P.S. Ich liebe Dich

Frauen am Lenker

| Autor / Redakteur: Kathrin Koltunow / Stephan Maderner

Die Powerfrauen der Branche feiern in Würzburg die „Bike Woman of the Year“ 2019. Der »bike und business«-Chefredakteur jubelt mit.
Die Powerfrauen der Branche feiern in Würzburg die „Bike Woman of the Year“ 2019. Der »bike und business«-Chefredakteur jubelt mit. (Bild: J. Untch/»bike und business«)

Sie haben Benzin im Blut und Motorrad im Herzen: die Teilnehmerinnen der diesjährigen „Bike Woman of the Year“-Verleihung. Über den Versuch, mit dem Klischee der Männerdomäne zu brechen.

Rosa-rötlich schimmernde Lichter durchfluten den Raum, der mit fein gedeckten Tischen, einem Buffet und groß aufgebautem Bühnenbild hergerichtet ist. Sekt- und Weingläser klirren, Besteck klappert in undurchdringbaren Taktschlägen auf den Böden der Teller. Es riecht nach einer Mischung aus geöffneten Wein- und Bierflaschen, Caprese-Salat und Antipasti-Vorspeisen. Über 300 geladene Gäste schauen erwartungsvoll Richtung Bühne, als mit einem lauten Knall Konfetti in die Luft jagt und verkündet wird: Irene Kotnik ist Bike Woman of the Year 2019!

Bereits zum fünften Mal fand dieses Jahr die Preisverleihung der »bike und business« für Powerfrauen der Zweiradbranche in Würzburg statt. Die Abendveranstaltung, die neben der „Bike Woman of the Year“ auch noch die „Best Brands“ und den „Motorradhändler des Jahres“ kürte, bildete den stimmungsvollen Ausklang der Fachtagung.

„Ich bin mehr als glücklich über das Ergebnis“, verkündet Irene nach ihrem Auftritt mit strahlenden Augen. Die Berlinerin hatte eigentlich nichts mit Motorrädern am Hut, als sie vor zehn Jahren den Entschluss fasste, ihren Papa auf einem Biker-Roadtrip quer durch die Staaten zu begleiten. Dies war der Startschuss für eine Serie von Trips und Festival-Besuchen, bis sie 2016 mit „The Curves“ ihren eigenen Club und später mit „Petrolettes“ das europaweit erste Bike-Festival nur für Frauen gründete. Ihr Ziel: mit dem Stereotyp einer Männer-dominierten Motorradwelt zu brechen und den weiblichen Geist im Sport zu stärken. „Für mich ist es der Austausch mit Frauen – es ist eine ganz andere Augenhöhe. Ich muss mich nicht profilieren oder die Ellbogen raushalten. Man wird einfach anders wahrgenommen und aufgenommen“, so die Gewinnerin.

Motorrad-Fahren galt lange Zeit als Männersache: Laut Untersuchungen des Auto Club Europa lag der Anteil der auf weibliche Halter zugelassenen Maschinen 2011 bundesweit bei nur knapp 14 Prozent. Doch die Damen holen auf: nach Angaben des Industrieverbands-Motorrad-Deutschland (IVM) waren 2014 bei Krafträdern 18,4 Prozent und bei Leichtkrafträdern sogar 24 Prozent mehr Fahrzeuge auf Frauen zugelassen als noch im Vorjahr. Einen Grund für diese Entwicklung sieht Irene in der Gemeinschaft: „Wenn du in einer Community bist, die ähnliches erfahren hat, merkst du, du bist erstens nicht alleine und zweitens auf dem richtigen Weg“.

Dass der Spaß am Fahren und die Lust des Adrenalin-Kicks längst in der Damenwelt angekommen sind, beweist auch Patricia Ackerschott, Zweitplatzierte des Abends. Nach einem Einkauf bei Louis vor elf Jahren war sie so begeistert vom Zubehör-Lieferanten, dass sie dort als Trainee anfing und nach sechs Monaten bereits die Filiale übernahm. Mittlerweile ist sie in der hauseigenen Akademie als Trainerin tätig und liebt daran vor allem die Vielfalt: Für Tagesschulungen reist die Hamburgerin nämlich zu Louis-Filialen im In- und Ausland, um Mitarbeiter für neue Produkte zu begeistern. Ihre Motorräder, eine Yamaha MT-09 und eine Suzuki VS-1400, gehören für sie mit zur Familie: „Im Winter, wenn es draußen kalt ist, stehen sie bei mir im Wohnzimmer. Darüber mag sich der eine oder andere lustig machen, aber das ist mir egal“, sagt sie.

Susanne Scholz, die den dritten Platz ergatterte, punktete vor allem mit ihrem Bewerbungsvideo: Der anderthalbminütige Trailer zeigt die 56-jährige unter anderem dabei, mit ihrer Harley-Davidson die Straße entlang zu brettern. Zusammen mit ihrem Mann ist sie passionierte Händlerin für die Marke und leitet seit mittlerweile 16 Jahren das Unternehmen SMS Westpoint Harley-Davidson Augsburg. Als Ansprechpartner für Kunden und Personal ist Susanne dabei der Dreh- und Angelpunkt im Unternehmen. Soziales Engagement liegt ihr jedoch genauso am Herzen wie das Tagesgeschäft: Mit ihrem Mann unterstützt sie unter anderem das Projekt „Helping Hoofs“, das blinden und kranken Kindern und Erwachsenen Reittherapien bietet. Ihr ist es wichtig, den Frauen in der Branche mehr Aufmerksamkeit zu schenken: „Wir leisten tagtäglich viel in unserem Job und ich finde es kommt zu wenig nach außen. Das ist jetzt die Möglichkeit uns nach vorne zu bringen“.

Auch Annika Gramlich, die es unter die Top-5 der insgesamt 30 Bewerberinnen geschafft hat, will weg von der Männer-dominierenden Perspektive der Biker-Welt und gründete 2018 mit „She is a Rider“ ein Online-Magazin extra für die Bedürfnisse zweiradliebender Frauen. Dass die Geschichten, Neuigkeiten und Tests etwa 30.000 Klicks und 100.000 Kontakte pro Monat erreichen, zeigt, wie schnell das Interesse der Community innerhalb der letzten zwei Jahre gewachsen ist. Warum sie sich als Bike Woman beworben hat? „Weil es mir nicht um mich geht. Ich möchte gern mehr Frauen auf Motorrädern und hier beim Award sehen und dachte ich gehe mit gutem Beispiel voran“, so die Berlinerin.

Das Urteil der Jury fiel knapp aus, am Ende war es ein Kopf an Kopf Rennen zwischen den ersten drei Damen. Ursula James, Jurymitglied und Projektleiterin der Tagung, erklärt: „Entscheidend für uns war, welche der Powerfrauen am meisten für die Branche und für Frauen in der Branche tut. Wie sie Beruf und Familie vereinbart – einfach das Gesamtpaket“. Nach einer vierstündigen Sitzung in diesem Jahr fiel die Wahl dann letztlich auf die „Petrolettes“-Gründerin: „Irene motiviert so viele Damen mit ihrer Leidenschaft und das verdient eine Auszeichnung wie ‚Bike Woman of the Year‘. Ich bin stolz, dass wir sie und auch die anderen Mädels an diesem Abend noch mehr zum Strahlen bringen konnten“, so James.

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