Pure Power, wenig Gewicht

Der Supersportreifen Michelin Power Pure soll der leichteste seiner Klasse sein

05.05.2010 | Autor / Redakteur: Jan Rosenow / Jan Rosenow

Viel Luft, wenig Gummi? Der Michelin Power Pure ist der leichteste Reifen seiner Klasse.
Viel Luft, wenig Gummi? Der Michelin Power Pure ist der leichteste Reifen seiner Klasse.

Mit einem Satz der Supersportreifen Power Pure soll ein Motorrad gleich ein Kilogramm leichter sein als mit anderen Reifen, verspricht Michelin. Ob der leichte Reifen auch gut haftet, zeigten Testfahrten auf dem Nürburgring.

Gewichtstuning an Supersport-Motorrädern ist für gewöhnlich teuer – besonders, wenn es die wichtigen ungefederten Massen verringern soll. Filigrane Schmiederäder oder spezielle Bremsanlagen kosten schnell einen vierstelligen Betrag, um dann doch nur ein paar wenige Pfunde abzuschmelzen.

Da klingt das Angebot sehr verlockend, mit einem einfachen Reifenwechsel gleich ein ganzes Kilogramm abzutrainieren. Laut Michelin liegt das Durchschnittsgewicht eines Reifensatzes 120/70 ZR 17 und 190/50 ZR 17 des neuen Supersportreifens Power Pure, verglichen mit dem Durchschnittsgewicht der Hauptkonkurrenten, um ein Kilogramm niedriger. Respekt.

Der konstruktive Kniff dahinter ist die Light Tire Technology, wie Michelin sie nennt. Sie besteht aus zwei Hauptelementen: Zum einen lösen dünne Aramidfäden in der Gürtellage früher verwendeten Stahl ab, und zweitens haben die Ingenieure die Dicke der Seitenwand und des Unterbaus verringert. Die Profiltiefe und damit die Lebensdauer hat Michelin allerdings nicht angetastet.

Leichtere Reifen haben gleich zwei Vorteile: Sie senken des Massenträgheitsmoment des sich drehenden Rades und verringern somit den Widerstand, den das Rad dem Motor beim Beschleunigen entgegensetzt. Michelin spricht von zehn Prozent weniger Massenträgheitsmoment. Außerdem macht dieser Effekt das Motorrad handlicher.

Zweitens verbessern geringere ungefederte Massen – zu denen der Reifen samt Rad und Bremse gehört – die Fahreigenschaften, weil die Federung das Rad besser auf dem Boden halten kann und es damit mehr Grip liefert.

Testfahrt auf dem Nürburgring

So weit die Theorie. Doch wie funktioniert der Power Pure in der Praxis? Dazu hatte Michelin gemeinsam mit der Motorradzeitschrift MO auf den Nürburgring geladen, wo Reifenhändler, Pressevertreter sowie ganz normale Motorradfahrer dem Neuling ans Profil gehen konnten. Der Testfuhrpark umfasste mehrere Modelle von BMW – darunter die nagelneue und eindrucksvolle S 1000 RR – sowie diverse Supersportler von Yamaha, Suzuki und Kawasaki.

Doch beinahe schien das Wetter den 190 Teilnehmern einen Strich durch die Rechnung zu machen. Am Morgen des 4. Mai hüllte dichter Nebel den Grand-Prix-Kurs am Nürburgring ein; die Temperatur schaffte es nur knapp über die Null-Grad-Marke.

Erst gegen Mittag hatte sich die Sicht so weit verbessert, dass an Rennstreckenfahren zu denken war; auch die Fahrbahn trocknete schnell ab. Die Temperaturen blieben allerdings einstellig und sorgten dafür, dass die Reifen einige vorsichtig gefahrene Runden brauchten, um Grip aufzubauen.

Auf den leichteren Maschinen wie der F 800 R, dem Sportboxer HP 2 und dem Superbike S 1000 RR lieferte der Power Pure eine tadellose Vorstellung ab. Außerordentlich handlich und trotzdem stabil bildete er zwar eine perfekte Einheit mit den Sportmotorrädern, konnte sich nach Meinung erfahrener Fachjournalisten allerdings kaum von seinem ebenfalls gelungenen Vorgänger Pilot Power 2CT absetzen.

Die über 250 Kilogramm schwere BMW K 1300 S, die ebenfalls zum Testfuhrpark gehörte, brachte den Supersportreifen dann an seine Grenzen, die er mit einem schwammigen Fahrgefühl bei starker Schräglage allerdings rechtzeitig ankündigte.

Viel mehr „Kurvengummi“

Dabei hat Michelin seine Zweikomponententechnik – eine Lauffläche mit einem abriebfesteren Gummi in der Mitte und einem weicheren, haftfreudigen an den Schultern deutlich weiterentwickelt. Beim Vorgängerprodukt kam die weiche Mischung erst dann ins Spiel, wenn der Fahrer mit einer Schräglage von 40 Grad fuhr – und das ist auf öffentlichen Straßen schon ziemlich viel. Dem Power Pure haben die Michelin-Ingenieure viel mehr „Kurvengummi“ mitgegeben: Schon bei 24 Grad Schräglage läuft der Reifen komplett auf der weichen Mischung. Trotzdem verspricht Michelin die gleiche Laufleistung wie beim Vorgänger.

Der Michelin Power Pure ist bereits im Handel und in den üblichen Supersportformaten 120/60 ZR 17 und 120/70 ZR 17 (Vorderreifen) sowie 160/60 ZR 17, 180/55 ZR 17, 190/50 ZR 17, 190/55 ZR 17 (Hinterreifen) zu haben.

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