Piaggio: Kult in zweiter Generation

Fahrbericht des Piaggio MP3 350/500

| Autor / Redakteur: Ulf Böhringer/SP-X / Viktoria Hahn

Ein Blick aufs Navi.
Ein Blick aufs Navi. (Bild: Piaggio)

Piaggio hat es geschafft, den dreirädrigen MP3 zumindest in Paris zum Kultmobil zu machen. Künftig gibt es ihn mit stärkerem Halblitermotor. Zudem löst der neue 350er den 300er ab.

Kaum jemand hätte sich 2006 getraut, auf den Erfolg des Piaggio MP3 zu setzen. Denn die Zweiradwelt reagierte auf den Dreirad-Roller der Italiener mit vereintem Kopfschütteln. Wer sich heute aber zum Beispiel ein paar Minuten auf dem Pariser Place Charles de Gaulle aufhält und den um den Triumphbogen zähflüssig kreisenden Verkehr beobachtet, bemerkt zwar immer noch eine Mehrheit von konventionellen Rollern, aber ähnlich viele MP3 wie Motorräder. Rund 100.000 der bislang 170.000 produzierten MP3 wurden in den letzten zehn Jahren im Großraum Paris zugelassen, wo dieses Fahrzeug mittlerweile eine Art Kultstatus erreicht hat. Kein Wunder also, dass Piaggio die jüngste Generation des Dreirad-Rollers nicht in Mailand oder Rom präsentiert (wo MP3 eher rar sind), sondern in Frankreichs Hauptstadt.

(Un)verändert

Das Wichtigste vorweg: Auch die neue Generation ist ein typischer MP3 geblieben, ganz gleich ob als leicht erstarkter 500er (10.390 Euro) oder als neuer 350er (8.690 Euro); Letzterer ersetzt den doch etwas schwächlichen 300er. Die Bedienung sowohl des Fahrwerks-Verriegelungs-Mechanismus wie der Feststellbremse ist unverändert, das sehr stabile und damit sichere Fahrverhalten dem der Vorgängermodelle ähnlich. Niemand, der jemals einen MP3 gefahren ist, muss sich also umstellen. Unverändert ist auch, dass man alle MP3-Modelle mit dem Pkw-Führerschein fahren darf, sofern man älter als 21 Jahre ist – die sicherlich wesentlichste Voraussetzung für den Erfolg der Dreirad-Roller.

Die Neuerungen

Dennoch warten die neuen Piaggio-Modelle mit Veränderungen auf: Neben den neuen Motoren sind das vor allem solche an der Ausstattung, am Sitz und am Windschild. Besonders eindrucksvoll geriet der neue 350er, übertrifft der neue Antrieb doch die Leistungsdaten des Vormodells um bis zu 45 Prozent. Angesichts des beträchtlichen Gewichts – bislang 245, nun 256 Kilogramm – ist das Plus von fast 10 PS wie auch das deutlich höhere Drehmoment auf der Straße sofort fühlbar. Im Stadt- wie auch im Überlandverkehr darf man sich mit dem MP3-350 mit nun knapp 31 PS Maximalleistung als vollwertiger Verkehrsteilnehmer fühlen, denn der Motor zieht die schwere Fuhre vom Stand weg energisch nach vorne. Und er wird nicht schon bei 100 km/h asthmatisch, sondern legt weiter zu, bis bei 130 km/h tatsächlich Schluss ist – bislang war dies bereits bei 118 km/h der Fall. Wer also auf dem Weg zu seinem Ziel auch Schnellstraßen zu befahren hat, ist mit dem neuen 350er deutlich besser bedient als mit dem 300er. Dabei bleiben die Vibrationen des Einzylindermotors bescheiden.

Mehr Leistung

Natürlich bringt der 13 PS stärkere Halbliter-Motor des MP3-500 mehr Leistung, doch ist die Leistungslücke zwischen beiden Versionen nun deutlich kleiner geworden. Zudem wirkt der erneut schwerer gewordene MP3-500 – Piaggio gibt das Leergewicht nun mit 275 Kilogramm an – im Pariser Nahverkehrs-Kampf doch etwas fordernder; mit dem MP3-350 ist man auf engem Raum besser dran, weil weniger Masse zu dirigieren ist. Freilich: Wer viel Schnellstraßenanteil zu bewältigen hat, ist mit dem 44 PS leistenden und dabei 145 km/h schnellen MP3-500 besser dran – bei nominell fast gleichem Benzinverbrauch von rund vier Litern auf 100 Kilometer. Nicht unbeträchtlich ist allerdings der Preisunterschied von mindestens 1.700 Euro zwischen der 350er und der 500er-Version.

Der Feinschliff

Die verbesserte Ausformung der Sitzbank, die neuen Sozius-Haltegriffe wie auch das nun die Hände etwas besser schützende Windschild sind beiden Hubraumversionen gemein. Die Änderungen fallen nicht wirklich auf, sondern sind echter Feinschliff.

Neu ist, dass es den MP3-500 in zwei Ausstattungsversionen gibt: In der „Sport“-Version sind Gasdruck-Stoßdämpfer montiert, deren Leistungsvermögen etwas höher sein sollte als das der Dämpfer in der „Business“-Version; beurteilen können wir das bislang nicht, weil wir nicht beide Versionen fahren konnten. Die immerhin 300 Euro Mehrpreis des „Sport“ sollten aber normalerweise einen deutlichen Niederschlag finden. Das Plus der Business-Version ist die serienmäßige Ausrüstung mit einem einfachen Navigationssystem; es stammt von TomTom, nennt sich Vio und wird mittig am Lenker montiert. Die Pfeil-Navigation ist vollkommen ausreichend, um das eingegebene Ziel anzusteuern. Für die anderen MP3-Versionen ist das Vio-System als Zubehör erhältlich.

Der deutsche Markt

Trotz des deutlichen Plus an Leistung der kleineren Version des MP3 und trotz der Preisdifferenz wird wohl in Deutschland auch künftig der MP3-500 das Rennen um die Käufergunst für sich entscheiden. Deutsche MP3-Fans schätzen Souveränität deutlich mehr als ein kleines Plus an Handlichkeit. In jedem Fall hat Piaggio dafür gesorgt, dass die Attraktivität des den Markt dominierenden Dreirad-Rollers gewahrt bleibt, was bei den Neuzulassungen auch künftig den zweiten Platz hinter der ewigen Vespa 300 gewährleisten sollte.

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