

Auf den Fotos, die du mir geschickt hast, bist du auf anderen Motorrädern zu sehen.

Ja, ich habe hier einen echten Traumjob, denn ich kann fahren, was ich will. Alle Vorführmotorräder sowieso und wenn die Kunden ihre Neufahrzeuge nicht selbst einfahren wollen, dann erbarme ich mich schon mal (lacht).

Du bist zierlich und nicht sehr groß.

Ich bin 1,64 Meter groß, aber ich fahre alles. Es ist eine Frage des Muts und der Technik. Man muss sich nur trauen.

Dann muss ich gar nicht fragen, ob dich die Kunden hier auch Ernst nehmen.

Es kommt schon vor, dass sie am Anfang skeptisch sind, ich bin mit 27 Jahren noch jung. Doch die Skepsis hält sich nicht lang. Oft stellen sie ein paar Testfragen …

… Testfragen?

Technische Fragen wie die Leistung des Boxermotors, wie der Drehmomentverlauf aussieht oder ob sich die Schwungmasse verändert hat. Manchmal wollen Kunden, dass ich eine dicke BMW auf den Hauptständer aufbocke. Doch wenn sie sehen, wie ich eine R 1200 GS Adventure durch den Hof schiebe, ist die Skepsis schnell verflogen.

Dass du zweite beim Award geworden bist, wird deine Kompetenz auch noch unterstreichen.

Nachdem die Preisverleihung in den regionalen Motorradblättern gestanden hat, kamen einige Gratulationen von Kunden per E-Mail. Die Kunden erzählen auch weiter, wie gut sie sich bei mir aufgehoben fühlen. Heiner Heidenwag, ein Urgestein der Szene, Ex-Besitzer dieses Motorradbetriebs hier und lizensierter Erbauer von Troika-BMW-Gespannen hat mir gerade erst erzählt, dass viele Kunden mich schätzen. Das hat mich total gefreut.

Wie hoch ist der Prozentsatz an Kundinnen?

Ich würde sagen, es kommen ungefähr 20 Prozent Frauen zu uns. Tendenz steigend.

Lockt ihr diese mit speziellen Angeboten?

Wir veranstalten beispielsweise ein Slow-Motion-Training speziell für Frauen mit Bikercoach Astrid Herberg. Aber natürlich gibt es bei uns Events für alle Kunden. Diese zu organisieren, gehört auch zum meinem Job. Gerade bin ich dabei, den Veranstaltungskalender für 2016 zusammenzustellen. Ein Vortrag von Michael Martin zum Beispiel. Wir gehen oft mit Kunden nach Hechlingen in den Enduropark …

… daher das Foto, auf dem du so glücklich lächelst …

… genau, ich organisiere nicht nur die Fahrten, sondern fahre auch mit. Ende Januar fliegen wir nach Mallorca, zwei Tage Straße und einen Tag Offroad mit zwei Kunden, um zu testen, ob wir das in Zukunft anbieten sollen.

Du fährst nicht nur gern Offroad. Auf einem Foto bist auf der Rennstrecke zu sehen.

Das war auf dem Sachsenring bei einem Renntraining. Renntrainings finde ich sehr wichtig, um die eigenen Grenzen kennenzulernen. Was man sich sonst nicht traut.

Wie viele Wochenenden sind bei dir für den Job verplant?

Wenn ich die Messeauftritte dazu zähle, dann kommen mindestens zwölf bis 13 Wochenenden zusammen. Mein Job ist ein Sechs-Tage-Job. Und dann werde ich auch noch oft von Kunden zu Stammtischen oder einem Weinevent eingeladen.

Wie sehen deine Zukunftspläne aus?

Für mich privat plane ich eine große Motorradreise durch Irland, Schottland und England. Und beruflich möchte ich das, was ich mache, noch lange gut und erfolgreich machen.

Das Interview führte Karin Schickinger für Fembike.de.

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