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Rad am Ring: Mit dem Pedelec durch die grüne Hölle

Autor / Redakteur: Heiko Truppel / Lena Hofbauer

Auf dem Nürburgring mit einem elektrischem Zweirad unterwegs beim 24-Stunden-Rennen in der „Grünen Hölle“ – eine Reportage.

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Und los geht's: Das Hot Rod ist ganz vorne mit dabei.
Und los geht's: Das Hot Rod ist ganz vorne mit dabei.
(Foto: pressedienst-fahrrad.de)

Dem Mythos der Nürburgring-Nordschleife, der legendären „Grünen Hölle“, kann man sich kaum entziehen. Nicht einmal dann, wenn man dem Auto weitgehend abgeschworen hat und sich die PS-Begeisterung der Jugend nicht länger auf Pferdestärken bezieht, sondern auf pedalgetriebenen Schub. Heiko Truppel, Redakteur beim pressedienst-fahrrad, war daher sofort bereit, beim 24-Stunden-Rennen „Rad am Ring“ in der E-Bike-Klasse für das „Felt Factory Team“ an den Start zu gehen. Hier seine Reportage:

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„Die Grüne Hölle macht ihrem Namen keine Ehre. Sie ist blauschwarz und kalt. Sturzregen und Sturmböen peitschen die Wechselstation im Fahrerlager. Der für kurz nach 13 Uhr angesetzte Start zum 24-Stunden-Radrennen am Nürburgring wird zunächst um drei Stunden verschoben. Jetzt soll es um 19 Uhr 45 losgehen, mit den E-Bikes als erste Startergruppe, gefolgt nach jeweils einer weiteren Viertelstunde vom großen Feld der klassischen Rennräder und den Teilnehmern des Mountainbike-Rennens.

„Wir bauen ein Hot Rod“, hat Heiko Böhle, Produktmanager bei Felt, angekündigt. Basis für das ungewöhnliche Rennrad ist der Outfitter“, ein E-Fatbike mit Camouflage-Lackierung, serienmäßig schon ein Hingucker. Am Vorabend wurde dem Boliden ein Rennlenker verpasst, die hintere Profilwalze durch einen wuchtigen, eigentlich für Felts Cruiser-Modelle entwickelten Semislick-Reifen ersetzt, vorne dagegen hängt ein aerodynamisches Carbonlaufrad von Zipp mit gerade mal 23 Millimetern Bereifung in der Gabel, wie man es etwa bei Zeitfahrrennrädern findet.

Auf den wenigen Metern zur technischen Abnahme erntet das Rad ungläubiges Staunen. Dutzende Smartphones und Kameras werden gezückt. Doch wie es sich für eine Diva gehört, hat das Rad seine Tücken. Der kleinste Gang fehlt, weil die Rennradschaltung nicht zum Mountainbike-Ritzelpaket passt, und das vordere Laufrad ist mit seiner reduzierten Speichenzahl nicht für eine Scheibenbremse ausgelegt. Zu allem Überfluss sind die Beläge auch noch nicht eingebremst, da das Rad erst vor Ort fertig gestellt werden konnte.

Modernes Motor-Rad gegen Traditionsbewusstsein

Das Hot Rod bringt aus der ersten Runde eine Spitzengeschwindigkeit von über 90 km/h mit zurück. In der langsam hereinbrechenden Nacht wird dieser Wert sogar noch auf beeindruckende 96,2 km/h gesteigert. Die Angst vor Anfeindungen von Analogfahrern ist groß. Die Rennradszene ist schließlich durch ein gewisses Traditionsbewusstsein geprägt – und hier wird ein „Motor-Rad“ gefahren. Doch die Befürchtungen sind weitgehend unbegründet.

Bergauf ist das Hot Rod ganz vorne mit dabei, in den Abfahrten überholen die Rennräder dann fast immer mit viel Platzreserve. Die rein auf Muskelkraft setzenden Sportler wissen nicht, dass auch dieses Rad bei Geschwindigkeiten über 25 km/h doppelt so schwer und komplett ohne Motorkraft zu bewegen ist. Den größten Teil der Strecke zeigt die Unterstützungsanzeige keinen Balken an, der Akku, der jede Runde ausgetauscht wird, würde wohl locker drei Runden lang halten. Es bleibt zu wünschen, dass der gemeinsame Sportsgeist hochgehalten wird, wenn sich die Rennradfahrer die Strecke mit mehr als einem guten Dutzend E-Bike-Teams wie in diesem Jahr teilen müssen.

In der Nacht gibt es innerhalb der E-Bike-Klasse Verstimmungen. Ein französisches Team hat sich von Beginn an souverän an die Spitze gesetzt. Plötzlich holt eine Mannschaft auf, die ein System fährt, das prinzipiell höhere Geschwindigkeiten unterstützt. Das lasse sich technisch nicht verhindern, erklärt ein Mitarbeiter von Bosch, der selbst mit drei Teams vertreten ist. Es scheint wie im klassischen Radsport: Dort, wo man auf Fairness nur vertrauen kann, macht sich zwangsläufig Misstrauen breit. Doch selbst bei den Franzosen verfliegt der Unmut schließlich. Ein möglicher Betrug lässt sich nicht nachweisen.

Das Hot-Rod-Team ist mit demselben Rad gefahren und hat durch den ständigen Austausch von Akku, Licht und Sattelstütze sicher eine ganze Runde verloren. Aber es war eine ganz neue und tolle Erfahrung.“

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