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Quick and dirty: Film ab!

| Autor / Redakteur: Svenja Hörath / Dipl. sc. Pol. Univ. Stephan Maderner

Videos werden immer beliebter. Auch Motorradhändler kommunizieren so mit ihren Kunden. Dabei muss es nicht immer ein teures Filmset sein. Mit minimalem Aufwand kann maximaler Nutzen erzielt werden, so Anna Stelzenmüller.

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Workshop „Videos schneiden für Motorradhändler leicht gemacht“ – mit Anna Stelzenmüller hinter und Laura Marko vor der Tablet-Kamera.
Workshop „Videos schneiden für Motorradhändler leicht gemacht“ – mit Anna Stelzenmüller hinter und Laura Marko vor der Tablet-Kamera.
(Bild: Johannes Untch/Vogel Communications Group)

Blau-graue Augen schauen aus dem schwarzen Helm hervor, eine Hand in Schutzkleidung liegt auf dem Gas. „Shut up and sit down“, fordert eine Stimme im Hintergrund. Dann ertönt rockige Gitarrenmusik und schon donnert das schwarz-rote Motorrad durch die Straße im Wald. Es ist ein wolkenloser Tag, die Sonne scheint. Die Straße ist bis auf das Motorrad komplett leer, die Bäume am Wegrand fliegen nur so vorbei. Das Motorrad kommt vor einem Laden zum Stehen und die Fahrerin nimmt den Helm ab. Die Musik stoppt abrupt. Mit ihren kurzen hell blondierten Haaren, an den Seiten einrasiert und ein Piercing am Ohr, schaut sie herausfordernd in die Kamera. Im Wiener Dialekt begrüßt sie die Zuschauer: „Griaß eich, ich bin Laura Marko, 38 Jahre alt, Marketing Managerin bei der Faber GmbH. Und seit etwa zehn Jahren unheilbar mit dem Zweirad-Virus infiziert.“

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Die Szene ist der Anfang ihres Bewerbungsvideos für den Award „Bike Woman of the year“, der jedes Jahr auf der Fachtagung bike and business in Würzburg vergeben wird. So auch im November diesen Jahres. Laura Marko holt mit ihrer Bewerbung die Silbermedaille. Kein Wunder, denn obwohl die Powerfrau mit ihren 1,54 Metern eigentlich zu klein für die meisten Bikes ist, lässt sie sich trotzdem nicht vom Fahren abhalten. „Nur weil etwas schwieriger für mich ist als für andere, hält es mich nicht davon ab, es trotzdem zu versuchen“, betont sie.

Das gilt bei ihr auch für das Produzieren des Videos, denn Laura hatte davor nie mit Filmproduktionen zu tun. Dabei werden Kurzfilme in der Kommunikationsbranche immer wichtiger, auch für Motorradhändler. Das wurde auf der Fachtagung klar. Dennoch schrecken viele noch vor dem Schritt der Eigenproduktion zurück, wobei sich gute Videos mittlerweile kostengünstig und mit wenig Aufwand produzieren lassen. Gleichzeitig sind sie für die Händler aber von großem Nutzen. Warum werden sie immer wichtiger?

Kunden mögen Videos

Der Grund ist simpel: „Jeder hängt nur noch am mobilen Endgerät und dort werden hauptsächlich Videos abgespielt,“ erklärt Anna Stelzenmüller. Die 47-Jährige arbeitet seit zehn Jahren in der Videounit der Vogel Communications Group und produziert Videos für Redaktionen und Kunden. „Kunden lieben Videos und wollen sie sehen. Nicht nur auf ihrem Desktop, sondern auch auf ihren mobilen Endgeräten“, verrät die Produktionsleiterin. Jeder Dritte sehe täglich Online-Videos. Studien zeigen außerdem: Über die Hälfte der Kunden erwarten bei Online-Inhalten von Unternehmen Videos. Geschaut werden sie vor allem über die Plattform YouTube. Allerdings seien der Kanal und der Inhalt des Videos abhängig von der Zielgruppe, so Stelzenmüller. Weitere Gründe für Videos seien die steigende Kaufbereitschaft und die bessere Erinnerung an audiovisuelle Inhalte als an Texte. Außerdem würden Inhalte mit Videos bei Google besser gefunden und bewertet werden. „Überall gehen Videos in den Nutzerzahlen nach oben. Unterhaltsame und lustige Inhalte sind dabei besonders gefragt“, weiß die Expertin.

Laura hat ihr Bewerbungsvideo mit einem professionellen Schnittprogramm geschnitten, beigebracht hat sie sich das selbst. Ihre Bewerbung war für sie der Auslöser, sich mehr mit dem Thema Videoproduktion zu befassen. Doch für ein gutes Video braucht es nicht zwingend ein kompliziertes Schnittprogramm. Professionelle Filmsets seien ein großer Aufwand – finanziell und personell, erklärt Anna Stelzenmüller. Videos würden sich auch ganz leicht mit einem Gerät produzieren lassen, das alle in der Tasche haben – nämlich mit dem Handy.

Apps für den Einstiegsregisseur

Als Einstieg in den Filmschnitt eignen sich vor allem Apps. Mit dem Handy lassen sich Kurzfilme leicht aufnehmen und schneiden. Die Videos könne man außerdem sofort auf den Social Media Kanälen publizieren, erklärt die Expertin. „Für den Einstieg gibt es nichts besseres!“ Eine dieser Apps ist Apple Clips. Dort lassen sich Kurzfilme einfach produzieren und teilen, indem Aufnahmen in die App eingefügt und zu einem Film zusammengestellt werden. Die einzelnen Sequenzen lassen sich bearbeiten, beispielsweise können Filter angewendet oder Emojis eingefügt werden, ähnlich wie bei Social Media-Kanälen. Zusätzlich kann lizenzfreie Musik unter den Film gelegt werden, die bei Sprechsituationen automatisch leiser wird. „Diese App ist wirklich gut durchdacht“, lautet das Fazit von Stelzenmüller.

Diese Art von Videos würden die Händler beispielsweise bei neuen Produkten einsetzen können oder bei Themen, über die die Kunden schnell informiert werden sollen. Die Motorradhändler können praktische Kurzfilme drehen, also zum Beispiel Videos, wie man Reifen wechselt. „Es ist so einfach und schnell hochproduziert, dass sie das in ihrem Alltag nicht nur gut gebrauchen können, sondern auch einsetzen sollten“, rät Stelzenmüller den Händlern. In nicht einmal einer Viertelstunde lassen sich die Kurzfilme erstellen. „Einfacher geht’s nicht und auch kostengünstiger nicht“, fasst sie zusammen. Minimaler Aufwand mit maximalem Nutzen.

Immer nur quer filmen

Allerdings gibt es auch hier einige Regeln, die die Hobby-Produzenten beachten sollten. Der Inhalt und der Kanal müssen zum Beispiel auf die Zielgruppe abgestimmt werden und sollten Teil der Social-Media-Strategie sein, damit das Video eine möglichst hohe Reichweite hat. Außerdem sollten Filme immer im Querformat aufgenommen werden, damit sie auf verschiedenen Kanälen gespielt werden können. Wer die Handyproduktion professioneller betreiben möchte, sollte sich weiteres Equipment zulegen. Beispielsweise ein Mikrofon, das die Umwelteinflüsse besser filtern kann als Handymikrofone.

Laura Marko sieht die Handyproduktion als vielversprechende Möglichkeit an. „Wenn man auf die Schnelle etwas machen muss, ist es sicherlich eine gute Lösung“, fasst die taffe Blondine zusammen. Quick and dirty eben. Sie hat jedenfalls das Handwerk gelernt für den Schnitt des nächsten Videos, in dem sie auf ihrem schwarz-roten Motorrad durch die Wälder heizt.

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