Peugeot Metropolis 400 RX-R: Dreirad-Franzose macht dem Rivalen Dampf

Neuer Angriff auf den Marktführer aus Italien

| Autor / Redakteur: Norbert Meiszies / Elena Koch

Peugeot modernisiert seinen Dreirad-Roller Metropolis.
Peugeot modernisiert seinen Dreirad-Roller Metropolis. (Bild: Peugeot)

Seit mittlerweile vier Jahren versucht Peugeot, mit seinem Dreirad-Roller Metropolis 400 dem Piaggio-Bestseller MP3 ernsthaft Konkurrenz zu machen. Um den bisherigen Abstand zu verringern, wurde der Dreiradler für 2017 im Detail kräftig überarbeitet und mit ABS und Traktionskontrolle ausgestattet.

Vor vier Jahren, im März 2013, kam der Peugeot Metropolis erstmals auf die Straße. Damit betraten die Franzosen gleich doppeltes Scooter-Neuland: Nie zuvor gab es bei ihnen eine Fahrwerkskonstruktion mit drei Rädern, und erstmals setzten sie den neuen Motor LFE 400i, den bis dato größten Zweirad-Antrieb aus der französischen Entwicklungsabteilung ein. Drumherum strickten die Gallier eine äußerst moderne Hülle mit LED-Leisten und LED-Tagfahrlicht sowie einem markanten Kühlergrill, der die Nähe zur Automobil-Abteilung optisch dokumentiert. Wie ein moderner PKW strotzt auch der Peugeot-Scooter vor innovativen Ausstattungsdetails, die vom schlüssellosen Smart Key über eine elektrisch betätigte Feststellbremse bis zum kompletten Cockpit mit Reifendruckkontrollsystem reichen.

Peugeot setzt zum Überholen an

Es hätte ein richtiger Verkaufs-Knaller werden können, wenn nicht schon 2006 die Italiener mit ihrem Piaggio MP3 etwas schneller gewesen wären und dank einer Gesetzeslücke, die das Fahren dieser Rollergattung nur mit dem Pkw-Führerschein erlaubte, den Dreirad-Markt seitdem beherrschen. Selbst in Mutterland Frankreich, wo sich der MP3 im vergangenen Jahr mehr als 6.000 Mal verkaufte, hinkt der Metropolis mit 1.500 Einheiten hinterher, in den anderen europäischen Ländern sieht es nicht anders aus. Das könnte sich aber nun vielleicht ändern. Der 2017er-Metropolis ist kaum wiederzuerkennen. Zwar besaß er schon bisher eine ausgezeichnete Stabilität, bei schnellen Fahrbahnwechseln agierte er aber recht träge und verlangte reichlich Lenkhilfe und Körpereinsatz des Fahrers, um ihn in Schräglage zu bringen.

Jetzt aber reagiert der Dreiradler fast so wie einen herkömmlichen Scooter mit zwei Rädern. Lenkbefehle werden wesentlich direkter umgesetzt, der Metropolis offeriert eine bisher nicht gekannte Agilität. Um das zu erreichen, haben die Techniker tief in die Trickkiste gegriffen und dem Dreiradler mit verschiedenen Kniffen Beine gemacht. Die bekannte Fahrwerkskonstruktion aus Stahlrohrrahmen, zwei Dreieckslenkern mit horizontalem Federbein vorn sowie Triebsatzschwinge und zwei Federbeinen hinten besteht weiterhin. Der Rohrrahmen kommt in der Front durch einige Modifikationen, die kaum auffallen, um etwa 50 Prozent steifer daher. Der entscheidende Eingriff sind die auf 13 Zoll vergrößerten Vorderräder, die mit schmaleren Michelin-Reifen in der Dimension 110/70-13 bestückt sind. Zudem finden weichere Federn in den Dämpfern Verwendung. Die Anpassungen zeigen die erwünschte Wirkung.

Emissionen und Benzinverbrauch runter

Denn auch beim Antrieb haben die Ingenieure Hand angelegt. Allein schon wegen der seit 1. Januar geltenden Abgasnorm Euro 4 war dies nötig geworden. Eingriffe in den 399-Kubik-Einzylinder-Viertaktmotor wie z.B. eine neue Nockenwelle mit geringerer Reibung, eine neu abgestimmte Einspritzanlage von Dell’Orto und ein neuer Katalysator mit Sauerstoffsensor verringern nicht nur die Emissionen, die Franzosen glauben, damit auch den Benzinverbrauch reduziert zu haben. Der soll laut Prüfzyklus bei 3,9 Litern auf 100 km liegen. Die Verbrauchsanzeige im Cockpit wies bei den ersten Testfahrten allerdings 4,9 Liter für 100 Kilometer aus – immer noch ein guter Wert.

Die Modifikationen am Motor sind im Fahrbetrieb durchaus spürbar. Die Maximalleistung hat sich zwar um eins auf knapp 36 PS (ca. 26 kW) leicht verringert, dafür zeigt sich der Drehmomentverlauf optimiert. Der 400er reagiert etwas behäbig beim Spurt aus dem Stand, die lange Übersetzung und das hohe Gewicht von 265 kg fordern ihren Tribut. Aber die Leistungsentfaltung ist gleichmäßiger, Gasbefehle werden spürbar in Vortrieb umgesetzt.

ABS und Traktionskontrolle ergänzen das Modell

Zu den auffälligsten Neuerungen gehört die Einführung von ABS und Traktionskontrolle. Dabei greifen die Franzosen auf die Erfahrungen von Continental zurück, die das ABS-Modul zuliefern. Zusammen mit einer auf 23 cm vergrößerten Bremsscheibe vorn, größeren Bremskolben und neuen Bremsbelägen soll sich der Bremsweg aus einer Geschwindigkeit von 50 km/h um über 20 Prozent verkürzen gegenüber dem bisher verwendeten Kombibremssystem. Unauffälliger agiert die Traktionskontrolle, die in zwei Stufen „Urban” und „Sport” eingestellt bzw. ganz ausgeschaltet werden kann.

Bei der Ausstattung ließ bereits der Vorgänger kaum Wünsche offen. Geschmacklich angepasst wurde das großzügige Cockpit durch eine neue Farbgebung sowie Signallämpchen für ABS und TCS. Unangetastet blieb das vertraute und praktische Arretierungssystem der beiden Vorderräder, das es im Stand erlaubt, die Beine auf dem flachen Trittbrett zu belassen, ohne dass der Roller umkippt. Ein USB-Anschluss ersetzt die 12-Volt-Buchse im absperrbaren Handschuhfach und ein Reifendruck-Prüfer schlägt Alarm, sobald dem Metropolis die Luft ausgeht. Die Elektronik des SmartKeys, der das schlüssellose Starten des Dreirads ermöglicht, wurde zudem aktualisiert, um die Funktion störungsfrei zu machen. In der Vergangenheit hatte es diesbezüglich teilweise Aussetzer gegeben.

Standard, extravagant oder sportlich

Peugeot bietet den Metropolis in drei Versionen an: als Standardmodell mit hoher Windschutzscheibe, als RS mit Sonderlackierung sowie als sportlichen RX-R in Matt-Schwarz mit kleinerer getönter, höhenverstellbarer Scheibe. Alle drei Varianten gibt es ab sofort zum gleichen Preis von 9.600 Euro.

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